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Sitting Bull, Häuptling und Medizinmann der Hunkpapa-Lakota-Sioux. Foto von David Frances Barry, 1885
 
John Ross, Cherokee-Häuptling von 1828 bis 1866; Farblithographie c.1843

Indianer ist die im Deutschen verbreitete Sammelbezeichnung für die indigenen Völker Amerikas – ausgenommen die Eskimovölker und Aleuten der arktischen Gebiete – sowie der amerikanischen Pazifikinseln. Ihre Vorfahren haben Amerika in frühgeschichtlicher Zeit von Asien aus besiedelt und dort eine Vielzahl von Kulturen und Sprachen entwickelt. „Indianer“ ist dabei eine Fremdbezeichnung durch die Kolonialisten, eine entsprechende Selbstbetitelung der weit über zweitausend Gruppen besteht nicht. Allerdings gibt es übergreifende Begriffe in Kanada, in den USA sowie im ehemals spanischen und im portugiesischen Teil Amerikas.

Ihre Vorfahren entwickelten zunächst die mitgebrachte Jäger- und Sammlerkultur fort, lebten bald – teilweise nomadisch – überwiegend von Landsäugetieren wie Bisons, Karibus und Guanacos oder von Vögeln wie Nandus. Sie befuhren aber auch bereits kurz nach der letzten Eiszeit den Pazifik entlang der Küste.[1] Keramik, Ackerbau (wie der vor 4000 v. Chr. einsetzende Anbau von Kürbissen) und abgestufte Formen der Sesshaftigkeit sowie sehr früher Fernhandel kennzeichneten die Kulturen im Norden des Kontinents, während im Süden regional Viehzucht und Bewässerungswirtschaft zu höheren Erträgen und vor 3000 v. Chr. zu städtischen Kulturen führte, die nach Norden bis an den Mississippi River und in den Süden Kanadas reichten. Daneben existierten weiterhin Wildbeuterkulturen, die die Landschaft in großem Ausmaß nutzten und veränderten. Den herausragenden Züchtungserfolgen der bäuerlichen Indianern Mittel- und Südamerikas haben wir heute u. a. Avocado, Kartoffel, Tomate, Mais, Ananas, Paprika, Tabak sowie die Alpakawolle und die Meerschweinchen zu verdanken.

Im heutigen Lateinamerika vernichteten im 16. Jahrhundert iberische Eroberer („Konquistadoren“) innerhalb weniger Jahrzehnte die Großreiche Mittel- und Südamerikas. Noch zerstörerischer wirkten sich allerdings die von den Europäern eingeschleppten Krankheiten aus. In einigen Regionen, wie z. B. in der Karibik, fand ein Genozid an der indigenen Bevölkerungen statt, die dann durch afrikanische Sklaven ersetzt wurden; in anderen Regionen, wie z. B. in Südamerika, vermischten sich indianische und europäische Bevölkerung. Nur in einigen Gebieten, wie in Bolivien und im Süden Mexikos, befinden sich die Indianer heute noch in der Mehrheit. In Bolivien regiert eine von einem Indio geführte Partei. Heute stellt für ihre Kulturen, die in Südamerika noch stark an ihre natürliche Umgebung gebunden sind, vor allem die Politik der industriellen und agrarische Nutzung, der Abholzung des Waldes sowie der Ausbeutung von Bodenschätzen eine Gefahr dar.

In Nordamerika gerieten die indigenen Volksgruppen der Indianer ab 1600 nach und nach in die Minderheit. Dieser Verdrängungsprozess dauerte bis in das 20. Jahrhundert an. Die europäischen Einwanderergesellschaften betrachteten die Indianer als „minderwertig“ und versuchten sie systematisch zu verdrängen: durch gezielte Assimilationspolitik, dabei vor allem durch Verschleppung der Kinder in Internate; durch Versuche, die „Indianer“ zu (sesshaften) Bauern zu machen; durch Absonderung in „Indianerreservaten“, Zwangsumsiedlung und Segregation sowie durch Strafexpeditionen, bei denen ganze Indianerdörfer ausgelöscht wurden.

Die Traumatisierungsfolgen sind lange unterschätzt oder ignoriert worden. Seit Ende des 20. Jahrhunderts haben sich Kirchen und einige Regierungen für Misshandlungen, Genozid an Volksgruppen und Kulturvernichtung entschuldigt. Anfang des 21. Jahrhunderts kam es zu Versuchen der Wiedergutmachung. Zudem erlangen sie Partizipationsmöglichkeiten und Fertigkeiten, um vertragliche und politische Rechte durchzusetzen.

Begriff

Die deutsche Bezeichnung „Indianer“ geht auf das spanische Wort indio zurück, einen Neologismus aus der Kolonialzeit. Christoph Kolumbus glaubte 1492, in Indien angekommen zu sein, als er Hispaniola erreichte. Mit „Indien“ bezeichneten die europäischen Seefahrer zur damaligen Zeit allerdings nicht nur den indischen Subkontinent, sondern den ganzen Osten Asiens, den sie über den westlichen Seeweg zu erreichen suchten. Obwohl zuletzt Amerigo Vespucci den Irrtum Kolumbus’ 1502 endgültig aufklärte, wurde die Bezeichnung der in den neu entdeckten Gebieten angetroffenen Bewohner als „Indianer“ beibehalten. Konkurrierende Begriffe wie „Amerikaner“ (etwa im Codex canadiensis), die teils wieder verschwanden, vor allem aber „Wilde“ und „Heiden“ (welche die Nichtzugehörigkeit zu „Zivilisation“ und Christentum hervorheben und damit eine Abgrenzung schaffen) waren früh in Gebrauch.

Im Spanischen gibt es den im Deutschen erkennbaren Unterschied zwischen „Inder“ und „Indianer“ nicht; beide Herkunftskategorien werden mit dem Wort indio bezeichnet. Um Missverständnisse zu vermeiden, werden in fast allen lateinamerikanischen Ländern die „echten“ Inder nicht als indios, sondern als hindú („Hindus“) bezeichnet, obwohl dies eigentlich nur eine in Indien verbreitete Religionszugehörigkeit angibt. In der Literatur wurde – ausgehend vom Französischen amérindien – auch der Neologismus amerindio geprägt. Im allgemeinen Sprachgebrauch herrscht in Lateinamerika für Indianer dagegen die generelle Benennung indígenas („Eingeborene“, „Ureinwohner“) oder pueblos indígenas (indigene Völker) vor.

Im brasilianischen Portugiesisch versteht man unter índio allgemein einen „Ureinwohner“ (eigentlich indígeno oder nativo); die Brasilianer unterscheiden demnach zwischen índios latinoamericanos, índios africanos und índios australianos (lateinamerikanischen, afrikanischen und australischen Ureinwohnern).

Im Englischen, wo eine semantische Unterscheidung ähnlich wie im Spanischen fehlt, wurde zur Abgrenzung von Indern der Begriff Red Indians geprägt,[2] der im Deutschen ebenfalls mit „Indianer“ zu übersetzen ist, aber heute ähnlich wie die deutsche Bezeichnung „Rothaut“ wegen ihrer rassistischen Konnotationen in der Regel nicht mehr verwendet wird. Heute wird in den USA überwiegend der Begriff Native Americans benutzt.

Im Deutschen wird der Ausdruck „Indianer“ manchmal ausschließlich auf die indianischen Ureinwohner Nordamerikas beschränkt, während die in Süd- und Mittelamerika beheimateten Gruppen in dieser Diktion dann als „Indios“ bezeichnet werden.

Vielfach wird der Begriff Indianer, Indian oder Indio von den Mitgliedern der damit angesprochenen Gesellschaften als koloniale Fremdbezeichnung abgelehnt oder gemieden. Für die Betroffenen bestand bis zum Eintreffen der Europäer kein Anlass, einen übergreifenden Begriff für die Bevölkerung des Kontinents zu bilden. Selbst die Eigenbezeichnung vieler Gemeinschaften war häufig einfach nur gleichbedeutend mit „Mensch“. Offenbar haben die Ureinwohner den Kontinent bzw. die ihnen bekannte Welt ursprünglich auch nur sehr selten als Einheit aufgefasst (ein Gegenbeispiel sind die Kuna in Panama und Kolumbien, die den Kontinent als Abya Yala „Kontinent des Lebens“ bezeichneten). Zwar gab es bereits vorkolonial vielfältige Sammelbezeichnungen für Volksgruppen und verwandte Ethnien, aber erst angesichts der Kolonialisierung gewannen beispielsweise die indianischen Ethnien Nordamerikas insgesamt ein gewisses Zusammengehörigkeitsgefühl. Gail Tremblay hält die gemeinsame Erfahrung der Kolonialherrschaft, den versuchten Genozid, die Assimilationsversuche und den Schmerz des Verlusts für die entscheidenden Faktoren, die zur Wahrnehmung von Verbindungen über Volksgrenzen hinweg geführt haben.[3] Begrifflich geschah dies durchaus auch unter prinzipieller Beibehaltung des Indianerbegriffs, wie an der Bezeichnung American Indian zu erkennen ist, die auch Angehörige nordamerikanischer Indianervölker selbst verwenden.

Den verbindenden Aspekt der gemeinsamen Beheimatung auf dem Kontinent betonen hingegen Bezeichnungen wie „amerikanische Ureinwohner“ (Native Americans, americanos nativos, genauer übersetzt: „eingeborene Amerikaner“), „Urvölker Amerikas“ (indigenous peoples of the Americas, original peoples of America, pueblos originarios de América) oder „indigene amerikanische Bevölkerungen“ (indigenous American peoples, pueblos indígenas de América). Im Gegensatz zum Begriff „Indianer“ schließen diese Begriffe allerdings auch die Inuit, Unangan und Yupik in Alaska und der nordkanadischen Arktis ein. Diese Völker trafen jedoch wesentlich später als die Indianer in Amerika ein und unterscheiden sich genetisch und kulturell von den früheren Einwanderern. Letzteres gilt auch für die Ureinwohner Hawaiis, Amerikanisch-Samoas und der Osterinsel. Sie alle werden daher im deutschen Sprachgebrauch nicht unter dem Begriff „Indianer“ gefasst.

Ebenso werden auch Mestizen, Métis oder Zambos, also Nachfahren aus Verbindungen zwischen Europäern bzw. Afrikanern und Indianern, gemeinhin nicht zu Letzteren gerechnet. Ohnehin werden derartige Bezeichnungen, die – ebenso wie „Halbblut“ (half-breed) oder „Mischling“ (mixed-blood) – auf Vorstellungen von „Blutreinheit“ (Blood purity, Limpieza de sangre) zurückgehen und Menschen nach der „Unvermischtheit des Blutes“ zu kategorisieren suchen, heute meist kritisch gesehen oder als rassistisch abgelehnt. Andererseits gilt die Mestizaje, also die untrennbare Vermischung indianischer und eingewanderter europäischer und afrikanischer Vorfahren, die viele lateinamerikanische Mehrheitsbevölkerungen auch in ihrem Selbstverständnis prägt, als kulturelles und soziologisches Unterscheidungsmerkmal des hispanischen und lusitanischen Amerikas gegenüber den rein „weißen“ bzw. „rassengetrennten“ Gesellschaften im Norden des Kontinents.

In Kanada wird überwiegend ein umfassender, nicht auf Indianer beschränkter Begriff gebraucht, nämlich First Nations bzw. Premières Nations, also „Erste Nationen“. Komplikationen ergeben sich allerdings aus dem Umstand, dass das Indianergesetz von 1876, das immer noch Gültigkeit besitzt und daher viele Traditionen des kolonialen Indianerbegriffs fortführt, zwischen Status Indians (das sind registrierte Angehörige der staatlich anerkannten First Nations, die bestimmte Rechte haben), Non-Status Indians (die diese Rechte nicht haben, weil sie nicht registriert sind) und Treaty Indians (die den Bestimmungen der mit einer großen Zahl von Stämmen geschlossenen Einzelverträge unterliegen) unterscheidet. Aufgrund dieser Legaldefinitionen verlieren beispielsweise „gemischte“ Paare ihren Anspruch auf die Rechte der Ureinwohner, ggf. sogar ihre formale Anerkennung als „Indianer“. Selbst Angehörige der First Nations gelten darum heute oftmals formalrechtlich nicht als Indians. Auf lange Sicht kann das zum Verschwinden der „staatlich anerkannten“ Indianer und damit zur Bedeutungslosigkeit der ihnen von Gesetzes wegen zuerkannten Rechte führen.

Aufgrund der von Staat zu Staat unterschiedlichen Prozesse bei der Konstruktion eines politischen Subjekts, das sich etwa im lateinamerikanischen Raum als Indígena (z. B. in Guatemala oder Brasilien), Nacionalidad Indígena (Ecuador) oder Pueblo Originario (Bolivien) bezeichnet,[4] kommt es auch im politischen Raum zu uneinheitlichen terminologischen Lösungen – zumal Begriffe wie Partido Indio („Indianerpartei“) oder National Congress of American Indians als Selbstbezeichnungen ebenfalls fortbestehen.

Dieses Ringen um die Bezeichnungen hat seinen Grund nicht allein in der Begriffsgeschichte, sondern auch in den gesellschaftlichen Konnotationen, mit denen die Begriffe verbunden sind. So wird Indian im englischsprachigen und Indio im spanischsprachigen Amerika häufig auch in der Sprache der Allgemeinheit als abwertende Qualifizierung betrachtet. Ähnliches gilt im französischen und im portugiesischen Sprachraum. Durch die Übersetzung ins Deutsche wird dieses sprachliche und terminologische Wirrwarr von Selbst- und Fremdbezeichnungen, bestimmt durch Abgrenzungsbedürfnisse und Zuweisungen im Spannungsfeld zwischen Rassismus und kultureller Selbstbestimmung, noch weiter verkompliziert. Letztlich hat sich der im Deutschen relativ diskriminierungsarme Begriff Indianer (siehe hierzu auch Indianerbild im deutschen Sprachraum) in den Augen Vieler als derjenige erwiesen, der diese Benennungs-Probleme am ehesten löst. Immer wieder neu kritisch zu hinterfragen bleiben jedoch die oft unreflektierten Aspekte der Fremdbeschreibung, der Homogenisierung nicht zusammengehörender Gruppen oder der Verniedlichung.

Bevölkerung und Reservate

 
Reservate in den USA (ohne Alaska)[5]
 
Indianerreservate in Brasilien
 
Xavantes in ihrem Reservat Maraiwatséde[6]

Die indianische Bevölkerung Amerikas ist sehr ungleichmäßig verteilt, wobei mehrere tausend Reservate bestehen. Dabei leben die meisten Indios in Mittel- und Südamerika nicht in Reservaten.

Während in Kanada 2006 knapp 700.000 Menschen (2,1 % der Bevölkerung) als Indianer galten und 615 Stämme in rund 3000 Reservaten anerkannt waren, existierten in den USA 566 von der Bundesregierung anerkannte Stämme[7], die 0,97 % der Bevölkerung darstellten, und rund 245 nicht anerkannte Stämme.[8] Innerhalb der Staaten lassen sich dabei gleichfalls Schwerpunkte erkennen. So lebt der überwiegende Teil der US-Indianer in Kalifornien, Arizona, New Mexico und Oklahoma. Insgesamt leben in Nordamerika rund 3,5 bis 4 Millionen Indianer.

In Lateinamerika leben hingegen 65 bis 70 Millionen Indianer, davon etwa die Hälfte in Mexiko, ein weiteres Drittel in den Andenländern. Nur in Bolivien stellen sie die Spitze der Regierung. Die Abgrenzung zur übrigen Bevölkerung ist weniger scharf definiert, Reservate existieren vor allem in Brasilien, Kolumbien, Panama, Paraguay und Venezuela und liegen zum größten Teil in den Waldgebieten des Orinoco-, Paraná- und Amazonasbeckens.

Allein in Mexiko wird die indigene Bevölkerung auf 30 % der über 100 Millionen Mexikaner geschätzt, wobei Mestizen weitere 60 % der Gesamtbevölkerung ausmachen.[9] In Belize geht man von 10 % bzw. von 45 % aus. In Guatemala sind 59,4 % Mestizen (hier Ladinos genannt), 45 % der Bevölkerung gehören verschiedenen Maya-Gruppen an. Davon sind 9,1 % Quiché, 8,4 Cakchiquel, 7,9 Mam, 6,3 % Kekchí, weitere 8,6 % gehören anderen Maya-Gruppen an. Im Nachbarland Honduras liegt der Anteil der Indios bei 7 %, der der Mestizen bei 90, ähnlich wie in El Salvador, wo die Indianer jedoch nur noch 1 % der Bevölkerung stellen. In Nicaragua liegt der Anteil der Mestizen bei 69, der der Indios bei 5 %. In Costa Rica liegt der Anteil der Indios nur bei rund 1 %, in Panama bei 5 %. Die Karibik ist das Extrem, denn etwa auf Kuba leben praktisch keine Indianer mehr, ähnlich wie auf Jamaika. Auf Dominica leben 300 bis 500 Kariben in einem eigenen Reservat.

In Südamerika existieren gleichfalls Schwerpunkte. Während der Anteil der Indianer in Kolumbien bei nur 1 % liegt, liegt dort der Anteil der Mestizen bei 58 %, immerhin 3 % sind Nachkommen von Schwarzen und Indianern. In Guyana liegt der Anteil der Indios bei 9,1 %, in Suriname bei 2 %. Erheblich höher ist der Anteil in den Andenstaaten, wie in Ecuador, wo 25 % der Bevölkerung Indianer sind, in Peru 45, in Bolivien sogar 55 % – 30 % sind Quechua und 25 % Aymara.

Weiter im Süden, in Chile, liegt der Anteil der indianischen Bevölkerung nur noch bei knapp 5 %, die meisten sind Mapuche. In Argentinien liegt ihr Anteil bei unter 3 %, in Uruguay gibt es fast keine Indianer, in Paraguay liegt ihr Anteil bei rund 5 %, in Brasilien jedoch unter 1 %.

In Nordamerika leben die Indianer oft in Reservaten, die in Kanada reserves, in den USA reservations genannt werden. In Kanada sind die Reservate infolge von Verträgen entstanden, die die Indianer mit der Regierung abschlossen. Kommissionen bestimmten nach Befragung der Indianer, aber ohne sie in die Entscheidung einzubeziehen, die Reservatsgrenzen. Innerhalb dieser Gebiete standen ihnen ihre traditionellen Rechte zu und sie zahlten für dort getätigte Umsätze keine Steuern. Rund die Hälfte der Indianer lebt heute in Städten.[10]

Die Indianerpolitik der Vereinigten Staaten wechselte mehrfach die Richtung. Alle Stämme wurden ab 1830 gezwungen, ihre Wohngebiete östlich des Mississippi zu verlassen, häufig wurden mehrere Stämme in einem Reservat zusammengefasst.[11] Obwohl die ländlich lebenden Indianer vielfach in Armut leben, gelang manchen Stämmen eine ökonomische Erholung. Gemäß der Volkszählung im Jahr 2000 lebten etwa 85 % außerhalb von Reservationen, meist in Städten.

In Brasilien und in den angrenzenden Ländern existieren immer noch Isolierte Völker, Gruppen, die bei Kontakten mit Weißen so schlechte Erfahrungen gemacht haben, dass sie diese zu meiden versuchen. Allein in Brasilien geht man von etwa 67 Gruppen aus.[12]

Sprachen

 
Verbreitungsgebiete der indigenen Sprachen Nordamerikas vor der Kolonialisierung

Die Sprachen bestehen aus Dutzenden von eindeutigen Sprachfamilien sowie vielen isolierten Sprachen. Es gab mehrere Versuche von Linguisten, diese in übergeordnete Familien zu gruppieren, davon ist keiner allgemein anerkannt. Zwei Sprachfamilien weichen deutlich von den anderen ab: Die Na-Dené-Sprachen und die eskimo-aleutischen Sprachen. Genetische Analysen der Indianer lassen mehrere Einwanderungswellen bei der Besiedlung Amerikas annehmen. Daher ist zu vermuten, dass diese Sprachen von Indianervölkern gesprochen werden, die als spätere Einwanderer nach Amerika kamen, als die anderen Völker den Kontinent bereits besiedelt hatten.

Schriften haben nur indianische Kulturen in Mittelamerika entwickelt. Die ältesten Zeugnisse stammen von den Olmeken in Mittelamerika und werden auf ca. 900 v. Chr. datiert. Hier entwickelten sich auch weitere Schriften, insbesondere die der Maya, Mixteken, Zapoteken und Azteken. Dabei bestand eine Variationsbreite zwischen noch rein logografischer Schrift bis zu einer weitgehend phonetischen Schrift.

Geschichte der Sprachen in Amerika

Nach der Kolonisierung Amerikas reichte die Haltung hinsichtlich der indigenen Sprachen von Vernachlässigung bis zu gezielter Unterdrückung. Nur die Missionsorden begannen früh, die Sprachen zu lernen und entsprechende Schulen einzurichten.[13] Das galt zunächst für Peru, wo eine Hochschule entstand, dann für zahlreiche Missionsgebiete zwischen Québec und Kalifornien im Norden, über die mexikanischen Ballungsräume bis zu den Grenzgebieten im Süden Chiles und entlang der portugiesischen Grenze (Brasilien). Gelegentlich verbreiteten sie dadurch Sprachen in Gebiete, in denen diese Sprache vorher nicht in Gebrauch war, wie etwa im Fall des Quechua. Neben den Sprachen mit Millionen von Sprechern, wie Aymara, Guaraní und Nahuatl lernten die Missionare nur wenige Sprachen, was ihr Überleben wiederum bestärkte.

In Nordamerika wurde der Gebrauch der indigenen Sprachen lange aktiv unterdrückt. Diese Politik fand ihren Höhepunkt in der sogenannten Termination mit dem Ziel, Indianer aus ihrem Stammesverbund zu lösen und als Individuen in die Gesellschaft zu integrieren. Dazu wurde insbesondere der Gebrauch von Indianer-Sprachen in der Schule strikt untersagt. Erst 1958 wurde dieses Ziel aufgegeben und seitdem gibt es zahlreiche Versuche, die nordamerikanischen Sprachen wieder zu beleben.

Verbreitung heute

In Nordamerika sind einige der größeren Sprachen, wie Cree (mit 60- bis 90.000 Sprechern) in Kanada[14] oder Navajo im Südwesten der USA (mit rund 150.000 Sprechern) nicht gefährdet, andere stehen kurz vor dem Aussterben. In Kanada sind noch mindestens 74 Sprachen in Gebrauch.

 
Indiosprachen in Mexiko mit mehr als 100.000 Sprechern

In Mexiko und den südlichen Nachbarländern dominieren die Maya-Sprachen. Mexiko erkennt 62 nationale Indiosprachen an, wobei 2005 mehr als 6 Millionen über 5 Jahre alte Bewohner eine dieser Sprachen als Muttersprache bezeichneten.[15]

In der Karibik werden die Sprachen der Cariben und der Arawak nur noch wenig gesprochen; zu ihren Vertretern zählen etwa die Taíno.

Anders sieht es in Südamerika aus. Schätzungen zufolge waren dort vor Kolumbus rund 1500 Sprachen verbreitet, davon existieren heute noch etwa 350. Die Einordnung in Sprachfamilien ist dabei, wie in ganz Amerika, stark umstritten.[16] Die Zahl der Sprecher ist erheblich höher als in Nordamerika und in der Karibik, zugleich konzentriert sich deren überwiegende Zahl auf wenige Sprachen. Diese wiederum wurden von Missionaren erlernt und gefördert. So überlebten zahlreiche Sprachen, zu denen inzwischen Materialien schriftlich und über das Internet verfügbar sind.[17]

Während im östlichen Tiefland Südamerikas Tupí-Sprachen vorherrschen, deren größten Zweig die Tupí-Guaraní-Sprachen darstellen, dominieren im Andenraum Quechua-Sprachen, deren sich bereits die Inkas bedienten. Neben ihnen bestehen große Sprachgruppen, wie die Aru-Sprachen, zu denen etwa das Aymara gehört, die indigene Sprache mit den meisten Sprechern in Südamerika (ca. 2,2 Millionen). In Argentinien sprechen rund eine Viertelmillion Menschen eine der beiden araukanischen Sprachen.

Überwiegend in Nordamerika entstanden im Kontakt zwischen Weißen und Indianern neue Sprachen, insbesondere Mischsprachen wie das Chinook Wawa an der Pazifikküste, weil der extensive Handel eine einfache Verständigungssprache erforderte. Hinzu kamen Sprachen wie das Michif, die wichtigste Sprache der Métis in Kanada, das aus indianischen und europäischen Sprachen bei der Entstehung eines Mischvolks entstand und Ursprünge im Cree und im Französischen hat. Das ebenfalls von Métis gesprochene Bungee hat hingegen schottisch-gälische und Cree-Wurzeln.

Bolivien, Paraguay, Ecuador[18] und Peru erkennen heute eine oder mehrere indigene amerikanische Sprachen als Amtssprache zusätzlich zum Spanischen an.

Geschichte

Indianische Kulturen vor 1500

Die Besiedlung Amerikas erfolgte in mehreren Einwanderungswellen, die mindestens 16.000 Jahre überspannen. In diesem Kontinuum ist die europäische Zuwanderung nur eine von vielen. Die Hauptroute der als Paläoindianer bezeichneten Gruppen führte von Sibirien über Beringia nach Alaska und von dort aus nach Süden. Genetische Analysen können die Verteilung der Ureinwohner mit drei Wellen erklären, von denen die erste die mit Abstand bedeutendste war. Aus ihr gingen nahezu alle indianischen Völker hervor und ihre Verteilung passt zu einem schnellen und direkten Vorstoß von Sibirien über Alaska nach Süden durch den ganzen Kontinent. Ein genetischer Anteil von 10 % bei den Chippewa fällt aus diesem Muster heraus und wird als Hinweis auf eine zweite Welle interpretiert. Schließlich kann die erste Welle nur 57 % der genetischen Ausstattung der Bewohner der nordamerikanischen Arktis erklären, so dass hier die dritte Welle angenommen wird.[19] Diese Analysen decken sich mit früheren linguistischen und morphologischen Untersuchungen.[20]

Die frühen Siedler passten sich ihrer jeweils neuen Umwelt an und lebten als nomadische Wildbeuter, als Fischer, Jäger und Sammler, später als sesshafte Ackerbauern mit entsprechenden urbanen Kulturen (Archaische Periode). Von Südamerika bis weit in den Norden züchteten sie ab etwa 7000 v. Chr. Pflanzen wie Mais, Kürbis[21] und Kartoffel sowie zahlreiche von den europäischen Bauern verdrängte Arten und wandelten dabei die Landschaft in viel stärkerem Maße um als man lange angenommen hat.

Die Viehzucht beschränkte sich auf wenige Arten wie Lama und verwandte Kameloide (Alpaca und Vicuña), sowie das Hausmeerschweinchen im Reich der Inka, den Truthahn in Nord- bzw. Mittelamerika und den Hund. Als Lasttiere standen neben dem Lama der Inka nur noch Hunde für kleinere Lasten zur Verfügung, die man in Nordamerika in einfache dreieckige Schleppgeschirre, Travois genannt, einspannte. Außerdem waren ihre Haare das Ausgangsmaterial für Decken und Kleidung.

Das Rad als Fortbewegungsmittel war offenbar unbekannt, wiewohl Räder und sogar Zahnräder als Bauteile mechanischer Geräte verwendet wurden. Man ging in der Regel zu Fuß und transportierte seine Lasten selbst oder benutzte Wasserfahrzeuge wie das Kanu. Würdenträger in hierarchischen Gesellschaften Mittel- und Südamerikas wurden mitunter in Sänften getragen.

Nordamerika

In Alaska reichen die ältesten gesicherten Funde 12.000 bis 14.000 Jahre zurück. Als älteste Kultur galt lange Zeit die Clovis-Kultur. Doch spätestens die Funde in den Paisley-Höhlen, die rund ein Jahrtausend vor den Clovis-Funden liegen, zeigten, dass die frühesten Bewohner nicht dieser Kultur angehörten. Die ältesten menschlichen Überreste lieferte die über 10.500 Jahre alte Buhl-Frau aus Idaho sowie die Überreste aus der On Your Knees Cave auf der Prince-of-Wales-Insel in Alaska, die rund 9.800 Jahre alt sind. An diese frühe Phase schloss sich die Archaische Periode an. An ihrem Ende zwischen 2000 und 1000 v. Chr. entwickelten sich der Gebrauch von Keramik, Ackerbau und verschiedene Formen abgestufter Sesshaftigkeit bis weit in den Norden. Die Jagdtechniken wurden durch Atlatl und später durch Pfeil und Bogen wesentlich verbessert. Während im Norden, wo Karibu- und Bisonherden die Ernährung sicherten, Jagdkulturen bestanden, spielte die Jagd im Süden eine immer geringere Rolle. Bevölkerungsverdichtungen traten in Nordamerika um die Großen Seen, an der pazifischen Küste um Vancouver Island, am Mississippi und an vielen Stellen der Atlantikküste sowie im Südwesten auf.

In Nordamerika existierten im Einzugsgebiet des Mississippi und des Ohio (Adena-Kultur, Mississippi-Kultur) komplexe Gemeinwesen (Templemound-Kulturen), die jedoch kurz vor Ankunft der ersten Europäer untergegangen sind. Sie strahlten bis weit in den Norden und Westen aus. Im Südwesten der USA entstanden Lehmbausiedlungen mit bis zu 500 Räumen, die sogenannten Pueblos. Diese Kultur ging auf die Basketmaker zurück, die bereits Mais anbauten. Um die Großen Seen entwickelten sich Großdörfer mit Palisaden und dauerhafte Konföderationen. Diese Gruppen betrieben ähnlich wie im Westen Mais- und Kürbisanbau sowie einen ausgedehnten Fernhandel – etwa mit Kupfer und bestimmten Gesteinsarten, die für Jagdwaffen und Schmuck von Bedeutung waren –, der sich in British Columbia bis 8000 v. Chr. nachweisen lässt.

Älteste Spuren in Meso- und Südamerika

 
Cueva de las manos (Höhle der Hände) in der südargentinischen Provinz Santa Cruz, ca. 7300 v. Chr., heute Weltkulturerbe

Sieht man von den vieldiskutierten Funden von Monte Verde ab, so sind wohl die Funde von Los Toldos[22] in der argentinischen Provinz Santa Cruz die ältesten in Südamerika.[23] Sie reichen mindestens 12.000 Jahre zurück. Ähnlich den nordamerikanischen Fundplätzen, weisen die Überreste auf die Jagd von Großsäugern (Riesenfaultiere und Pferde), Guanacos und Lamas hin. Ähnliches wurde in Cueva del Milodón (Chile) gefunden, wo sich ebenfalls ausgestorbene Beutetiere wie Pferde nachweisen ließen. Die Casapedrense-Kultur (ca. 7000 bis 4000 v. Chr.) galt als Vorläuferkultur der Tehuelche, bzw. Patagonier, deren älteste Funde allerdings inzwischen auf 9400 bis 9200 v. Chr. datiert werden.[24]

Mesoamerikanische Kulturen

In den wasserarmen Regionen entwickelte sich schon früh eine Bewässerungswirtschaft, was wiederum höhere Bevölkerungsdichten und komplexere Organisationsformen zuließ. Ähnlich komplizierte Verfahren zur Süßwassergewinnung wie in den trockenen Gebieten Zentral- und Südmexikos waren in Yucatán vonnöten. Hier entstand ab etwa 3000 v. Chr. eine auf größeren Siedlungen basierende Kultur, die zur vorklassischen Epoche der Maya-Kulturen gerechnet wird. Einer der ältesten Mayaorte war Cuello in Belize, das auf etwa 2000 v. Chr. datiert wird.

 
Maya-Pyramide in Chichén Itzá

Eine der wichtigsten Metropolen der Maya wurde neben Uxmal das zwischen dem 5. und dem 7. Jahrhundert erstmals aufblühende Chichén Itzá. Es entstand ein ganzes Netz miteinander verbundener Städte. Nach dem ungeklärten Zusammenbruch der Mayakultur im 10. Jahrhundert besiedelten (oder dominierten zumindest kulturell) Tolteken die Stadt. Bei den Maya übernahm nun Tulúm an der Küste eine Führungsrolle, möglicherweise ein Anzeichen, dass sich im 12. Jahrhundert der wirtschaftliche Schwerpunkt auf den Seehandel verlagerte.

Zwischen 100 und 600 n. Chr. war Teotihuacán das kulturelle, wirtschaftliche und Herrschaftszentrum Mesoamerikas. Seine Einwohnerzahl wird für die Zeit zwischen 450 und 650 auf bis zu 200.000 geschätzt. Die Stadt erstreckte sich über 20 km² Fläche. Allein die dortige Sonnenpyramide, die um 100 entstand, dehnt sich auf einer Grundfläche von 222 mal 225 Metern aus und ist rund 65 m hoch. Weitere Großbauten wie die Ciudadela, eine Art geschlossener Herrschaftsbezirk, entstanden. Die wirtschaftliche Basis der Stadt war neben der Bewässerungslandwirtschaft ein ausgedehnter Obsidianhandel; er wurde wohl auf dem Platz vor der Ciudadela abgewickelt und reichte mindestens bis an die heutige Grenze zu den USA. Die Wurzeln der Stadt reichen bis 1500 v. Chr. zurück. Ab 750 war die Metropole allerdings verlassen. Das zurückbleibende Machtvakuum füllten im 10. Jahrhundert erst wieder die Tolteken.

Die Tolteken wanderten ab dem 9. Jahrhundert in den Süden Mexikos ein und bildeten für zwei Jahrhunderte eine städtische Kultur, die allerdings von den stärker militärisch organisierten Chichimeken bedroht war, die gleichfalls aus dem Norden stammten.

 
Das von den Azteken beherrschte (grün) und tributpflichtige Gebiet (grün gepunktet) vor der Ankunft der Spanier, und ihre Nachbarn

Ende des 14. Jahrhunderts gelang es den Azteken, die sich selbst als Mexica bezeichneten, ein Großreich zu erobern, das sich mit tributpflichtigen Herrschaften umgab. Ihre Wurzeln reichen wohl ins 11. Jahrhundert zurück. Die Hauptstadt Tenochtitlan dürfte mehrere Zehntausend Einwohner, möglicherweise sogar 150.000 gehabt haben.

Kulturen in Südamerika
 
Machu Picchu, dessen Inkaname nicht überliefert ist
 
Ollantaytambo im Südosten Perus, knapp 2800 m hoch gelegen

Die ältesten Steinwerkzeuge in Südamerika reichen bis etwa 10.000 v. Chr. zurück, ähnlich wie die Höhlenmalereien bei Ayacucho in Peru und in den Lauricocha-Höhlen an der Quelle des Marañón. Der erste Anbau von Kürbissen und Bohnen und die Züchtung von Lamas wird auf vor 4000 v. Chr. datiert, der Kürbis taucht zu dieser Zeit aber auch schon weit im Norden, in Maine auf.

Die ältesten Keramiken fand man im ecuadorianischen Guayas-Becken. Sie werden der Valdivia-Kultur zugeordnet und auf das 4. vorchristliche Jahrtausend datiert. Keramik hat sich in Nordamerika nur in den Ballungsgebieten durchgesetzt, in anderen Gebieten setzten unterschiedlichste Techniken und Hindernisse seiner Verbreitung Grenzen. Die Valdivia-Kultur brachte bereits eine städtische Organisation mit Kulten, Riten und Opfergaben hervor.

Eine der ältesten Städte, Caral (nördlich von Lima), wurde 1996 entdeckt. Fünf Jahre später konnte die dortige Stufenpyramide auf 2627 v. Chr. datiert werden. Zur Stadt gehörten Häuser für mindestens 3.000 Bewohner. Tempelanlagen, künstliche Bewässerungssysteme und Fernhandel mit den Küstenbewohnern und denen des Amazonasgebiets deuten auf eine bereits weit entwickelte Hochkultur hin.

Noch älter ist Sechín Bajo, eine Stadt, deren Pyramide auf 3200 v. Chr. datiert werden konnte, und die seit 2003 ausgegraben wird.[25]

An der Küste Ecuadors bestand um 1600 v. Chr. die Machalilla-Kultur. Auf sie gehen die typischen Keramikgefäße mit Henkel zurück, die auch bei den Chavín, Mochica und Chimú überliefert sind. Die nachfolgende Chorrera-Kultur brachte um 1200 bis 500 v. Chr. Keramiken in Menschen- und Tiergestalt hervor. Die Häuser wurden um einen großen Platz gruppiert und auf künstlichen Aufschüttungen erbaut.

Die Kultur der Chavín (etwa 800 bis 300 v. Chr.) wies enge Beziehungen zu der der Olmeken auf, was der Gebrauch der Symbolhäufungen von Jaguar, Puma, Vogel und Schlange nahelegt. Die zeitgenössische Paracas-Kultur in der Gegend um Lima war wegen ihres Totenkultes bekannt.

Im Hochland von Bogotá bestand die Herrera-Kultur (vor 4. Jahrhundert v. bis 2. Jahrhundert n. Chr.), an der Westseite der Anden die Calima-Kultur (4. Jahrhundert v. Chr. bis 2. Jahrhundert n. Chr.). Grabanlagen ab dem 4. Jahrhundert gehen auf die San Agustín-Kultur zurück, die bis zum 7. Jahrhundert die Landschaft stark veränderte.

Zwischen 300 v. Chr. und nach 600 n. Chr. bestand die Nazca-Kultur rund 500 km südlich von Lima, die Bewässerungskanäle baute. Ähnliche Bewässerungssysteme entwickelte die Mochica-Kultur im Wüstenstreifen an der Pazifikküste. Neben Edelmetallen wurde Kupfer verarbeitet.

Um den Titicacasee bestand ab dem 1. Jahrhundert v. Chr. bis etwa 1000 n. Chr. die Tiahuanaco-Kultur. Ihre Spuren sind in Peru, Bolivien und im Norden Chiles nachweisbar. Etwa gleichzeitig entstand die Wari-Kultur (600 bis 1100), die sich nördlich entlang der Küste anschloss. Beide Kulturen wurden von Hauptstädten dominiert, die von erheblicher Ausdehnung waren. Die Wari umgaben ihre Hauptstadt mit Verteidigungsmauern, ihr Haupttempel Willkawayin ist erhalten.

Das erste Großreich entwickelten die Chimu in der Zeit von 1000 bis 1470 mit der Hauptstadt Chan Chan in der Gegend um das peruanische Trujillo. Ab etwa 1200 bis 1532 schufen die Inka ein Reich, das im 15. Jahrhundert seine größte Ausdehnung annahm. Neben Cusco, das zeitweise die Hauptstadt war, und Machu Picchu, ist Ollantaytambo zu nennen, wo sich die Grundanlage einer Inkastadt weitgehend erhalten hat.

Erheblich weniger erforscht ist die Geschichte der am Ostrand der Anden und in den Waldgebieten des Amazonas lebenden Gruppen. Zahlreiche Funde deuten jedoch auf erheblich ältere Kulturen hin (ca. 2450 v. Chr.), die möglicherweise noch vor denen des andinen Hochlandes entstanden sind. Wenig ist über die Chachapoya bekannt, die von etwa 800 bis 1600 am Ostrand der Anden lebten. Sie errichteten Felsengräber an steilen Klippen.

Zwischen 1000 v. Chr. und 500 v. Chr. wanderten die Arawak den Orinoco abwärts. Sie bauten Kanus und lebten von Fischfang, Jagd und dem Anbau von Mais, Bohnen, Süßkartoffel, Kürbis und Maniok. Hinzu kamen Erdnuss, Roter Pfeffer, Ananas, Tabak und Baumwolle.

Kolonialgeschichte

 
Ausschnitt aus Seite 34 des Codex Osuna, mit Symbolen die die drei Aztekenstädte Texcoco, Tenochtitlan und Tlacopan repräsentieren, dazu von Spaniern geschriebene Zeilen in Nahuatl
 
Kontrolle Nicht-indianischer Nationen über Südamerika (ab 1700):
grün: Portugal,
rot: Spanien,
blau: Frankreich,
braungrau: Holland
 
Kontrolle Nicht-indianischer Nationen über Nordamerika (ab 1750):
ocker: Vereinigtes Königreich,
olivgrün: Frankreich,
lachsrot: Spanien,
blau: Vereinigte Staaten,
dunkelbraun: Russland
 
Florida: Athore zeigt René Goulaine de Laudonnière Jean Ribaults Säule (mit dem Wappen Frankreichs). Theodor de Bry Kupferstich nach einer kolorierten Zeichnung von Jacques Le Moyne, 1591
 
Mögliche Route de Sotos, 1539–1542

Ab 1492 wurde der Doppelkontinent nach und nach von europäischen Staaten in Besitz genommen. Die verfolgten Kolonisierungs- und Besiedlungsformen unterschieden sich dabei deutlich voneinander und hatten gravierende Auswirkungen auf die dort angetroffenen Kulturen. Während im Norden ein Jahrhundert lang der Handel vorherrschte, und erst nach 1600 erste dauerhafte Kolonien an der Ostküste entstanden, eroberten Spanier binnen weniger Jahrzehnte die Großreiche Lateinamerikas.[26] Während im spanischen Bereich mehr als drei Viertel der Indianer lebten, erhielten Portugal mit Brasilien und Frankreich und England mit dem Norden die dünner besiedelten Regionen.

Zusammenbruch der indigenen Bevölkerung

Kriege spielten anfangs eine große Rolle bei der Auslöschung der indigenen Volksgruppen; doch eingeschleppte Krankheiten, Strafexpeditionen, Umsiedlungen und Zwangsarbeit dezimierten die Bevölkerung in einem kaum quantifizierbaren Ausmaß. Einige Volksgruppen in Mittelamerika verschwanden durch eingeschleppte Seuchen, ohne dass ein Europäer sie überhaupt zu Gesicht bekommen hatte.[27]

Um 1940 folgte man überwiegend dem Anthropologen Alfred Kroeber, der die Bevölkerung der westlichen Hemisphäre im Jahr 1492 auf lediglich acht Millionen und nördlich des Rio Grande auf eine Million Menschen schätzte. Diese Schätzungen wurden bereitwillig aufgegriffen, da sie die Vernichtung in ihrem Ausmaß verminderte und den politischen Mythos aufrechterhielt, die Europäer hätten einen weitgehend menschenleeren Kontinent erobert, und damit ihren Besitz legitimierte. Seitdem wurden immer neue, extrem abweichende Schätzungen auf unterschiedlichster methodologischer Grundlage erstellt. Sie reichen von kaum mehr als 8 Millionen bis zu über 110 Millionen. Jüngere Schätzungen gehen von einem sehr groben Näherungswert von 50 Millionen Einwohnern aus, von denen etwa die Hälfte in Mesoamerika, ein Viertel im Inkareich lebte.

Wie stark die Diskussion in Bewegung geraten ist, zeigt die These, die später beobachteten riesigen Bisonherden seien Weidetiere der Indianer gewesen. Die Herdengröße stellte folglich kein natürliches Gleichgewicht dar, sondern beruhte auf in wenigen Generationen eingetretener Übervermehrung nach dem starken Rückgang der menschlichen Population. Das Smithsonian Institute hat seine Schätzung für Nordamerika auf drei Millionen Menschen verdreifacht.

Die dichteste Bevölkerung existierte sicher in den Hochkulturen Lateinamerikas, wo dementsprechend die zahlenmäßig größten Bevölkerungsverluste zu verzeichnen waren. Hernán Cortés vernichtete das Reich der Azteken mit ca. 500 Soldaten[28] und zahlreichen verbündeten Indianern, Pizarro das der Inkas. In der Karibik wurde die Bevölkerung innerhalb weniger Jahrzehnte fast völlig ausgelöscht, Hernan de Soto schleppte 1539 bis 1542 verheerende Krankheiten in das Gebiet zwischen Mississippi und Florida.

Die iberischen Staaten, die sich 1494 im Vertrag von Tordesillas über die Aufteilung der Welt und damit auch des Kontinents geeinigt hatten, entsandten zahlreiche Männer nach Übersee, die sich dort mit indianischen Frauen verbanden. Rasch wuchs die Zahl der Abkömmlinge, die man Mestizen nannte. Die herrschende Klasse bildeten dabei Spanier und Portugiesen, die untere Klasse Mestizen und Indianer.

 
Von Pocken infizierte Nahua (Azteken), Bernardino de Sahagún (Florentiner Codex), 1585
 
Reiterkrieger (Llanero) aus der Steppe Kolumbiens, Mitte 19. Jh.

In Nordamerika richteten vor allem Krankheiten wie Pocken, Masern und Grippe katastrophale Schäden an.[29] Die Indianer verfügten über keinerlei Abwehrstoffe gegen diese für sie neuartigen Krankheiten. Zwar wurde die gezielte Verbreitung von Krankheiten in seltenen Fällen gefordert und mittels pockeninfizierter Decken womöglich versucht, doch waren die Risiken unabsehbar.[30] In dem Moment, wo es möglich war, die eigene Bevölkerung zu impfen, förderten jedoch, wie 1862 im pazifischen Nordwesten, einige Politiker die Ausbreitung der tödlichen Epidemie oder nahmen sie in Kauf.

Weiter trugen in den britischen Kolonien in Nordamerika durch die Skalpproklamation von 1756, bis 1749 bereits in Halifax und bei den Franzosen, und in einigen US-Bundesstaaten wie Massachusetts (1744) die Skalpprämien zur Vernichtung bei. In Kalifornien wurden nach dem Goldrausch von 1849 innerhalb von nur zwei Jahrzehnten mehrere Tausend Indianer ermordet.

Trotz der nicht zu überschätzenden Wirkung der Epidemien und in einigen Gebieten der Sklavenjagd, sollte die der Kriege nicht unterschätzt werden. Die verlustreichsten Kriege im Osten dürften die Schlacht von Mauvilla (1540), der Tarrantiner-Krieg (1607–1615), die beiden Powhatankriege (1608–1614 und 1644–1646), der Pequot- (1637), der König-Philip-Krieg (1675–1676), die Franzosen- und Indianerkriege (1689–1697, 1702–1713, 1754–1763) sowie die drei Seminolenkriege (1817–1818, 1835–1842 und 1855–1858) gewesen sein. Dazu kamen die Aufstände des Pontiac (1763–1766) und des Tecumseh (ca. 1810–1813). Die Franzosen standen von etwa 1640 bis 1701 in den Biberkriegen, dann in vier Kriegen mit den Natchez (1716–1729), die Niederländer im Wappinger-Krieg und in den Esopuskriegen (1659–1660 und 1663–1664), die Spanier gegen die Azteken und Inkareiche, 1680 gegen die Pueblos und in zahlreichen weiteren Kämpfen. Im Westen der USA waren es vor allem die Aufstände des Cochise (1861–1874), der Sioux (1862) und Lakota (1866–1867) oder von Apachen unter Geronimo (bis 1886), die bekannt wurden, ebenso einzelne Schlachten, wie die am Little Bighorn oder das Massaker von Wounded Knee (1890).

 
Tote auf dem Schlachtfeld von Wounded Knee. „Nur ein toter Indianer ist ein guter Indianer.“ Das in den Sprachgebrauch eingegangene Wort stammt von General Sheridan. Er antwortete auf die Aussage des Comanchen-Häuptling Tosowi: „Ich bin ein guter Indianer“ mit: „Die einzigen guten Indianer, die ich gesehen habe, sind schon tot.“

Welchen Anteil wirtschaftliche Ausbeutung und desolate Sozialverhältnisse, Vernachlässigung, kriegerische Auseinandersetzungen, Epidemien, Sklavenjagd, „ethnische Säuberungen“ und Genozidversuche[31] an dieser demographischen Katastrophe tatsächlich hatten – der Tiefpunkt wurde erst in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts durchschritten – und in welchem Verhältnis sie zueinander standen, wird kaum genau geklärt werden können. Fest steht nur, dass zahlreiche Völker mitsamt ihrer Kultur und Sprache vernichtet worden sind. Es war, gemessen an der Zahl der Opfer, die größte demographische und wohl auch kulturelle Katastrophe in der Geschichte der Menschheit.[32]

Staat, Feudalsystem, Kirche und Sklaverei als Faktoren der Kolonialisierung

Um die Frage der Behandlung der Indianer entspann sich ein umfassender Konflikt zwischen den Exponenten Bartolomé de Las Casas als „Generalverteidiger der Indios“ und Juan Ginés de Sepúlveda, den Missionsorden und dem Indienrat sowie den lokalen Feudalherren.[33] Die Krone versuchte die Granden, die von Anfang an zur Verselbstständigung ihrer Herrschaft neigten, durch ein Bündnis mit den Kleinadligen, den Hidalgos, und der Kirche unter Kontrolle zu halten. Die Verwaltung sollte von Sevilla aus erfolgen, niemand durfte ohne Genehmigung in die Kolonien. Zugleich sollten die Indios missioniert, seit 1503 in Encomiendas zusammengefasst und vor übermäßiger Gewalt geschützt werden (Gesetze von Burgos, 1512). Sie waren als Arbeitskräfte vorgesehen.

 
Indios, die an einem Fluss Gold waschen, Gonzalo Fernández de Oviedo: Historia General y Natural de las Indias, Islas y Tierra-firme del Mar Océano, Madrid 1535, Holzschnitt

1512/13 legten die Leyes de Burgos fest, dass die Indios den Feudalherren zwar überantwortet – daher der Begriff Encomienda –, aber nicht als Sklaven gelten sollten. Sie konnten allerdings zur Arbeit gegen Entlohnung gezwungen werden. Durch das Indi(ani)sche Recht versuchte Madrid gegen die brutale Drangsalierung der Indios und den rapiden Zusammenbruch der Bevölkerung durch das Encomiendasystem einen gewissen Schutz aufzubauen.

Durch das System der Mita waren die Provinzen schon im Inkareich gezwungen, reihum für eine bestimmte Zeit Arbeitskräfte für öffentliche Arbeiten zur Verfügung zu stellen. An dieses System knüpfte das Repartimiento ab 1549 an, wenn auch, wie etwa in Chile, das Encomiendasystem bis nach 1650 fortbestand. Das Repartimiento- oder „Zuteilungssystem“ diente vor allem der Bereitstellung von Kräften für die Feldarbeit und die lebensgefährliche Arbeit in Gold- und Silberminen (Potosí). Es wurde erst nach der Unabhängigkeit von Spanien abgelöst, stellte aber dennoch im Vergleich zur Encomienda eine Milderung dar.

Hingegen versorgten die sogenannten Paulistas oder bandeirantes, Sklavenjäger aus São Paulo, den Sklavenmarkt mit Indianern. Dazu durchstreiften sie riesige, auch spanische Gebiete, und entvölkerten sie mit Unterstützung von Tupi-Armeen durch Menschenraub und Vertreibung. Erfolgreiche Bemühungen zum Schutz der Indios vor Sklavenjägern, wie im Jesuitenstaat von Paraguay, wo Indios, wie der Kazike Nicolás Neenguirú den Sklavenjägern erfolgreich Schlachten lieferten – waren die Ausnahme.

Missionare veranlassten die Indianer, oftmals unter Ausnutzung ihrer Schutzbemühungen gegen Ausbeutung und Tötung, ihre Glaubensüberzeugungen aufzugeben. Ihre kulturellen Eigenheiten wurden von den Missionaren als „unzivilisiert“ oder „widernatürlich“ diskreditiert.

In Südamerika hatten Ordensmissionare bereits im 16. Jahrhundert indianische Sprachen erlernt und schriftlich dokumentiert, um die Ureinwohner missionieren zu können. Sie trugen so indirekt zum Erhalt zahlreicher Sprachen bei. In Lima entstand eine entsprechende Hochschule. Die von Jesuiten im 17. Jahrhundert im La-Plata-Gebiet aufgebauten Missionen („Reduktionen“ genannt), in denen sie den Indios eine zwar von europäischen Wertmaßstäben geprägte und paternalistisch verstandene, aber doch eigenständige und in gewissem Sinne selbstbestimmte Entwicklung ermöglichen wollten, haben letztlich sogar dazu geführt, dass das Guaraní bis heute lebendig und in Paraguay als Amtssprache anerkannt ist.

Auch dort, wo spanische Konquistadoren nicht hinkamen, lösten sie, von den Epidemien abgesehen, massive Veränderungen aus. Sie hatten Pferde eingeführt, von denen einige verwilderten und sich in den weiträumigen Ebenen Süd- und später auch Nordamerikas rasant verbreiteten. Sie bildeten die Grundlage für die Entstehung indianischer Reiterkulturen, darunter den Ende des 18. Jahrhunderts prägenden Reiternomadismus in den Great Plains. Die Pferde erleichterten die Jagd und den Transport ungemein und führten zu einem veränderten Kräfteverhältnis unter den Völkern, und damit zu weiträumigen Völkerwanderungen. Zudem erschlossen sich die Reitervölker bisher unbewohnbare Gebiete, und mit den zugerittenen Pferden ein neues Handelsobjekt.

Ganz andere Fernveränderungen lösten die nördlichen Kolonialmächte aus, indem sie Pelzhandel betrieben. Sie veränderten damit nicht nur die mit ihnen handelnden Gesellschaften, sondern wirkten darüber hinaus auf deren nahe und ferneren Nachbarn ein, sei es durch Handel mit Waffen und damit zusammenhängende Machtverschiebungen, sei es durch die Entwicklung von Handelsmonopolen der in der Nähe der Handelsstützpunkte (Forts) lagernden Stämme, sei es durch Auslösung von Völkerwanderungen.

Nachkoloniale Geschichte

Die Befreiung von portugiesischer, spanischer und britischer Kolonialherrschaft in den Jahrzehnten um 1800 bedeutete für die Indianer eine Intensivierung der Binnenkolonisation und eine Zunahme der Einwanderung, vor allem in den USA, Kanada, Brasilien, Chile und Argentinien. Damit stand das von ihnen bewohnte Land viel stärker Verwertungsinteressen heimischer Eliten im Wege, die durch keine Zwischenmacht oder durch die Kolonialverwaltung mehr behindert wurden.

In Nordamerika gerieten die Indianer schnell in die Minderheit, da ihre Zahl rapide abnahm, während die der Weißen zunahm. Selbst große Koalitionen, wie unter Pontiac und Tecumseh, wehrten sich vergeblich gegen das Vordringen. Bis 1890 war der letzte Widerstand gebrochen.

Dabei versuchten die Staaten die Kosten der Besiedlung, d. h. den Aufbau einer Infrastruktur, etwa durch transkontinentale Eisenbahnbauten, Verwaltung und Verteidigung, Polizei und Gerichte auf verschiedenen Wegen zu bestreiten. In den USA eigneten sich die Siedler als unbearbeitet betrachtete Ländereien an (Squatting) und zahlten dafür später geringe Summen, ein Verfahren, das in Kanada in geordnetere Bahnen gelenkt wurde (vgl. Wirtschaftsgeschichte Kanadas). Letztlich lief dies aber auch hier auf eine Inbesitznahme der überwiegenden Teile des Bodens durch Siedler aus Europa hinaus, deren Zuwanderung gefördert wurde.

 
Indios besuchen eine Fazenda in Minas Gerais, Johann Moritz Rugendas Gemälde, um 1824

In Südamerika wurden die kolonialen Landzuteilungen aufgelöst. Die Ländereien gingen an Großgrundbesitzer, die sie überwiegend als Haziendas, bzw. als Fazendas (Brasilien) weiterführten. An diesem Großgrundbesitz entzünden sich bis heute zahlreiche Konflikte, denn sie überließen vielen Indios zwar kleine Parzellen für die Subsistenzwirtschaft, forderten aber dafür Dienste – eine Wiedereinführung feudaler Frondienste.

Widerstand wurde mit Waffengewalt und Hunger gebrochen, die Indianer mussten in den USA sogar alles Land östlich des Mississippi verlassen (Indian Removal Act und Pfad der Tränen), in Kanada wurden Reservate meist im traditionellen Gebiet eingerichtet (reserves), ebenso wie in den USA (reservations). Dort wurden allerdings häufig mehrere Stämme, die kulturell oftmals weit entfernt standen, in eine Reservation gezwungen. Ende des 19. Jahrhunderts war dieser Prozess im Norden im Großen und Ganzen abgeschlossen, die Zahl der Indianer auf einen Bruchteil reduziert.

Während die Missionierung im Süden überwiegend im 16. und 17. Jahrhundert durch katholische Orden erfolgte, wurden viele Stämme im Norden erst im Laufe des 19. Jahrhunderts katholisch oder schlossen sich einer der protestantischen Konfessionen an. Dies war jedoch nur der erste Schritt zur Assimilierung, die auf die Auslöschung der Kulturen hinauslaufen sollte, die von Kanada und den USA, aber auch den Kirchen als minderwertig betrachtet wurden. Mehrere Generationen lang fruchtete dies jedoch wenig, so dass man die Kinder weitgehend von den Erwachsenen absonderte, um sie in internatartigen Schulen (Residential Schools) zu unterrichten, wie sie in ganz Kanada bestanden. Dort wurde ihnen nicht nur jede traditionelle kulturelle Äußerung, sondern vor allem der Gebrauch ihrer Sprache verboten. Gegen die rechtliche und ökonomische Marginalisierung mit Rechtsmitteln vorzugehen wurde ihnen darüber hinaus verboten. Traditionelle Rituale, wie Sonnentanz und Potlatch waren bis in die 50er Jahre verboten, die letzten dieser Schulen wurden erst in den frühen 1980er Jahren aufgelöst. Ähnlich war die Situation in den USA.

Der Fischfang und das Jagdrecht wurden gleichfalls untergraben. Besonders die Massenjagd der Amerikaner auf das Wild, wie das Abschlachten der Bisons im späten 19. Jahrhundert oder die Dezimierung der Karibuherden nach dem Bau des Alaska Highways, bedrohen die vertraglich zugesicherte Existenzweise zahlreicher Stämme. Darüber hinaus zerschnitt der Bau riesiger Staudämme die Wanderrouten der Herden und erschwerte damit die traditionelle Lebensweise der Indianer noch mehr. Erst gegen Ende des 20. Jahrhunderts erlangten die Stämme hierin zunehmend Mitspracherechte und verwalten Parks und Schutzgebiete mit. Allerdings ist die Situation regional sehr unterschiedlich.

 
Bisonschädel, Mitte der 1870er Jahre
 
„American Progress“ (amerikanischer Fortschritt), Gemälde von John Gast, 1872, das die zivilisatorisch-religiöse Aufgabe der Siedler symbolisch überhöht

In den USA führte diese Entwicklung zu einer massiven Landflucht und Verstädterung der Indianer, zugleich wurden die Reservate in Privatbesitz umgewandelt, den die verarmten Bewohner oftmals verkaufen mussten. In den 1930er Jahren erhielten die Stämme die Möglichkeit, sich selbst zu verwalten und Hoheitsrechte auszuüben, doch 1953 bis 1961 versuchte man, die zum Teil neu geschaffenen Stämme und die Reservate aufzulösen und die Indianer zur Abwanderung in die Städte zu veranlassen (Termination Policy). In Alaska schuf der Alaska Native Claims Settlement Act ab 1971 ein System von Beteiligungen und Geldflüssen, wogegen die Ureinwohner ihre Reservate aufgaben, sieht man von Metlakatla auf Annette Island ab.

In Kanada beschreitet man den Weg der Privatisierung in jüngster Zeit gleichfalls. Viele Rechte sind in den letzten Jahrzehnten vor Gerichten erstritten worden, wozu Wiedergutmachungen und Beteiligungen an auf ihrem Land gemachten Erträgen – etwa durch Bodenschätze oder Staudämme –, sowie Entschädigungen für Misshandlungen in den Schulen gehören (s. Residential School). Dennoch lebt inzwischen jeder zweite Indianer in einer Stadt.

In Südamerika begannen die Kämpfe gegen die Unterwerfung erheblich früher, wie etwa im Mixtón-Krieg (bis 1542), und sie dauerten bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts. Nach der Zerstörung der Großreiche drangen Spanier weit in den Norden vor und unterwarfen etwa die Pueblobevölkerung am Rio Grande. 1680 gelang diesen ein Aufstand, der bis 1692 andauerte. Der Widerstand der Maya gegen Landenteignung, Versklavung und Demütigung entzündete sich an der Hinrichtung mehrerer Mayaführer am 30. Juli 1847. Der als Kastenkrieg bekannte Aufstand erfasste ganz Yucatan und dauerte bis 1901. Die letzten Cruzoob, wie sich die Aufständischen nannten, schlossen erst 1935 einen Friedensvertrag mit der Regierung, der ihnen bis heute die Selbstverwaltung ihrer Dörfer gestattet. Der Aufstand der Zapatistas, der in der Provinz Chiapas 1994 begann, basierte ebenfalls auf dem Widerstand der Indios, bediente sich aber westlicher Ideologien und der Guerillataktik.

In Bolivien, dem einzigen Land, in dem die Mehrheit aus Indios besteht, regiert seit 2005 ein indianischer Präsident. Evo Morales ließ sich 2008 mit 67 % der Stimmen bestätigen. „Armut, mangelhafter Zugang zu Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen sowie fehlende Integration in das formale Wirtschaftsleben“[34] waren hier, genauso wie im benachbarten Peru, die Ursachen für den Widerstand der Indios – neben dem mangelnden Respekt vor ihrer Kultur. Dabei verbündet sich der verarmte, auch nichtindigene Landraum zunehmend gegen die zentralistischen Hauptstädte Lima und La Paz. Gut ausgebildete Indios, wie Alberto Pizango, der 1.350 Amazonasdörfer führte, vertraten, ähnlich wie in Nordamerika, ihre Ansprüche vor Gerichtshöfen und auf der politischen Ebene.[35] 2009 kam es zu Kämpfen, bei denen bis zu 250 Indianer ums Leben kamen.[36]

 
Dilson Ingarico, Präsident des Indigenenrats der Ingaricò in Brasilien
 
Angehöriger der Rikbaktsa während der indigenen Spiele im brasilianischen Olinda

Ganz anders ist die Situation in denjenigen Staaten Südamerikas, in denen die Indios zu einer kleinen Minderheit geworden sind, wie in Brasilien. Die Landenteignung wird dort, wenn auch eher von Unternehmen auf der Suche nach Bodenschätzen und von Grundbesitzern, fortgesetzt, wie etwa gegen die Makuxi im Norden oder die Guarani im Süden.[37] Die Regierung steuert dieser Entwicklung nur unzureichend entgegen, wie am 17. März 2009 der Oberste Gerichtshof feststellte. Er entschied, dass das Reservat Raposa/Serra do Sol im Bundesstaat Roraima den dortigen Ethnien gehört. Das Reservat nahe der Grenze zu Guyana war zwar 2005 durch Präsident da Silva den Indios zugesprochen worden, doch habe die Regierung nicht einmal eingegriffen, als es zu Kämpfen kam. Seit 2002 kämpfen die Tremembé im brasilianischen Ceará gegen ein Tourismusprojekt um ihr 3.100 Hektar großes Reservat.[38] Die Suruí, ein Stamm in der Provinz Rondônia, der vor 40 Jahren noch 5.000, heute nur noch 1.300 Angehörige zählt, haben Kontakt zu Google Earth Outreach aufgenommen. Sie wollen die Zerstörung des Regenwalds über Google Earth sichtbar machen und ihr Gebiet überwachen.[39][40] Die größte Zwangsumsiedlung ist am Rio Madeira vorgesehen, wo GDF Suez, ein halbstaatlicher französischer Konzern, den Jirau-Staudamm bauen lässt.[41] Ähnliches plant die Regierung Lula am Rio Xingu, wo sich inzwischen der Filmemacher James Cameron einmischte.[42] Einen Teil der technischen Ausstattung liefern Voith Hydro, Siemens und Andritz.[43] Dammbauprojekte bedrohen zugleich indianische Kulturen in Kanada, wie etwa in British Columbia, wie dies bereits seit Anfang des 20. Jahrhunderts Bauten in den westlichen USA taten. Sie verhinderten die Lachswanderungen und entzogen damit den davon abhängigen Stämmen die Lebensgrundlage.

Besonders ungünstig ist die Situation bei den weltweit rund 100 isolierten indigenen Gruppen, die von jedem (weiteren) Kontakt verschont werden sollen, weil sie ansonsten den ihnen unbekannten Krankheiten zum Opfer fallen würden. Solche Gruppen existieren in Brasilien, Peru und Ecuador, ebenso wie im Chaco-Gebiet von Paraguay, wo etwa die Ayoreo leben.

Kultur

In der Ethnologie wird vor allem für Nordamerika, seltener für Mittel- und Südamerika eine grobe Einteilung der indigenen Kulturen nach sogenannten Kulturarealen vorgenommen, in denen Ethnien mit ähnlichen kulturhistorischen Merkmalen zusammengefasst werden (siehe auch: Nordamerikanische Kulturareale und Kulturen der indigenen Völker Südamerikas).

Erzählung, Literatur, Schrift

Außer einigen mittelamerikanischen Kulturen, die eine Bilderschrift besaßen, wie die Maya, die ein echtes Schriftsystem entwickelten, hinterließen die Kulturen der westlichen Hemisphäre wenige schriftliche Zeugnisse. Doch in den letzten Jahren wurden die ältesten Schriften in die Zeit um 900 v. Chr. zurückdatiert. Der sogenannte Cascajal-Stein aus dem frühen 1. Jahrtausend v. Chr. zeigt auf einer Fläche von 36 mal 21 cm 62 Zeichen. Er belegt, dass die Olmeken, möglicherweise als erste, ein Schriftsystem entwickelt haben.[44]

Unter den Prärieindianern existierten Chroniken, die graphische Symbole für wichtige Ereignisse verwendeten. Ohne mündlichen Kommentar waren diese Chroniken nicht verständlich. Die bedeutendste Bilderschrift ist die auf Baumrinde festgehaltene Stammessage der im Osten der USA lebenden Lenni Lenape, bekannt als Walam Olum. Die Überlieferung erfolgte daher größtenteils mündlich. Die mündliche Überlieferung war jedoch in der Lage Jahrhunderte und teilweise Jahrtausende zurückliegende Ereignisse zu bewahren. Eine weitere Memoriertechnik ist die Errichtung von Erinnerungsmalen, wie etwa von Totempfählen, die an der Nordwestküste für bedeutende Verstorbene aufgestellt wurden.

 
Sequoyah mit einer Tabelle der von ihm entwickelten Cherokee-Schrift. Nach einem Gemälde von Charles Bird King

Schon früh entwickelten Missionare Schriften, die die Laute der Indianersprachen angemessener wiedergeben sollten, als es die begrenzten Möglichkeiten der lateinischen und kyrillischen Zeichen ermöglichen. Hinzu kamen eigenständige Entwicklungen, wie das von Sequoyah ab 1809 entwickelte Cherokee-Alphabet. Heute besitzen zahlreiche Stämme, wie die Cree, eine eigene Schrift.

1828 bis 1834 konnte Gallegina Watie (Elias Boudinot), ein Cherokee, eine Zeitung herausgeben, den Cherokee Phoenix, der wöchentlich in Englisch und Cherokee erschien.

Nordamerika

Im Gegensatz zu den Erzählungen der mündlichen Kultur basiert die literarische Produktion ganz überwiegend auf den Kolonialsprachen, die paradoxerweise zu den hauptsächlichen, innerindianischen Kommunikationsmedien geworden sind. Neben dem Hauptstrom der Literatur repräsentiert die native literature die Tradition der ethnischen Gruppen Nordamerikas.[45] Sie ist trotz der Übersetzung (ins Englische und Französische) und der Schriftlichkeit stark in mündlichen Traditionen verwurzelt.

Die im 17. Jahrhundert einsetzende schriftliche Überlieferung durch Übersetzung ins Englische bzw. Französische wirkte jedoch durch christlich-moralische Vorbehalte und Missverständnisse verzerrend. Zudem sind zahlreiche Geschichten im Besitz von Abstammungslinien und dürfen nur in bestimmten rituellen Zusammenhängen erzählt werden. Der überwiegende Teil von ihnen ist weder öffentlich zugänglich noch übersetzt.

 
William Apes: The Experience of William Apes, a Native of the Forest, 1831

Die selbstständige literarische Tradition reicht mindestens bis in das frühe 19. Jahrhundert zurück, wie etwa William Apes' The Experience of William Apes, a Native of the Forest von 1831 zeigt. Apes (1798–1839) war Pequot und zählt, wie George Copway, ein Anishinabe, und Chief Elias Johnson, ein Tuscarora, zu den frühen Beispielen amerikanischer Literatur. Diese Tradition lässt sich bis Joseph Brant verlängern, der Thayendanegea hieß (1742–1807) – er übersetzte den anglikanischen Katechismus sowie das Evangelium nach Markus in die Sprache der Mohawk. Einen weiteren Aufbruchsversuch stellt das isolierte Werk von Oliver La Farge, die Novelle Laughing Boy von 1929 dar, ebenso wie die Tochter eines Mohawk-Häuptlings Emily Pauline Johnson (1861–1913) mit Werken wie The Song My Paddle Sings, Flint and Feather oder The White Wampum, die auch in den USA und in Großbritannien publiziert wurden. Sie widmete Thayendanegea/Brant eine Ode to Brant.

 
Emily Pauline Johnson: The White Wampum, 1895

Der Kiowa N. Scott Momaday erhielt 1969 den Pulitzer-Preis für House Made of Dawn, Vine Deloria publizierte Custer Died For Your Sins. An Indian Manifesto. Den nationalen Rahmen sprengte schließlich Dee Browns Begrabt mein Herz an der Biegung des Flusses von 1970. Nun errangen Autoren wie Norval Morrisseau mit Legenden (Ojibwa Legends of My People, 1965), Dan George und Rita Joe mit poetischen (My Heart Soars, 1974 und Poems of Rita Joe, 1978), aber auch politischen Werken (Harold Cardinal: The Rebirth of Canada’s Indians, 1977) im Norden Anerkennung. Eine wesentliche Rolle spielte zudem die Rückgewinnung der kulturellen Autonomie nach den Verboten zentraler Traditionen, wie des Potlatch (George Clutesi: Potlatch, 1969). Insgesamt nahmen die Versuche, an die Überreste der eigenen Kulturen anzuknüpfen, zu (John Snow: These Mountains Are Our Sacred Places 1977, Beverly Hungry Wolf: The Ways of My Grandmothers, 1980). Dabei spielten autobiographische Ansätze eine wichtige Rolle (Rita Joe: Song of Rita Joe: Autobiography of a Mi'kmaq Poet).

Mesoamerika

 
Der Dresdner Codex, 39 Blätter, ca. 20 mal 10 cm, ca. 1200 bis 1250, S. 9 der Förstemannausgabe[46]

Mesoamerika, die Region mit einer weit zurückreichenden Schrifttradition, nahm sowohl spanische als auch Mayatraditionen auf, wie sie sich etwa in den Inschriften des Herrschers von Palenque, K'inich Janaab' Pakal (615–683), im Tempel der Inschriften erhalten haben.[47] Dabei ist die Verbindung von Text und Abbildung sehr eng, ähnlich wie in den vier erhaltenen Maya-Codices, die ab dem 5. Jahrhundert auf der Innenseite bearbeiteter Baumrinde, vor allem von der Feigenart Ficus glabrata, geschrieben wurden. Unter ihnen gilt der Codex Dresdensis (1. Hälfte 13. Jahrhundert) als wichtigster.

 
Codex Borgia, S. 71, wahrscheinlich kurz vor der Ankunft der Spanier in Puebla entstanden, Facsimile-Edition 1898. Der Codex diente wohl Priestern zur Ausübung ihres Dienstes. Dargestellt sind Sonne (links), Mond (rechts) und Morgenstern (kleines Symbol) und die 13 Vögel (= Stunden) des Tages[48]

Die meisten Maya-Codices ließ Bischof Diego de Landa ab 1562 verbrennen. Dennoch hat sich hier wie bei den Azteken, wo in der Kolonialphase rund 500 von ihnen entstanden und heute noch zumindest in Teilen existieren, eine Tradition der Codex-Herstellung gehalten. Die Codices der Azteken enthalten meist keine Schriftzeichen, bzw. erst später eingetragene in lateinischer Schrift und in Nahuatl. In dieser Sprache verfassten Missionare erste Grammatiken und Wörterbücher. Von beiden kulturellen Wurzeln geprägt waren bereits die Historien- und Prophetienbücher Chilam Balam.[49] So verbanden sich vorspanische, eher piktographische Traditionen mit kolonialzeitlich-schriftlichen, wobei letztere langsam die Oberhand gewannen.

Im stärker rituellen Vollzug von mündlichem Textvortrag spielte der Gesang eine andere Rolle als in Europa. Im 16. Jahrhundert wurden 91 aztekische Lieder in den Cantares Mexicanos aufgezeichnet, womit rund die Hälfte der Liedtexte überliefert worden ist. Die einzigen überlieferten Lieder der Maya finden sich den Cantares de Dzitbalché aus dem 17. Jahrhundert. Die Vermischung spanischer und indianischer Traditionen wird als mestizaje bezeichnet. Auf diese Kultur der Mestizen bezieht sich die Literatur des Chicano, die von den Auswanderern in die USA ausging und sich stark auf die indianischen Wurzeln bezieht.

Ähnlich wie in Nordamerika schuf sich Mexiko ein literarisches Bild des Indianers, das ähnlichen Wandlungen unterworfen war.[50]

Südamerika

Im Süden des Kontinents bestand keine so weit zurückreichende literarisch-piktographische Tradition, wie sie in Mesoamerika bestand. Zwar gab es die quipu, ein Memoriermittel aus Knoten, das Kundige der Knotenschnüre, Quipucamayos, beherrschten, doch bleibt der Zweck der Schnüre unklar. Dennoch wirkten mündliche Traditionen und das Fortbestehen indigener Traditionen stark auf die schriftlich-literarische Entwicklung ein.

Im 20. Jahrhundert entstand der Indigenismo, dessen bedeutendster Protagonist José María Arguedas aus Peru war. Er stammte von Quechua ab und war bei ihnen aufgewachsen. Als Völkerkundler veröffentlichte er 1966 das Waruchiri-Manuskript aus dem 16. Jahrhundert auf Spanisch, womit er es, obwohl fehlerhaft, einem breiteren Publikum bekannt machte – es war bereits 1939 von Hermann Trimborn ins Deutsche übersetzt worden. Es gilt als wichtigstes Denkmal der frühkolonialen Quechua-Literatur.[51] Es ist zugleich die einzige Textsammlung in Quechua und befasst sich mit Mythen und Beschreibungen religiöser Zeremonien im Hinterland von Lima – wahrscheinlich aus der Feder des Geistlichen indianisch-spanischer Herkunft Francisco de Avila (vor 1608). Zu dieser Zeit war die von Vizekönig Toledo angeordnete Einrichtung von Reduktionen, also die Konzentrierung und Neuansiedlung der Indianer, bereits durchgeführt. Das Stück entstand also in einer Zeit, in der sich indianische und spanische Traditionen schon stark überlagerten.

Eine der Überlieferungen aus Quechua-Feder, die von El Inca Garcilaso de la Vega stammenden Comentarios reales de los incas (1609) weisen, trotz jahrzehntelangem Gebrauch des Spanischen noch hohe Kompetenz in der Muttersprache des Verfassers auf. Ähnlich wie Felipe Guaman Poma de Ayalas Nueva corónica y buen gobierno (um 1615) weist das Werk noch stark indigene Züge auf, und verbindet Mündlich- und Schriftlichkeit.

Apu Ollantay, ein Drama wohl aus dem 18. Jahrhundert, das von der verbotenen Liebe des namengebenden Inkagenerals zur Inkaprinzessin Kusiquyllurs handelt, erfreute sich besonders während der Unabhängigkeitsbewegungen erheblicher Beliebtheit.[52] Vor allem in Cuzco lebende Spanier, die die Lösung von der Kolonialmacht forderten, betrachteten das Quechua möglicherweise sogar als die angemessene Sprache ihrer Bewegung.

Inzwischen ist Quechua zu einer selbstständigen literarischen Sprache geworden – Aymara weniger –, in die mehr und mehr übersetzt wird. 1975 verarbeitete Jorge Lira die von ihm gesammelten Erzählungen (Isicha Puytu). Später folgten Märchen vom Urubamba, dann Unay pachas von Rufino Chuquimamani, Pirumanta qillqasqa willakuykuna von Carmelón Berrocal und 1992 Unay willakuykuna von Crescencio Ramos.

Zu den bekannteren Werken zählt die Autobiographie von Gregorio Condori Mamani und Asunta Quispe Huamán, die von Ricardo Valderrama Fernández und Carmen Escalante Gutiérrez 1982 aufgezeichnet wurde.[53]

José Oregón Morales publizierte 1994 acht Kurzgeschichten (Loro qulluchi – Bekämpfung der Papageien), wobei er seine dörfliche Kindheit in den Anden verarbeitet und Märchen variiert. Porfirio Meneses Lazón verfasste Quechua-Gedichte (Suyaypa llaqtan, 1988) und Kurzgeschichten (Achikyay willaykuna (Erzählungen des Morgengrauens, 1998)) bei denen er seinen Erzählstil mit den volkstümlich gehaltenen Dialogen kontrastiert.

Den Literaturpreis Premio de cuento del Concurso Nacional de Literatura Quechua erhielt 1997 Macedonio Villafán Broncano (* 1949) für seine Erzählung Apu Kolkijirka (Herr Silberberg). Apu, eine Berggottheit, tritt als Ich-Erzähler auf und erzählt die Geschichte „seines“ Ortes Cutacancha (Region Ancash).

Kunst, Handwerk, Ritual

Entsprechend der Wechselwirkung von natürlicher Umgebung und kultureller Entwicklung waren die Traditionen extrem verschieden. Während die Monumentalkulturen zwischen Mississippi und Anden vielfach Stein und Lehm als Ausgangsmaterial benutzten, bevorzugten die waldreichen Regionen des Nordens Holz und andere organische Materialien.

Heute wächst die bildende indianische Kunst in einem expandierenden Kunstmarkt mit. So sind Werke traditioneller Schnitzkunst, wie die Totempfähle der pazifischen Küstenkulturen zu Sammelobjekten geworden.

 
Skulptur von Bill Reid: Schöpfungsgeschichte der Haida, in der der Rabe Menschen in einer Muschel findet (Foto: Joe Goldberg)
 
Totempfahl der Tlingit in Ketchikan, Alaska

In Kanada und Alaska dominieren die West Coast Native Art – dies waren Meister der Haida, Tsimshian und Kwakiutl, dann Nuu-chah-nulth und Küsten-Salish – und die „Woodlands“-Schule der „Legend Painters“ – vor allem Norval Morrisseau, ein Ojibwa, den man gelegentlich den „Picasso des Nordens“ nannte.[54]

Spätestens im 17. Jahrhundert begann der Tauschhandel mit Werken für Reisende, wie beispielsweise Mokassins oder kleine Schnitzwerke. Noch heute wird diese Kunst in allen Qualitätsstufen angeboten. Traditionelle Kunst deckt dabei oft die Erwartungen von Kunst ab, die an sie herangetragen werden, versucht aber zugleich einen Kompromiss zwischen den Traditionen. Sie dient vielfach einer Werkproduktion, die nicht als Kunst aufgefasst wird, sondern rituellen, oftmals verborgenen Zwecken dient. Künstler wie Tony Hunt und Bill Reid (1920–1998) knüpften dabei – trotz des Verbots öffentlicher Rituale wie des Potlatch – an die Traditionen an, die vor allem von den Haida Charles Edenshaw (um 1839–1920), Willie Seaweed (1873–1967) und Mungo Martin (1879/82–1962) von den Kwakiutl ererbt waren.

1973 gründeten sieben Künstler die Indian Group of Seven. Neben zeitgenössischen Einflüssen verarbeiteten sie piktographische Traditionen der Algonkin und Petroglyphen des kanadischen Schilds. Viele Künstler, die mit nicht-traditionellen Techniken arbeiten, betrachten sich hingegen in erster Linie als Künstler und lassen sich ungern als „Indianerkünstler“ etikettieren.

Ähnlich wie im Norden standen in den heutigen USA Objekte wie Hüte, Decken, Körbe im Mittelpunkt, ebenso wie kunstvoll verzierte Waffen und Pfeifen, in manchen Regionen eine hoch entwickelte Baukunst. Die Objekte waren jedoch keine Kunstproduktion im westlichen Sinne, und nicht für einen Markt bestimmt. Das änderte sich ab den 1820er Jahren, als die natürlichen Lebensgrundlagen der Indianer zunehmend zerstört wurden. So entstand die Iroquois Realist School (realistische Schule der Irokesen) bei den Haudenosaunee in New York City, geführt von David und Dennis Cusick. Edmonia Lewis (ca. 1845–1911), eine Künstlerin mit afrikanischen und indianischen Vorfahren (Mississaugas of the New Credit First Nation) mit einem Atelier in Rom, schnitzte 1877 das Porträt des Präsidenten Ulysses S. Grant.[55] Angel DeCora (Hinook-Mahiwi-Kilinaka, 1871–1919), die an der Hampton University studierte, engagierte sich im Arts and Crafts Movement (um 1870 bis 1920 v. a. in den USA und Großbritannien) und vermittelte ihren Schülern die Bedeutung von Kunst bei der Entwicklung des Selbstwertgefühls und des Widerstands gegen die staatliche Assimilierungspolitik.[56] Eine wichtige Gruppe waren darüber hinaus die Kiowa Five aus Oklahoma[57], die 1928 erstmals in Prag ausstellten.[58]

 
Sitzender Quimbaya-Kazike, zwischen dem 2. und 10. Jahrhundert entstanden

Die künstlerisch-rituellen Traditionen Mittel- und Südamerikas übernahmen schon früh neue Materialien, die die Kolonisatoren einführten. Don Fernando de Alva Ixtlilxochitl, ein direkter Nachkomme Ixtlilxochitls I. von Texcoco, malte bereits im 16. Jahrhundert mit Tinte und Wasserfarbe auf Papier (Codex Ixtlilxochitl).

Erheblich weiter lassen sich die Künste der Metall- und Steinbearbeitung zurückverfolgen. An Metallen wurden vor allem Gold und Kupfer verarbeitet. Zahlreiche Relikte zeugen von der Kunstfertigkeit, auch wenn viele Werke durch Spanier, die nur am Gold interessiert waren und die symbolgeladenen Artefakte von sich wiesen, eingeschmolzen wurden.

Musik

 
Wandmalerei in Tempel 1 in Bonampak, einer Mayastadt in Chiapas, ca. 790

Systematische Musiksammlungen begannen im Norden erst um 1900.[59] 1911 waren dies Lieder der Malecite und Mi’kmaq[60] aus Kahnawake und Lorette.[61] Zugleich nahmen Wissenschaftler Gesänge der Huronen, Algonkin und Irokesen auf, der Delaware und Tutelo. Doch erst der Anthropologin und Tänzerin Gertrude Prokosch Kurath (1903–1992) gelang es, ein Notationssystem für die Irokesentänze zu entwickeln. Es folgten Untersuchungen zu rituellen Tänzen (William Fenton: The Iroquois Eagle Dance, 1953) und den Medizingesellschaften (The False Faces of the Iroquois, Norman, Oklahoma 1987).

Die Musik der Cree[62] und der Ojibwa, der Blackfoot und Sarcee folgten, wobei Forscher aus den USA bereits um 1900 wichtige Beiträge leisteten. Man untersuchte sowohl die traditionelle als auch die von den Blood adaptierte Country- und Westernmusik sowie christliche Hymnen.[63]

James Teit nahm Gesänge der Sikani, Tahltan, Tlingit, Carrier, Okanagan und Nlaka'pamux auf, 1913 erfolgten Sammlungen bei den Sikani bis zum Großen Sklavensee.[64] Weitere folgten in den 1970er und 1980er Jahren bei Küsten-Salish in British Columbia und Washington.[65]

Erst ab den 1980er Jahren begannen die First Nations die Forschungen selbst zu betreiben.[66] Dazu kamen Labels, die von Indianern getragen wurden.

Bei den Maya waren neben Trommeln und verschiedenen Flöten Maracas und Okarinas in Gebrauch. Hinzu kommt ein Saiteninstrument, von dem sich zeigen ließ, dass es die Stimme eines Jaguars imitiert.[67] Dabei war die Verbindung zu Tanz und Ritual, wie überall in Amerika, sehr viel enger als in Europa.

Insgesamt unterscheidet man in Amerika sechs Areale: das der Inuit und der Nordwestküste, dann Kalifornien und Arizona, das Große Becken, die Athapasken, Plains und Pueblo sowie das Östliche Waldland. Grundsätzlich steht das Singen im Vordergrund, Instrumente bilden eine rhythmische Begleitung. Dabei ist der Gesang im Norden, vor allem östlich der Rocky Mountains, dominanter, im Süden stärker zurückgenommen. Trommeln und Rasseln (in Südamerika Maraca) herrschen vor, dazu kamen in Meso- und Südamerika verschiedenste Flöten, schließlich als besondere Trommelform der Teponaztli.[68]

Im Norden entwickelte sich an der Nordwestküste eine komplexe rituelle Musikkultur mit umfangreichen Tanzritualen und langen Texten, die auswendig gelernt wurden. Melodien und Texte in Kalifornien und dem Großen Becken sind einfacher und kürzer, Falsett wurde bevorzugt. Hier herrschen kostümierte Tänze vor, die bei den athabaskischen Gruppen eher selten sind, außer bei den von den Pueblos beeinflussten Apachen. Bei den Navajo wurde Gesang auch zur Heilung eingesetzt. Musik war niemals eine Tätigkeit für sich, sondern stark in soziale Handlungsrahmen eingebunden. Die Musik der Prärien ist am besten erforscht, und sie ist bei den weit verbreiteten Powwows geläufig.

Über die vorspanische Musik Südamerikas ist wenig bekannt. Besonders in Patagonien wurde polyphoner Gesang entwickelt. In Brasilien und den angrenzenden Tropenwaldgebieten existiert noch traditionelle Musik mit Gesang, Flöte und Perkussion.

Museen, Bibliotheken

Religion

 
Ein Medicine Wheel, eine Heilige Stätte und zugleich National Historic Landmark in Wyoming

Ethnische Religionen Nordamerikas, Religion der Azteken, Religion der Maya, Ethnische Religionen der Gegenwart in Mesoamerika, Religion der Inka, Indigene Religionen Südamerikas

Die ethnischen Religionen Amerikas beruhten in der überwiegenden Zahl in der Vorstellung einer Allbeseeltheit der Naturerscheinungen (Animismus). In den Hochkulturen fand sich eine Priesterherrschaft (Theokratie), die sich zwischen Mississippi und den Anden in riesigen Bauwerken manifestierte. Hier entstanden auch Priesterschulen, während die Ausbildung zu Medizinmännern durch Ältere geschah, aber auch in Geheimgesellschaften, die ihr Wissen an ihre Mitglieder weitergaben.

In weiten Teilen basierte dies auf einem engen Verhältnis zur natürlichen Umgebung, so dass Wetter, Pflanzen und Tiere, Erde und Himmel, aber auch Sterne und die Berechnung von Ereignissen des Jahreslaufs im Mittelpunkt standen. Schöpfungsmythen und die kollektive Erinnerung an einen häufig aus dem Tierreich stammenden gemeinsamen Vorfahren waren häufig sowie manchmal der Glaube an einen Schöpfergott (der jedoch zumeist keinen Einfluss mehr auf die Menschen hatte). Einige Stämme verehrten eine unpersönliche Lebensenergie, die sich etwa in der Sonne, als Fruchtbarkeit der Erde, als Weisheit oder Stärke, die mit Bären, Wölfen, Raben, Schlangen oder dem Quetzalcoatl äußerte.

Die religiösen Inhalte waren orts- und verwandtschaftsspezifisch und besaßen keinen universellen Geltungsanspruch. Die Heiligkeit von Orten, Ritualen, von Wissen und Geschichten, Tänzen und Musik sowie Personen stand im Mittelpunkt. Die Hochkulturen entwickelten komplexe öffentliche Rituale, an denen Tausende von Menschen teilnahmen.

Die Initiation und Ausbildung war häufig Aufgabe der Älteren, bei Geisterbeschwörern und Medizinleuten geschah dies vielfach durch spontane Visionen. Schon als Kinder wurden bei manchen Stammesgruppen – wie den Küsten-Salish – die „Historiker“ der Familien und Stämme ausgewählt und unterrichtet. In den Schriftkulturen der Maya und Azteken wurden Rituale schriftlich festgehalten, die religiösen Gehalte symbolisch aufgezeichnet.

In Lateinamerika drängten die Orden und die Krone auf Missionierung, eine Aufgabe, die die Eroberer nur vordergründig auf sich nahmen (Konquistadorenproklamation), oftmals, um die des Lateinischen nicht mächtigen, daher unverständigen und widerstrebenden Heiden, „gesetzeskonform“ unterwerfen oder umbringen zu können.[69] Gleichzeitig hatte der spanische Staat die kirchliche Organisation von Rom weitgehend losgelöst und zu einer Staatskirche umgewandelt, der mit der Inquisition eine gefürchtete Waffe zur Verfügung stand. Dementsprechend förderte die Krone die Mission in ganz Lateinamerika und nutzte die Kirche zugleich, um die Granden unter Kontrolle zu halten, und um ein Eindringen der reformatorischen Kräfte in die Kolonien zu verhindern.

 
Claude d'Abbeville: Histoire de la Mission, Paris 1614, Frontispiz; mit lateinischem Zitat aus Jesaja 49, 22[70]

Dies stärkte die Orden auch weiter im Norden, wo sie zugleich, vor allem die Jesuiten, für Frankreich tätig waren. So wurden die Religionen der lateinamerikanischen Indianer und in geringerem Maße der Neufrankreichs mit katholischen Ritualen konfrontiert, häufig wurden Umsiedlungen und Zusammenführungen durchgeführt, die einer starken Vermischung der zuvor getrennten Gruppen Vorschub leisteten, wie etwa bei den Guaranì in Paraguay. Dabei verbanden sich Missionare vielfach mit den Kaziken, den jeweiligen Eliten, und die Jesuiten überantworteten ihnen sogar militärische Führungsaufgaben.

Die Bekehrung der Indianer gelang anfangs meistens nicht, da die Menschen in der Regel keinerlei Veranlassung sahen, ihren „bewährten“ Glauben aufzugeben. Überdies war ihnen das Bestreben zur Bekehrung vollkommen fremd und unverständlich. Das Christentum wurde daher im Norden zumeist erst nach verheerenden Epidemien oder kultureller Entwurzelung als eine Form der spirituellen Heilung angenommen. Indianische Selige und Heilige wie Kateri Tekakwitha dienten dann als Vorbilder. Bei der Missionierung spielten zunächst die Jesuiten eine Hauptrolle, im 19. Jahrhundert die Oblaten. Wenige protestantische Gruppen, wie Methodisten und Baptisten missionierten im englischsprachigen Teil Amerikas, hinzu kamen russisch-orthodoxe Missionare in Alaska. Daher sind die Indianer heute überwiegend katholisch, bilden im Nordwesten allerdings einen konfessionellen Flickenteppich. Dort entwickelten sich, wie in Lateinamerika, eklektische Formen, wie die Indian Shaker Church, oder, wie in Peru, Gruppierungen, die die Erinnerung an die Inkas wachhielten. Synkretistische „Mischreligionen“ entstanden häufig; die größte in Nordamerika ist die Native American Church, aufgrund der Verehrung eines Rauschmittels auch als Peyotismus bekannt. Synkretistische Religionsformen bildeten bei den Maya die Grundlage für das als Sprechendes Kreuz bezeichnete Orakel, das Jose María Barrera am 15. Oktober 1850 zur Fortsetzung des Kastenkrieges gegen die mexikanische Regierung aufforderte. Das Kreuz wuchs auf den Wurzeln eines Kapokbaums, des heiligen Baums des Lebens, der wiederum aus einer Höhle wuchs, die einen heiligen Ort darstellte, der sich bei einem Cenote (Ts’ono’ot) befand, einem Ort der Regengötter Cháak. Hüter des Kreuzes, und damit wichtige Aufstandsführer waren etwa Crescencio Poot (1875–1885) oder María Uicab († 1872), die „Königin von Tulum“.[71]

Zahlreiche Züge der voreuropäischen Spiritualität haben sich erhalten oder sind wiederbelebt und weiterentwickelt worden. Dabei werden viele Rituale nach wie vor nur innerhalb begrenzter Gruppen oder von Geheimgesellschaften geübt. Das gilt etwa für den Sonnentanz der Präriekulturen oder die Medizinbünde der Irokesen. Im Norden spielt vor allem der Begriff der „Medizin“ eine bedeutende Rolle. Zur Aufzeichnung komplexer Vorgänge oder historischer Ereignisse benutzten oftmals geheime Gesellschaften der Algonkinstämme mindestens seit dem 16. Jahrhundert Birkenrinde, auf der verschlüsselt spirituell bedeutsames Wissen eingeritzt wurde.[72] Das Sprechende Kreuz wird noch heute verehrt, allerdings nur unter Mayas.

Angesichts der widersprüchlichen Rolle, die Mission und Kirche gegenüber den Indianern gespielt haben, überrascht es nicht, dass etwa die brasilianischen Indigenen im Mai 2007 die Aussage Papst Benedikts XVI. zurückwiesen, die katholische Kirche habe die Indianer in Lateinamerika erlöst. Noch sein Vorgänger Johannes Paul II. hatte 1992 Fehler bei der Evangelisierung eingestanden.[73]

Politik

Die Regierungen Nordamerikas haben Institutionen ausgebildet, die für die Belange der Indianer zuständig sind, die aber oftmals aus den Kriegsministerien hervorgegangen sind. In Kanada ist dies das Department of Aboriginal Affairs and Northern Development (auch Indian and Northern Affairs Canada)[74], in den USA seit 1824 das heute dem Innenministerium unterstellte Bureau of Indian Affairs.[75] Jede Provinz bzw. die meisten Bundesstaaten wiederum haben ein Ministerium oder eine entsprechende Abteilung, die gleichfalls mit dieser Thematik befasst sind.

Auf der anderen Seite steht in Kanada eine Reihe politischer Parteien und die Assembly of First Nations als Dachorganisation. Sie ist das Sprachrohr aller First Nations, führt Prozesse und betätigt sich inzwischen über die Staatsgrenzen hinaus, etwa bei den Vereinten Nationen, wenn es um Menschenrechtsfragen geht. Stammesräte, die manchmal nur wenige, manchmal mehrere Dutzend Stämme vertreten, hüten Archive, führen Vertragsverhandlungen und bilden meist eine Vertretung der sich sprachlich-kulturell nahestehenden Stämme gegenüber der Regierung.

Unterhalb dieser Ebene liegen zwei Systeme im Widerstreit, nämlich das von der Regierung vorgeschriebene System gewählter Häuptlinge und ihrer Berater einerseits, und das der traditionellen Häuptlinge. Bei vielen Stämmen beherrschen die von der Regierung geförderten Wahlhäuptlinge die Stammesräte, die wiederum zahlreiche politisch und wirtschaftlich bedeutende Positionen vergeben. Dazu kommen die jungen Erwachsenen und die Kinder, deren Zahl schnell wächst, die aber weder in der einen noch in der anderen Gruppe ausreichend vertreten sind. Auch der Anteil der städtischen Bevölkerung nimmt stetig zu. In den USA haben viele Stämme seit den 1930er Jahren Selbstverwaltungsrechte und führen Polizei und Gerichte in ihren Reservaten.

Die Frage nach der Möglichkeit quasi-staatlicher Souveränität mit entsprechenden Territorien steht dabei sowohl in Kanada als auch in den USA in hartem Kontrast zum Versuch, die Stämme als Summe von Individuen zu behandeln. Den Stämmen Kanadas soll ein Teil ihres traditionellen Gebietes zurückgegeben werden, doch nicht mehr als Kollektiveigentum, wie die Reservate, sondern als privater, veräußerlicher Besitz. Angesichts der verbreiteten Armut ist abzusehen, dass dies zum Verkauf großer Teile indianischen Landes führen würde, eine Assimilationsstrategie, wie sie die USA lange betrieben haben.

Die sozialen Probleme, wie Armut, Krankheiten, Alkohol- und Drogenprobleme, das Auseinanderbrechen von familiären Strukturen, sowie die Bedrohung der Subsistenzwirtschaft durch Einschränkungen des Fisch- und Jagdrechts, dazu ökologische Probleme und die Folgen zahlreicher Zwangsumsiedlungen treffen diese Gruppen besonders hart. Diese existentiellen Probleme haben vor allem in den USA und Kanada zu einer stark erhöhten Selbstmordrate geführt. In den USA liegt sie 70 % höher als im US-amerikanischen Durchschnitt. Indianische Jugendliche zwischen 15 und 24 Jahren bringen sich dreimal so häufig um wie ihre amerikanischen Altersgenossen[76] Zugleich nimmt die Gewalt von Gangs in manchen Reservaten deutlich zu.[77]

Seit langem gibt es Bemühungen wirtschaftlicher und kultureller Erholung. Letztere kreist zum einen um die Sprache und die Rituale, bei einigen Stämmen um die Wiederherstellung der überlieferten Gesellschaftssysteme.

In Mexiko ist die Comisión Nacional para el Desarrollo de los Pueblos Indígenas (CDI), die „Nationale Kommission für die Entwicklung der indigenen Völker“ zuständig.[78]

 
Angehörige verschiedener Ethnien protestieren gegen ihre schlechten Lebensbedingungen im Vale do Javarí an der Grenze zwischen Peru und Brasilien, Januar 2008

In Brasilien nennt sich die zuständige Institution Fundação Nacional do Índio (FUNAI), die dem Justizministerium untersteht.[79] Sie wurde 1910 von Cândido Rondon gegründet, unter seiner Leitung entstand 1961 das erste Reservat (am Rio Xingu). Danach wurde die FUNAI fast bedeutungslos und das Justizministerium kontrolliert seit 2002 die zuletzt 2008 aktualisierte Gesetzgebung ().[80] FUNAI geht von 5,6 Millionen Indios um 1500, sowie 1.300 Sprachen aus, heute von 460.000 in etwa 215 bekannten Nationen, von ihnen leben 100 bis 190.000 in Städten. Man unterscheidet dabei 180 bekannte Sprachen und unterstützt nach Jahrhunderten der Assimilation die Unterschiedlichkeit. Erst 1953 entwickelte die brasilianische Anthropologie, später die 1955 gegründete Associação Brasileira de Antropologia, eine Namenskonvention für alle Stämme.

Organisationen wie der Koordinator der indigenen Völker des Amazonasbeckens[81] und der Indian Council of South America versuchen länderübergreifend die Rechte der Indianer zu stärken, ähnlich wie der International Indian Treaty Council für ganz Amerika. Hinzu kommen Vertretungen bei der UNO oder der Organisation Unrepresented Nations and Peoples Organization.

Die Vernachlässigung ganzer Regionen und die ausbleibenden Landreformen führten in einigen Ländern dazu, dass Indiogruppen die linke, manchmal auch militante Opposition unterstützten, wie das Movimiento Revolucionario Túpac Amaru, das seinen Namen vom letzten Inkaherrscher ableitet. Auch in den Staaten, in denen die Indios eine kleine Minderheit darstellen, wie in Kolumbien, versuchen sie ihr Land gegen Privatisierung, etwa durch Rohstoffunternehmen, zu schützen. So half ihnen Martín von Hildebrand, dem Schutz ihrer Kultur, Sprachen und Reservate Verfassungsstatus zu verschaffen. Am 23. August 2011 stimmte der peruanische Kongress einer Gesetzesvorlage zu, die die Konsultation der regionalen indigenen Gruppe zwingend vorschreibt, wenn ein Unternehmen die dortigen Rohstoffe abbauen oder Holz einschlagen will.[82]

Wirtschaft

 
Charrúa am Río de la Plata mit einer Bola, einer Jagdwaffe. Hendrick Ottsen: Iovrnael oft daghelijcx-register van de voyagie na Rio de Plata. 1603, 1617. Ottsen hatte 1598 bis 1601 Südamerika bereist.

Jagd und Fischerei dienen vielfach dem Lebensunterhalt, doch ist der kommerzielle Fang nur eingeschränkt möglich. Viele Fischbestände sind rückläufig und die Regierungen neigen dazu, den kommerziellen Fischfang zu bevorzugen, der den Indianern häufig verboten ist.[83] Im Norden steckt die Holzindustrie in einer Krise, da große Mengen überschüssigen Holzes durch die katastrophalen Verluste, die der Bergkiefernkäfer anrichtet,[84] auf den Markt drängen. In Südamerika werden für Biodiesel erhebliche Waldbestände vernichtet, so dass etwa Guarani in Paraguay zwangsweise umgesiedelt wurden. Steil ansteigende Rohstoffpreise von 2006 bis 2008 schürten vorhandene Konflikte, und so wuchs der Druck auf die Stämme, Abbaugenehmigungen zu erteilen. Die natürliche Umgebung ist aber Voraussetzung für den Erhalt der kulturellen Vielfalt, die die indianischen Kulturen kennzeichnet.

Über Selbstverwaltung und Tourismus entstehen in zahlreichen Parks, die in den letzten Jahrzehnten entstanden sind, für viele Reservatsbewohner Arbeitsplätze, die weder die natürlichen Ressourcen im bisherigen Ausmaß zerstören, noch von staatlicher Wohlfahrt abhängig halten.

Neben den traditionellen Wirtschaftsweisen, der Überlassung von Land an Rohstoff- und Energieunternehmen und der Tatsache, dass die Indianer versuchen, ihre ländliche Wirtschaftsbasis durch Holzeinschlag, Gewinnung von Wasserkraft, Wind- und Sonnenenergie, Rohstoffabbau, Tourismus, Kunsthandwerk und Landwirtschaft zu nutzen, wachsen zwei Bereiche in Nordamerika besonders schnell: Glücksspiel und Wirtschaftskontakte mit anderen indigenen Völkern.

In Meso- und Südamerika ist die Landwirtschaft, die dort ihre historischen Wurzeln hat, viel stärker in indianischen Händen als im Norden. Indio ist in vielen Gegenden geradezu zum Synonym für Campesino, Landbewohner, geworden, wobei die Subsistenzwirtschaft vielfach überwiegt. Doch ist die Produktpalette eine sehr viel andere als außerhalb der indianischen Ballungsgebiete. Tausende von Kartoffelsorten repräsentieren beispielsweise beinahe die gesamte Sortenvielfalt der Welt. Vom Mate-Tee reicht das Spektrum der Exportwaren über den Kaffee bis zu Coca und Mohnprodukten, die auf verschiedensten Wegen den illegalen Weltmarkt erreichen.

 
Das Mohegan Sun, das Kasino, das von den Mohegan betrieben wird
 
Avi Resort and Casino in Nevada

Von den USA seit 1979 ausgehend spielen Kasinos eine zunehmende Rolle, die sich immer mehr zu touristischen und Entertainment-Unternehmen entwickeln. Während es in Kanada 2008 nur 17 Kasinos gab[85], existierten in den USA über 400 sogenannte Indianerkasinos in 27 Bundesstaaten.[86] Davon befinden sich allein 54 in Kalifornien, 73 in Oklahoma, wo ein deutlicher Siedlungsschwerpunkt der US-Indianer liegt, weitere 115 befinden sich in den nördlichsten Bundesstaaten entlang der kanadischen Grenze. Insgesamt beschäftigen die nordamerikanischen Kasinos rund eine halbe Million Menschen und setzten 2005 rund 20 Milliarden Dollar um, das zum großen Teil den indianischen Eigentümern zugute kommt.

Medien

In Kanada und den USA bieten Fernseh- und Radiostationen Sendezeiten in den lokalen Indianersprachen, besonders wichtig ist inzwischen allerdings das Internet geworden.[87] Erste eigene Fernsehsender entstanden in den USA, wie die North West Indian News (NWIN)[88] oder das Aboriginal Peoples Television Network.[89] Seit Ende 2009 strahlt auch der erste Fernsehsender in Ecuador ein Programm aus, das in Quechua angeboten wird.[90]

Bildung

 
Susan La Flesche Picotte († 1915), war die erste Indianerin in den USA, die einen Doktortitel (Dr. med.) erwarb.

Der Zugang zum Arbeitsmarkt hängt von der Art der Ausbildung, dem Zugang zu Bildung und der Erreichbarkeit der Arbeitsstätten ab. Die ländlich lebenden Indigenen stehen dabei erheblichen Problemen gegenüber.

Nachdem die Internatssysteme in den englischsprachigen Staaten des Nordens seit den 1960er Jahren aufgelöst worden waren, übernahmen vielfach indianische Gruppen selbst die Schulen. Gerade für die oftmals sehr ländlichen Reservate ist die Anbindung an das Internet dabei inzwischen von großer Bedeutung.

Auffällig ist, dass der Anteil der Schüler, die einen höheren Bildungsabschluss erreichen, im Vergleich zur übrigen Bevölkerung erheblich niedriger ist. So erlangten nach einem Regierungsbericht Kanadas nur rund 27 % der 15- bis 44-Jährigen ein sogenanntes post-secondary certificate, diploma oder degree, ein Anteil, der ansonsten bei 46 % liegt.[91] Dabei wird der Übergang zu höherer Bildung von bürokratischen Hürden, und vielfach von den großen Entfernungen bis zur Bildungsstätte behindert. In Lateinamerika ist die Situation der ländlichen Gegenden in dieser Hinsicht noch ungünstiger, zumal wenn sie, wie in den Anden, sehr isoliert sind. Zudem ist die Art der Ausbildung und Bildung, wie sie von den Städten ausgeht, nur bedingt auf ländliche oder gar indianisch-traditionelle Lebensweisen übertragbar. Hinzu kommt, dass die Bildungssprachen zugleich die Kolonialsprachen sind.

Für die universitäre Ausbildung sorgt in Kanada seit 2003 eine nationale First-Nations-Universität in Regina, in Saskatchewan. Daneben unterrichten zahlreiche Colleges verschiedene Aspekte der indigenen Kulturen, viele arbeiten mit Forschungsinstituten, Museen, Universitäten und privaten Unternehmen, vor allem im archäologischen Bereich zusammen.

Schon die einfachste Erfassung von Aussagen über Bildung, wie bei der Frage der Lesefähigkeit, bereitet enorme methodologische Probleme. Dennoch verkündete der bolivianische Präsident Evo Morales Ende 2008, in seinem Land hätten 820.000 Menschen binnen drei Jahren lesen gelernt. Damit sei die von der UNO vorgegebene Marke von mehr als 96 % Lesefähigkeit erreicht worden, und Bolivien damit frei von Analphabetismus.

Seit 1994 wird in Bolivien interkulturell und zweisprachig unterrichtet,[92] Anfang 2007 erhielten rund 1,2 Millionen Schüler staatliche Hilfen. In Gesellschaften mit extrem unterschiedlichen kulturellen Gruppen erweist sich dabei die Zielvorstellung einer bloßen Alphabetisierung als zu einseitig an bereits in das weltwirtschaftliche Gefüge ausgerichteten Bedürfnissen orientiert. Die Diskussion um die kulturell angemessene und von den Gruppen selbst bestimmten Bildungswege, -mittel- und -inhalte steht auf staatlicher Ebene erst am Anfang.

Siehe auch

Quellen

Literatur

  • Werner Arens, Hans-Martin Braun: Die Indianer Nordamerikas. Geschichte, Kultur, Religion. C. H. Beck, München 2004, ISBN 3-406-50830-8.
  • Urs Bitterli: Die 'Wilden' und die 'Zivilisierten'. Grundzüge einer Geistes- und Kulturgeschichte der europäisch-überseeischen Begegnung. C. H. Beck, München 2004 (Erstauflage: 1976), ISBN 3-406-35583-8.
  • Patricia Roberts Clark: Tribal names of the Americas. Spelling variants and alternative forms, cross-referenced, McFarland, 2009, ISBN 0-7864-3833-9 (für Nord-, Mittel- und Südamerika)
  • Lothar Dräger, Rolf Krusche, Klaus Hoffmann: Indianer Nordamerikas. Ausstellungskatalog, Karl-May-Museum Radebeul (Hrsg.), München 1992, ISBN 3-87490-514-4.
  • Brian M. Fagan: Ancient North America. Thames and Hudson Ltd, London and New York 1991, ISBN 0-500-27606-4 (auch deutsch: Das frühe Nordamerika – Archäologie eines Kontinents. Übersetzt von Wolfgang Müller, Verlag C. H. Beck, München 1993, ISBN 3-406-37245-7.)
  • Hazel W. Hertzberg: The Search for an American Indian Identity. Modern Pan-Indian Movements, Syracuse University Press, 1971.
  • Gord Hill: Fünf Jahrhunderte indigener Widerstand in Nord-, Mittel- und Südamerika, Verlag Edition AV, 2012 (500 Years of Indigenous Resistance, Oakland (Kalifornien) 2009). (der Autor ist Kwakiutl; das Werk entstand bis 1992 anlässlich der Feiern zum 500. Jahrestag der „Entdeckung“ Amerikas)
  • Alvin M. Josephy (Hrsg.): Amerika 1492. Die Indianervölker vor der Entdeckung. S. Fischer, Frankfurt 1992, ISBN 3-10-036712-X.
  • Susanne von Karstedt: Akteure, Ideologien, Instrumente: Grundzüge der US-amerikanischen und argentinischen Indianerpolitik (1853–1899) im Vergleich. Wissenschaftlicher Verlag, Berlin 2006.
  • Charles C. Mann: 1491: New Revelations of the Americans Before Columbus. Vintage Books, New York 2005, ISBN 1-4000-4006-X.
  • Steven T. Newcomb: Pagans in the Promised Land: Decoding the Doctrine of Christian Discovery. Fulcrum Publishing, 2008.
  • Heinzgerd Rickert: Das Bild des Indianers in Europa. Bochumer Universitäts-Verlag, Bochum 2008, ISBN 978-3-89966-232-0.
  • Günter Stoll, Rüdiger Vaas: Spurensuche im Indianerland. Hirzel, Stuttgart 2001.
  • Smithsonian Institution (Hrsg.): Handbook of North American Indians. Washington, D.C., seit 1978.
  • Robert Wauchope (Hrsg.): Handbook of Middle American Indians. University of Texas Press, 1964–1976, 16 Bände.

Weblinks

 Wikiquote: Indianer – Zitate
 Commons: Indianer – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Indianer – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wikisource: Indianer – Quellen und Volltexte

Anmerkungen

  1. Zu den bis 13.000 BP zurückreichenden Spuren auf den Kanalinseln vgl. Troy W. Davis, Jon M. Erlandson, Gerrit L. Fenenga, Keith Hamm: Chipped Stone Crescents and the Antiquity of Maritime Settlement on San Nicolas Island, Alta California, in: California Archaeology 2,2 (Dezember 2010) 185–202, hier: S. 186.
  2. Nancy Shoemaker: How Indians got to be red., published June 1997 at American Historical Review, geladen am 12. Juli 2016
  3. Jeder von uns „comes from a people who has also had the experience of facing the forces of colonization by outsiders and has been subjected to attempts at physical and cultural genocide. Each knows the pressure to assimilate to other cultural patterns, and the pain of loss that has been handed down across the generations of people since contact … So it is that coming from such diverse cultures, we can join together to say, we are one.“ (Gail Tremblay bei einer Ausstellung zur Gegenwartskunst, We Are Many, We Are One, hrsgg. v. Jaune Quick-to-SeeSmith, 1997.)
  4. Juliana Ströbele-Gregor: Indigene Emanzipations-Bewegungen in Lateinamerika, in: Aus Politik und Zeitgeschichte (Bundeszentrale für politische Bildung, APuZ 51-52/2006).
  5. Zur Identifizierung der Einzelstämme vgl. Indian Reservations in the Continental United States. Zum Stand der Landansprüche (1978) vgl. Indian Land Areas Judicially Established 1978
  6. Vgl. Seth Garfield: Indigenous Struggle at the Heart of Brazil. State Policy, Frontier Expansion, and the Xavante Indians, 1937–1988, Duke University Press, 2001.
  7. Eine Liste der anerkannten Stämme nach Bundesstaaten bietet Federal and State Recognized Tribes, Stand: Februar 2015.
  8. Eine Liste findet sich hier: U.S. Federally Non-Recognized Indian Tribes – Index by State.
  9. Dies und die folgenden Angaben nach CIA World Factbook, Februar 2009
  10. Vgl. Liste der in Kanada anerkannten Indianerstämme.
  11. Die offizielle Liste der US-Reservate ohne Alaska, dazu Stammeslisten und eine Karte, findet sich hier, die Liste der Ureinwohner Alaskas hier.
  12. Raymond Colitt: Brazil sees traces of more isolated Amazon tribes, Reuters 17. Januar 2007
  13. Nicht umsonst betitelte John Eliot 1666 seine Indianische Grammatik mit dem Titel: The Indian grammar begun: or an Essay to bring the Indian Language into Rules, For the help of such desires as to Learn the same, for the Furtherance of the Gospel among them, Cambridge 1666. Vgl. Abb. (Memento vom 13. Mai 2008 im Internet Archive) (Archive.org, 13. Mai 2008).
  14. Eine der umfangreichsten Sammlungen von Lehrmaterialien bietet FirstVoices.
  15. Sistema Nacional de Información Estadística y Geográfica (SNIEG). Aufgeschlüsselt nach Provinzen: Población hablante de lengua indígena de 5 y más años por entidad federativa según sexo, 2000 y 2005
  16. Zur Sprachenverbreitung in Amerika vgl. Johannes Reese: Die Staaten und Territorien der Erde und ihre sprachliche Situation. Amerika (Memento vom 6. September 2007 im Internet Archive)
  17. Einen Eindruck von über 800 Sprachen vermittelt Native Languages of the Americas: Preserving and promoting American Indian languages
  18. Rick Kearns: Indigenous languages added to new Ecuadorian constitution. In: Indian Country, 22. August 2008.
  19. David Reich, Nick Patterson, et al.: Reconstructing Native American population history, Nature 2012, Online-Publikation: 11. Juli 2012, doi:10.1038/nature11258
  20. Nicht in dieses Muster passen die Datierungen der Funde im chilenischen Monte Verde auf ca. 13.800 v. Chr. Diese Datierung ist jedoch methodisch stark umstritten.
  21. 2008 stellte ein Forscherteam fest, dass Teosinte im zentralen Tal des Río Balsas im Süden Mexikos die Ausgangssorte darstellt. Im dortigen Xihuatoxtla shelter fanden sich 8.700 Jahre alte Spuren von Teosinte und Kürbis (möglicherweise Cucurbita argyrosperma), dazu entsprechende Werkzeuge. Vgl. Dolores R. Piperno, Anthony J. Ranere, Irene Holst, Jose Iriarte und Ruth Dickau: Starch grain and phytolith evidence for early ninth millennium B.P. maize from the Central Balsas River Valley, Mexico, in: Proceedings of the National Academy of Sciences, hgg. v. Jeremy A. Sabloff, University of Pennsylvania Museum of Archaeology and Anthropology, Philadelphia 2009.
  22. Dazu ausführlich: George Weber: Los Toldos sites (Santa Cruz, Argentina) (Memento vom 20. Januar 2013 im Internet Archive)
  23. Allgemein zur Besiedlung Südamerikas: Poblamiento Prehistórico de América y de Patagonia
  24. Christine Papp: Die Tehuelche. Ein ethnohistorischer Beitrag zu einer jahrhundertelangen Nichtbegegnung, Diss. Wien 2002, S. 75.
  25. Berthold Seewald: Deutsche Forscher finden riesige Pyramide in Peru, in: Die Welt, 19. Oktober 2006 und Peru: Ältestes Gebäude Südamerikas freigelegt.
  26. Vgl. Horst Pietschmann: Staat und staatliche Entwicklung am Beginn der spanischen Kolonisation Amerikas, Münster 1980 und Hans-Jürgen Prien: Die Geschichte des Christentums in Lateinamerika, Göttingen 1978
  27. Einen zusammenfassenden Überblick bietet Massimo Livi Bacci: Conquista: La distruzione degli indios americani, Bologna 2005.
  28. Cortés, Hernán: Die Eroberung Mexicos. Drei Berichte an Kaiser Karl V. S. 85
  29. Zur umfassenden Traumatisierung und zu Heilungsansätzen vgl. Cynthia C. Wesley-Esquimaux und Magdalena Smolewski: Historic Trauma and Aboriginal Healing, The Aboriginal Healing Foundation Research Series 2004, ISBN 0-9733976-9-1.
  30. Dieser Versuch ist immer wieder Gegenstand vor allem außerwissenschaftlicher Diskussion. Hierzu äußerten sich etwa Thomas Brown: Did the U.S. Army Distribute Smallpox Blankets to Indians? Fabrication and Falsification in Ward Churchill’s Genocide Rhetoric, in: plagiary 1/9 (2006) 1-30 oder [Guenter Lewy: Were American Indians the Victims of Genocide?, History News Network, 22. November 2004]. Vgl. auch Peter d'Errico: Jeffrey Amherst and Smallpox Blankets, University of Massachusetts 2007
  31. Zur Debatte über die Völkermordfrage vgl. Guenter Lewy: Were American Indians the Victims of Genocide?, History News Network, 22. November 2004.
  32. Dies soll keineswegs den Befürwortern einer Relativierung der Shoa, bzw. des Holocausts eine Handhabe zu neuer Schuldzuweisung geben. Bedauerlicherweise geschieht dies schon, wenn auch ohne diese Absicht, durch Publikationen wie David E. Stannard: American Holocaust: The Conquest of the New World, Oxford University Press 1993 oder Russell Thornton: American Indian Holocaust and Survival: A Population History Since 1492, University of Oklahoma Press 1987, die wohl eher den Blick für die Bedeutung der indianischen Verluste schärfen wollten, und sie dazu mit der Vernichtung der europäischen Juden verglichen. Explizit tut dies Lilian Friedberg in Dare to Compare: Americanizing the Holocaust, in: American Indian Quarterly 24.3 (2000) 353-380 (Online (Memento vom 29. Mai 2013 im Internet Archive)).
  33. Zur Rolle der Kirche vgl. Hans-Jürgen Prien: Die Geschichte des Christentums in Lateinamerika, Göttingen 1978.
  34. Johannes Winter, André Scharmanski: Sind die Andenstaaten unregierbar? Ursachen der politischen Krise in Bolivien, Ecuador und Peru, in: Zeitschrift Entwicklungspolitik 14 (2005) 30–34, hier: S. 30.
  35. Der Zorn des Urwalds , Süddeutsche Zeitung, 13. Juni 2009 (Memento des Originals vom 16. Juni 2009 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.sueddeutsche.de.
  36. Up to 250 Indigenous Peruvians Killed in Bagua, Says Leader Miguel Palacin , in: groundreport, 11. Juni 2009.
  37. The Indians of Raposa–Serra do Sol, Website von Survival International
  38. Tremembé de Almofala (Memento vom 9. Juli 2010 im Internet Archive)
  39. Überwachung des eigenen Territoriums, in: Süddeutsche Zeitung, 28. Juli 2009
  40. Tribe teams with Google to make stand in Amazon, in: San Francisco Chronicle, 18. Oktober 2009.
  41. Illegal Logging: Indigenous peoples in Brazil Harassed, Threatened, 18. April 2008
  42. 2010 reiste er nach Brasilien, um sich gegen die Umsiedlung von 12.000 Bewohnern und die Zerstörung ihrer Kultur einzusetzen. James Cameron, in real life, fights to save indigenous groups from massive dam construction in Brazil , in: Mongabay, 1. April 2010 und Tribes of Amazon Find an Ally Out of ‘Avatar’, in: New York Times, 10. April 2010
  43. Lulas Dampfwalze, in: Die Tageszeitung, 29. Dezember 2009
  44. Vgl. Ancient civilisations in Mexico developed a writing system as early as 900 BC, new evidence suggests, BBC 14. September 2006 und Ältestes Schriftstück Amerikas entdeckt, Spiegel Online 15. September 2006. Bereits 2002 war ein Zylinder mit Schriftzeichen von etwa 650 v. Chr. aufgetaucht (‘Earliest American writing’ unearthed, BBC 5. Dezember 2002).
  45. Zur anglokanadischen Literatur: Daniel David Moses/Terry Goldie: An Anthology of Canadian Native Literature in English, Oxford University Press 1992. Eher für wissenschaftliche Bedürfnisse konzipiert: Penny Petrone: First People First Voices, University of Toronto Press 1984, ISBN 978-0-8020-6562-9. Übergreifend: American Indian Literature: an Anthology, hgg. v. Alan R. Vellie, University of Oklahoma Press 1991. Blue Dawn, Red Earth: New Native American Storytellers, hgg. v. Clifford Trafzer, New York 1996. Darüber hinaus bietet die Internet Public Library eine eigene Abteilung Native American Authors.
  46. Der Codex lässt sich als Förstemann- bzw. Kingsboroughversion von hier herunterladen.
  47. Stanley Guenter: The Tomb of K’inich Janaab Pakal: The Temple of the Inscriptions at Palenque (PDF; 4,4 MB).
  48. Nach (PDF; 36,3 MB) Kommentar von Eduard Seler (PDF; 38,4 MB)
  49. Vgl. dazu Antje Gunsenheimer: Geschichtstradierung in den yukatekischen Chilam Balam-Büchern. Eine Analyse der Herkunft und Entwicklung ausgewählter historischer Berichte, Diss. Bonn 2002. PDF
  50. Conrado Gilberto Cabrera Quintero: La creación del imaginario del indio en la literatura mexicana del siglo XIX, 2005.
  51. Es liegt in der Biblioteca Nacional in Madrid. Zum Manuskript (PDF; 42,5 MB): Sabine Dedenbach-Salazar Sáenz: Die Stimmen von Huarochirí. Indianische Quechua-Überlieferungen aus der Kolonialzeit zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit: Eine Analyse ihres Diskurses, Habilitationsschrift, Shaker Verlag: Aachen 2003 (CD-ROM), ISBN 3-8322-2154-9
  52. Eine englische Übersetzung liefert Clements Markham. Deutsch erschienen unter Ollanta. Ein Inka-Schauspiel Edition Viktoria 2007, ISBN 978-3-902591-00-5
  53. Ricardo Valderrama Fernández und Carmen Escalante Gutiérrez: Gregorio Condori Mamani – Autobiografía, Centro Bartolomé de las Casas: Cuzco 1982. Dazu Nora Valeska Gores: Das hispanoamerikanische testimonio in der Kritik. Untersucht am Beispiel Gregorio Condori Mamani Autobiografia und Canto de Sirena, Magisterarbeit, Berlin 2007.
  54. Vgl. Morrisseau, 'Picasso of the North,' dead at 75 (Memento des Originals vom 6. Februar 2008 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.ctv.ca. Ich folge im Weiteren weitgehend Joan M. Vastokas: Native Art, in: The Canadian Encyclopedia (Memento des Originals vom 14. Januar 2009 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.canadianencyclopedia.ca und Janet Catherine Berlo /Ruth B. Phillips: Oxford History of Art: Native North American Art, New York: Oxford University Press 1998.
  55. Women in History: Edmonia Lewis (Memento des Originals vom 27. Januar 1999 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.lkwdpl.org. Eine Abbildung des Grant-Portraits findet sich hier (Memento des Originals vom 15. Oktober 2009 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.liverpoolmuseums.org.uk.
  56. Sarah McAnulty: Angel DeCora: American Artist and Educator, zuerst in: Nebraska History 57/2 (1976) 143-199.
  57. Die Fünf waren James Auchiah (1906–1974), Spencer Asah (1905–1954), Jack Hokeah (1902–1969), Stephen Mopope (1898–1974) und Monroe Tsatoke (1904–1937).
  58. The Jacobson House. Native Art Center: About The Kiowa Five (Memento des Originals vom 3. Dezember 2013 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.jacobsonhouse.com
  59. Dies und das Folgende nach der Encyclopedia of Music in Canada (Memento des Originals vom 14. Januar 2009 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.canadianencyclopedia.ca, Abschnitte First Nations Research, 1900–1980 und 1980–1990.
  60. Ein Beispiel für die Musik und den Tanz sowie die Sprache der Mi'kmaq (Sprecher: Joel Denny).
  61. La musique chez les peuples indigenes de l'Amerique du Nord (Etats Unis et Canada), Paris 1911.
  62. Ein Beispiel für die Musik und den Gesang der Cree, August 2008.
  63. Robert Witmer: The Musical Life of the Blood Indians, Ottawa 1982
  64. Alden J. Mason: Notes on the Indians of the Great Slave Lake area, New Haven 1946.
  65. Wendy Bross Stuart: Gambling Music of the Coast Salish Indians, Vancouver 1972. Der Ansatz von Herman Karl Haeberlin bei den Washingtoner Küsten-Salish wurde durch seinen frühen Tod zunichtegemacht (vgl. Herman Karl Haeberlin/Helen Roberts: Songs of the Puget Sound Salish, in: Journal of American Folklore 31 (1928) 496–520).
  66. Wendy Wickwire; Theories of ethnomusicology and the North American Indian: retrospective and critique, in: Canadian University Music Review 6 (1995) 186-221.
  67. 2004 stellte das Princeton University Museum eine Website (Memento des Originals vom 20. April 2015 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/mcis2.princeton.edu zur Verfügung, die es erlaubt, einzelne Instrumente anzuhören.
  68. Musikbeispiele aus ganz Amerika liefert die Website des Smithsonian Institution, Smithsonian Global Sound From the Andes to the Arctic. Explore American Indian Heritage through Music (Memento des Originals vom 27. August 2009 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.smithsonianglobalsound.org
  69. Vgl. dazu Horst Gründer: Christliche Heilsbotschaft und weltliche Macht. Studien zum Verhältnis von Mission und Kolonialismus, LIT Verlag Berlin-Hamburg-Münster 2004, Kapitel Conquista und Mission.
  70. Jesaja 49,22: haec dicit Dominus Deus ecce levo ad gentes „manum meam et ad populos exaltabo signum meum“ et adferent filios tuos in ulnis et filias tuas super umeros portabunt – So spricht der Herr Gott: Seht, zu den Stämmen hebe ich meine Hand, zu den Völkern hin errichte ich mein Zeichen. Sie bringen ihre Söhne im Gewande herbei und tragen deine Töchter auf der Schulter.
  71. Una Mirada al Pasado. María Uicab – La Santa Patrona de Tulum, Archivo General del Estado de Quintana Roo (Memento vom 16. Oktober 2008 im Internet Archive)
  72. Kenneth E. Kidd: Birch-Bark Scrolls in Archaeological Contexts, in: American Antiquity 30/4 (1965) 480-483.
  73. So berichtete etwa Die Presse: Papst-Rede „beleidigend und beängstigend“.
  74. Website INAC
  75. Website des BIA (Memento des Originals vom 25. Juni 2008 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.doi.gov
  76. Coyote – Indianische Gegenwart Nr. 81, Frühjahr 2009, Seite 6
  77. Gangs in Indian Country, in: Daily Yonder, 17. September 2009
  78. Website der CDI
  79. Fundação Nacional do Índio (Memento vom 11. August 2007 im Internet Archive)
  80. Die Seite des Justizministeriums findet sich hier: Legislação Indigenista Brasileira e Normas Correlatas. Eine Karte der Indiogebiete findet sich hier (Memento des Originals vom 18. April 2009 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.funai.gov.br (PDF; 6,4 MB).
  81. Die Website findet sich in fünf Sprachen, nämlich auf Spanisch (Memento vom 12. Juli 2007 im Internet Archive), auf Englisch (Memento vom 13. Juli 2007 im Internet Archive), auf Portugiesisch (Memento vom 12. Juli 2007 im Internet Archive), Französisch (Memento vom 13. August 2008 im Internet Archive) und entsteht gerade auf Niederländisch (Memento vom 30. März 2010 im Internet Archive).
  82. Peru Congress passes consultation law unanimously, Reuters, 24. August 2011.
  83. So kam es etwa um den Hummerfang der Burnt Church First Nation im Osten Kanadas zu einem zweijährigen Konflikt.
  84. Vgl. Christine Fuchs: Attacke der Käfer, Bericht des ZDF-Auslandsjournals vom 13. September 2007 (Memento vom 5. Januar 2008 im Internet Archive).
  85. In Québec, in Neuschottland und auf Prince Edward Island gibt es noch keines, in British Columbia eins, in Alberta zwei, Manitoba drei, in Saskatchewan sechs, in Ontario zwei und in Neubraunschweig drei. (Stand: August 2008)
  86. Indian Gaming. S. a. National Indian Gaming Commission
  87. Listen dazu bieten Index of Native American Media Resources on the Internet oder Native Media
  88. Website der NWIN
  89. S. Website des Aboriginal Peoples Television Network.
  90. Quechua language TV hits the airwaves in Ecuador, in: Indian Country Today, 4. Dezember 2009
  91. Das ergab sich in der Parlamentsdebatte vom 18. Juni 2007.
  92. Bolivien liest!

 

 

 

 

 

 

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Kinder

wir sind auch eine Kinderfreundliche Hompage. Mit der Kinderseite, den Spiel, MamoryGeduldspiel und Puzzle

Ziehen drei Männer in ein Haus ein.

Herr Keiner, Herr Dumm und Herr Niemand.

Herr Keiner wohnt oben, Herr Dumm in der Mitte und Herr Niemand unten. Alle Männer gehen auf ihre Terrasse. Herr Keiner spuckt Herrn Dumm auf den Kopf.
Herr Dumm geht zum Wachtmeister und sagt: «Keiner hat mir auf den Kopf gespuckt, und Niemand hat's gesehen.»
Darauf der Wachtmeister: «Sagen Sie mal, sind Sie etwa Dumm?» Da sagt Herr Dumm: «Ja, woher kennen sie denn meinen Namen?»

Ein Opa geht mit seinem Enkel in der freien Natur spazieren und sagt: «Nun sieh dir doch nur diese schöne Natur an, die grünen Bäume und die saftigen Wiesen.» Er knickt einen Grashalm ab und kaut auf ihm herum.
Fragt der Enkel: «Opa bekommen wir jetzt ein neues Auto?»
«Wie kommst du denn jetzt auf die Idee?»
«Na, weil Papa gesagt hat, wenn Opa ins Gras beisst, bekommen wir ein neues Auto.»

Ein Geistlicher will sich im Wilden Westen ein Pferd kaufen.
Händler: «Kaufen Sie diesen Rappen. Er rennt bei ‘Gott sei dank’ los und bleibt bei ‘Amen’ stehen.»
Der Geistlich kauft das fromme Tier und reitet los. Nach einiger Zeit galoppiert das Pferd auf eine Schlucht zu. Der Geistliche betet verzweifelt ein Vaterunser und bei dem Amen bleibt das Pferd kurz vor der Schlucht stehen.
Geistlicher: «Gott sei Dank!»

Meier stürzt in einen Haushaltswarenladen: «Schnell eine Mausefalle! Ich muss den Bus noch erwischen!»
Verkäufer: «Tut mir leid, aber so grosse Fallen haben wir nicht!»

Ein Mann kauft einen Schäferhund.
Neuer Besitzer: «Mag der Hund auch kleine Kinder?»
Alter Besitzer: «Ja, aber es ist billiger, wenn Sie ihm Hundekuchen kaufen.»

Verhandlung im Gerichtssaal.
Richter zum ersten von drei angeklagten Männern: «Nun, was haben Sie angestellt?»
Erster Angeklagter: «Ich habe den Stein in den Kanal geworfen!»
Richter: «Das ist kein Delikt. Freispruch!»
Richter zum zweiten Angeklagten: «Und welche Straftat haben Sie begangen?»
Zweiter Angeklagter: «Ich habe dabei geholfen, den Stein in den Kanal zu werfen!»
Richter: «Das ist auch kein Verbrechen. Freispruch!»
Richter zum Dritten Angeklagten: «Und weshalb sind Sie nun angeklagt?»
Dritter Angeklagter: «Ich bin der Stein, Euer Ehren! Hubert Stein!»

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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konzept

Mir ist eine freundliche und wertschätzende Atmosphäre sowie ein respektvoller Umgang miteinander wichtig.

Meine Arbeit verstehe ich als Hilfestellung dazu offenheit und Erlichket gehören dazu wo es im einzelnen erwünscht ist.

 

 

In Einzelprojeckten sind erweiterungen und Spezifische konzepte vorhanden, das Ganze ergibt ein gesamtbild

  1. Durch die 50% klausel mehr Arbeitsplätze zu schafen
  2. durch die 50% klausel ergibt sich Geleicher Lohn bei Gleicher Leistung in der Geschlechtergleichstellung unter Berücksichtigung des Alters und von Behinderungen od. Einschrenkungen (Durch Artztzeugnisse).
  3. Erschafen und erhalten von Reginalen Arbeitsplätzen und Regionalen Produckten
  4. Trotz Familie etwas erreichen ist das weitere.
  5. Betriebe mit Kinderhorten Erschafen.
  6. Kinderhorte können im Solidarbeitrag über die Familienkasse abgerechnet werden wie das Kindergeld.
  7. Weitere Finanzierung siehe Navacho-Stiftung und Navacho Sozial.
  8. Es wird das 2 Standpunkte Prinzip vertretten mit dem Kind im Zentrum!
  9. Vielseitiges Angebot.
  10. Mehr und am Schnellsten Informirt sind sie im Navacho Forum als Mitglied.

 

 

 

 

 

Im weiteren Stehen wir für:

 

 

► die Anwendung der 50/50-Formel (in der Basis wenn möglich und gesetzlich verankert)

 

Das heisst also für Vater und Mutter die gleichen Rechte und Pflichten, und zwar wirklich die gleichen!

 

Keine Privilegien für einen einzigen Elternteil – keine ungerechten Urteile – keine PAS-Kinder mehr!

 

- geteilte Betreuung der Kinder!

 

- geteiltes Obhutsrecht!

 

- geteiltes Sorgerecht! Wurde im September 2012 im Nationalrat angenommen!

 

- geteilte Unterhaltspflichten!

 

► Mehr männliche Lehrpersonen in Krippen, Horts, Kindergärten und Primarschule

 

► Teilzeitstellen für Väter, auch im Kaderbereich (Jobsharing)

 

► Obligatorische Mediation, dafür weniger Gerichte (unterstützt durch Jugendämter)

 

► Mehrwöchiger Vaterschaftsurlaub anolog dem Mutterschaftsurlaub - somit Entlastung der Mutter

 

► Gleiches AHV-Alter für Mann und Frau

 

► Geschlechtsneutrale Zufluchtshäuser für Opfer häuslicher Gewalt (anstelle von Frauenhäusern)

 

► Gleiche Löhne für Mann und Frau für messbar gleiche Arbeit und Arbeitsleistung
Verplichtent Betriebshorte

namenserklärung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Navajo (Volk)

 

 
 
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Reservat der Diné und benachbarter Stämme im Südwesten der USA

Die Navajo, auch Navaho oder Diné genannt, sind mit rund 332.100 Stammesangehörigen das zweitgrößte der indianischen Völker in den Vereinigten Staaten. Vergleicht man sie mit anderen Stämmen, so stellen sie den größten Anteil bei der Zahl derer, die sich beim US-Zensus von 2010 ausschließlich mit einer einzigen Stammeszugehörigkeit identifizierten und nicht gleichzeitig noch mit anderen Stammesgruppierungen oder dort abgefragten Ethnien oder Zugehörigkeiten.[1][2]

Die Navajo leben verstreut im nordwestlichen New Mexico, im nordöstlichen Arizona, im südöstlichen Utah und in anderen Teilen der USA. Im Nordosten Arizonas liegt die Navajo Nation Reservation, das bis nach New Mexico und Utah hineinreichende sowohl an Bevölkerungszahl gemessen als auch flächenmäßig größte Reservat der USA,[1] in dem etwas mehr als die Hälfte aller Navajo leben.

Namensherkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diné ist ihr Eigenname und bedeutet „Menschenvolk“ oder wörtlich, basierend auf ihren Mythen, „unter der Erde hervorkommendes Volk“. Sie nannten sich daher auch Nihookááʼ Dineʼé (natürliches Volk, Erd-Volk). Nicht zu den Navajo gehörende Stämme und Fremde bezeichneten sie als Ana'ii oder Anaa’i (Fremde, Feinde). Die Bezeichnung Navaho stammt aus der Tewa-Sprache. Navahuu bezeichnet dort ein bestelltes Feld, weil die Navajo im Gegensatz zu den mit ihnen verwandten, aber nomadisierenden Apachen ausgezeichnete Ackerbauern waren. Auch die Spanier nannten sie deshalb Apaches de Navahu („Apachen des bepflanzten Landes“). Ihre Sprache heißt ebenfalls Navajo (Eigenbezeichnung Diné bizaad) und gehört zur Na-Dené-Sprachfamilie.

Neben den eigentlichen Navajo spaltete sich ab zirka 1750 eine größere Gruppe von Familien ab (die Cañoncito Navajo, benannt nach ihrem Hauptsiedlungsgebiet, lebten zudem auch in den Cebolleta Mountains), die südlich und östlich des eigentlichen Stammesgebiets (also außerhalb von Dinetah) in festen Siedlungen in der Nähe der Pueblo und Spanier lebten, Ackerbau betrieben sowie größtenteils das Christentum übernahmen. Was diese aber den Navajo endgültig entfremdete, war deren aktive Teilnahme als Scouts in Kriegszügen der Spanier (später Mexikaner und Amerikaner) gegen frei umherschweifende und unabhängige Navajo. Die Navajo bezeichneten sie daher als Diné Ana’ii oder Diné Anaa’i (sprich: Di-neh Aw-naw-uh, Alien oder Enemy Navajo, also fremde oder feindliche Navajo).

Die mit ihnen verwandten Apachen nannten die Navajo Yúdahá (= „Live Far Up“, „Jene, die [weit oben] im Norden leben“) und die Diné Ana'ii Ndá Yúdahá (= „Enemy Navajo“, feindliche Navajo oder „White Man Navajo“, Navajo des weißen Mannes). Zudem entstanden aus entflohenen Navajo-Sklaven aus Socorro, die sich in Alamo (= „at Field’s Place“), 35 Meilen nordwestlich von Magdalena ansiedelten, die sogenannten Alamo Navajo oder Puertocito Navajo. Sie bildeten wahrscheinlich ursprünglich eine Gruppe der Diné Ana’ii und wurden allgemein Tsa Dei’alth genannt (= „stone chewers“, „jene, die Steine kauen“), da sie während des Kampfes angeblich so wütend wurden, so dass sie Steine kauten. Ihnen schlossen sich auch einige Familien der Chiricahua und Mescalero an sowie einige Mexikaner. Später flohen einige Navajo vor der Verfolgung durch Kit Carson oder aus Fort Sumner, dem Mescalero-Reservat am Rio Pecos, und fanden bei den Puertocito-Navajo Unterschlupf.

Wohngebiet[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Navajo-Nation-Reservat und das von der Regierung zugewiesene Land im Südwesten der USA umfasst heute insgesamt mehr als 69.000 km² und ist teilweise eine Touristenattraktion. Am bekanntesten sind das Monument Valley und der Canyon de Chelly.

Tausende Navajo verdienen sich ihr Einkommen als Arbeiter fern vom Navajoland, und eine beträchtliche Zahl hat sich auf bewässertem Land am Colorado River und in Städten wie Los Angeles und Kansas City niedergelassen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 
Monument Valley im Land der Navajo, im Vordergrund John Ford’s Point, im Hintergrund der Tafelberg Merrick Butte

Entstehung der Navajo durch Adaption und Akkulturation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wann die Navajo und die Apachen aus Kanada kommend in den Südwesten zogen, ist Gegenstand der Forschung und in den Details ungeklärt. In den subarktischen Regionen Kanadas leben noch heute alle anderen athabaskisch sprechenden Indianerstämme. Als plausible Annahme gilt, dass die Vorfahren der heutigen Navajo zwischen 1000 und 1200 in das Interior Plateau des heutigen British Columbia zogen. Von dort wären sie in mehreren Wellen und kleinen Gruppen auf der Ostflanke der Rocky Mountains nach Süden gezogen und etwa 1450 im Südwesten angekommen. Sie hätten aus der an die Region angepassten Kultur der dortigen Pueblo-Indianer Elemente übernommen und sich innerhalb kurzer Zeit in drei geographisch und kulturell verschiedene Subgruppen aufgeteilt. Die Prärie wäre von den Kiowa besiedelt worden, die im 16. Jahrhundert durch Zugang zu Pferden ihre Kultur stark veränderten. Die heutigen Navajo hätten sich Richtung Westen ausgebreitet und wären stärker sesshaft geworden, später hätten sie begonnen Ackerbau zu betreiben. Und die Apachen wären mobiler geblieben und hätten das südliche Bergland für sich erschlossen. Eine alternative Theorie besagt, dass die Proto-Navajo über die High Desert und das Große Becken nach Süden gezogen wären und sich nach Osten ausgebreitet haben. Teile der Navajo und der Apachen bestreiten, dass ihre Vorfahren jemals in anderen Regionen gesiedelt hätten und gehen in ihren Schöpfungsmythen davon aus, dass sie die ursprünglichen Menschen seien, die an ihren heutigen Wohngebieten geschaffen wurden.[3]

Die überwiegende Auffassung besagt, dass die Navajo den östlichsten Teil ihres heutigen Siedlungsgebietes Dinétah in New Mexico um 1550 erreichten und dort für mehrere Jahrhunderte siedelten, bevor sie sich ab etwa 1750 langsam nach Westen ausbreiteten. Diese Ausbreitung könnte laut der wissenschaftlichen Diskussion auch schon etwas früher erfolgt sein, so dass die westlichen Regionen des heutigen Siedlungsgebietes in Arizona schon deutlich vor 1800 erreicht worden wären.

Dendrochroniologische Untersuchungen der Baumringe aus Bauten der Navajo konnten soweit zugeordnet werden, dass sich die Ausbreitung genauer datieren lässt. Demnach sind die weitaus meisten Funde zu jung oder zu unbestimmt, um eine Aussage über die Ausbreitung zu machen. Eine kleine Zahl von Datierungen erlaubt aber, die Siedlungsgeschichte näher einzugrenzen. Demnach lässt sich eine Verbreitung in westlicher Richtung belegen: Um 1750 erreichten sie den Oberlauf des Little Colorado River im Nordosten Arizonas und errichteten dort eine befestigte Anlage, so dass sie wohl gewaltsam in bewohntes Gebiet eindrangen. Die Black Mesa wurde um 1840 erreicht, die Region nördlich und östlich der Hopi-Siedlungsgebiete in den 1850er Jahren und das Land westlich der Hopi erst nach 1870, nach der Rückkehr vom Langen Marsch, der temporären zwangsweisen Umsiedlung nach Fort Sumner.[4]

Kontakte der Navajo zu Pueblo-Indianern sind mindestens vom 17. Jahrhundert an belegt, als Flüchtlinge aus einigen Rio-Grande-Pueblos nach der spanischen Niederschlagung des Pueblo-Aufstands zu den Navajo kamen. Im 18. Jahrhundert verließen einige Hopi wegen Dürre und Hungersnot ihre Mesas, um bei den Navajo zu leben, besonders im Canyon de Chelly im nordöstlichen Arizona. Unter diesem Puebloeinfluss wurde der Ackerbau zur wichtigsten Grundlage ihrer Subsistenz mit der gleichzeitigen Entwicklung von sesshafter Lebensweise. In historischer Zeit, nach dem Kontakt mit Spaniern, wurde der Ackerbau durch die Haltung von Schafen, Ziegen, Pferden und Rindern ergänzt, in manchen Gegenden sogar ganz damit ersetzt. Erstmals erwähnt wurden die Apache de Navahu in spanischen Berichten aus dem Jahre 1626 und damit von den Apachen unterschieden.

Spanische und mexikanische Periode (1535 bis 1848)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 
Navajo-Decken aus Schafwolle

Wie die Apachen überfielen auch die Navajo Pueblos und spanische Ansiedlungen, um besonders Schafe und Pferde zu stehlen, und so entwickelten sie eine neue Wirtschaftsform, die auf Feldbau, Viehhaltung und Beutemachen beruhte. Hinzu kam ab 1650 das Erbeuten und der Verkauf von Sklaven auf den Märkten in New Mexico durch die Navajo und verschiedene Plains-Stämme. Besonders bevorzugte Opfer waren hierbei die Pawnee im Osten als auch die friedlichen Südlichen Paiute im Norden. Die Südlichen Paiute konnten durch ihre marginalen Lebensbedingungen fast keine Vorräte anlegen, so dass sie nur ausgezehrt und oft halb verhungert über den Winter kamen. Daher gingen die Navajo zusammen mit Apachen stets im Frühling auf Paiute-Sklavenjagd, da diese dann besonders leichte und wehrlose Opfer waren. Oftmals mussten diese erstmals wieder mit Essen versorgt werden, damit sie gute Preise auf den Märkten erzielten. Da die Navajo zusätzliche Esser durch ihre breit aufgestellte Wirtschaftsbasis gut ernähren konnten und zudem für das Hüten der Schaf- und Pferdeherden sowie für die niedrigeren Arbeiten im Haushalt Helfer benötigten, hielten sich die Navajo oftmals Sklaven. Die größtenteils nomadisierenden Apachen hingegen hatten keinen großen Bedarf an Sklaven und verkauften Gefangene daher meist sofort auf den Märkten. Als die Spanier sich nach dem Pueblo-Aufstand von 1680 zunächst aus großen Teilen von New Mexico zurückzogen, ließen sie Teile ihrer Herden zurück. Diese Tiere, zusammen mit den bei Überfällen erbeuteten, legten den Grundstock für die großen Viehherden der Navajo. Schafe wurden zur Basis einer umfangreichen Tradition des Webens von Wollstoffen und insbesondere Decken.[5]

Als die Comanche mit ihren Verbündeten, den Ute, im Osten und Norden von Dinetah auftauchten, nahm der Druck von feindlichen Überfällen auf die nun wohlhabenden Navajo mit ihren Schafherden, Feldern, Pferdeherden sowie ihren begehrten Navajo-Decken enorm zu. Die Navajo mussten wegen der andauernden Überfälle der neu aufgetauchten Feinde sich immer weiter nach Westen zurückziehen und sich tief in den Canyons verstecken. Die Navajo bezeichneten bald die aus dem Osten und Norden auf schnellen Mustangs herbeiziehenden Feinde als Ana’i („Fremde = Feinde“), besonders die Ute sollten später zur Nemesis der Navajo werden. Zu den Ana’i gesellten sich später die Kiowa, Kiowa-Apache sowie Südliche Cheyenne und Südliche Arapaho. Auch mit ihren athapaskischen Verwandten im Osten und Nordosten, den auf den Great Plains lebenden Beehai („Winter-Volk“ – Jicarilla Apache), Naashgali Dine’i (Naashgal? Dine’? – “People close to the mountains” – „Volk, das nahe den Bergen wohnt“ – Mescalero Apache)[6] und Tsétát’ah Chishí (Lipan Apache) lebten die Navajo in offener Feindschaft. Nur zu den Dziłghą́’í (Westlichen Apache) und den Chíshí (Chiricahua Apache) unterhielten die Navajo meist ein freundschaftliches Verhältnis und waren oft deren Verbündete in gemeinsamen Raubzügen im Norden Mexikos. Obwohl den Navajo ihre Verwandtschaft zu den verschiedenen Apachen-Völkern durchaus bewusst war, betrachteten sie diese selbst nicht als Navajo.

Nach 1770 wurden ihrerseits die Navajo von den Spaniern blutig unterdrückt. Eine lange und bittere Periode territorialer Übergriffe und der Gefangennahme von indianischen Sklaven begann. Im Jahr 1786 – die Spanier hatten gerade ein Bündnis mit den Ute, Comanche und deren Verbündeten, den Norteños geschlossen – wurden die Navajo gezwungen, ihre Allianz mit den Apachen aufzugeben und zusammen mit den Spaniern gegen diese zu kämpfen. Sollten sich die Navajo weigern, drohten die Comanche damit, diese auszulöschen. Besonders die östlichen Gruppen (oder Klans) mussten unter dem Druck der vereinigten feindlichen Stämme gegen die Apachen kämpfen, doch die westlichen Gruppen konnten sich zumeist in die Canyons zurückziehen und verstecken.

Im Jahre 1804 griffen die Navajo die Naakaii (Spanier, später auch Mexikaner) an und wurden am Canyon de Chelly blutig zurückgeschlagen. Ein dunkles Kapitel stellt die Versklavung vieler Navajo dar, die von Spaniern und Mexikanern betrieben wurde. Junge Indianer wurden gefangen und gezwungen, unter unmenschlichen Bedingungen in mexikanischen Silberbergwerken zu arbeiten.

Geschichte im 19. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 
Edward Curtis: Son of the desert Navaho, 1907, junger Navajo

Als die Regierung der Vereinigten Staaten 1849 das Territorium der Navajo annektierte, waren diese als eine Anzahl kriegerischer und angriffslustiger Gruppen gefürchtet. Viele Jahre lang versuchte die Regierung vergeblich, den Beutezügen Einhalt zu gebieten, um amerikanischen und mexikanischen Farmern die Ansiedlung zu ermöglichen.

Im Jahr 1851 wurde mit Fort Defiance der erste amerikanische Militärposten im Navajo-Land gegründet. Während des Amerikanischen Bürgerkriegs wollte die Regierung in Washington, dass die Territorien von Arizona und New Mexico in der Union blieben. Damit sollten die Verkehrswege und Nachrichtenverbindungen von und nach Kalifornien offen bleiben. Deshalb mussten die Überfälle vor allem von Seiten der Mescalero und Navajo beendet werden. Die Mescalero wurden 1862 nach Fort Sumner oder Bosque Redondo am Pecos River umgesiedelt. Diesem Ort mangelte es an Brennholz, genießbarem Trinkwasser und gutem Ackerland.

Im Sommer des Jahres 1863 wurde Oberst Christopher Carson (Kit Carson) vom Oberbefehlshaber General James Carleton damit beauftragt, die Navajo ebenfalls in das neue Militär-Indianerreservat am Pecos River zu treiben. Das Militär schickte Unterhändler an einige Navajo-Gruppen und lokale Führer mit der Aufforderung zum Umzug nach Bosque Redondo, andernfalls würde man sie dazu zwingen. Die meisten der weit verstreut lebenden Navajo hörten nie etwas von diesem Ultimatum, und General Carleton machte keinen Versuch, sie aufzuspüren. Stattdessen gab er an Kit Carson den Befehl aus, die wirtschaftlichen Grundlagen der Navajo zu zerstören. Carson zog mit 300 Soldaten, verstärkt durch Ute-, Pueblo-Indianer und Freischärler aus New Mexico, durch das Land der Navajo, und vernichtete Obstgärten, Maisvorräte, Hogans, Wasserlöcher und Viehherden. Am 14. Januar 1864 begann der eigentliche Feldzug. Kit Carson ließ den Navajo die scheinbare Zuflucht, sich mit ihrer Hauptstreitmacht in den von ihnen für uneinnehmbar gehaltenen Canyon de Chelly zu flüchten. Aber auf den Rändern der Schlucht hatten die Amerikaner Kanonen in Stellung gebracht und die Navajo ergaben sich nach kurzem Gefecht. Am 23. Januar 1864 berichtete Kit Carson an General Carleton:

Der Lange Marsch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nur wenige Navajo entkamen unter der Führung des Häuptlings Manuelito. Die Lebensgrundlage war zerstört, und im Februar 1864 sammelten sich über 8000 Navajo bei Fort Defiance, das jetzt Fort Canby heißt. Sie wurden auf den Langen Marsch (engl. Long Walk) nach Bosque Redondo geschickt. Das Vorhaben endete in einer Katastrophe und kostete insgesamt etwa ein Viertel der Indianer das Leben. General William T. Sherman führte eine Untersuchungsdelegation und zeigte sich erschüttert über die Zustände. Am 1. Juni 1868 wurde ein Vertrag unterzeichnet, der den Navajo einen Teil der alten Heimat als Reservat zuteilte und die Rückkehr erlaubte.

Geschichte im 20. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 
Land der Navajo (Monument Valley)

Im frühen 20. Jahrhundert wurde das Reservat vergrößert und die Lebensbedingungen besserten sich. Für ihr handwerkliches Können als Weber und Silberschmiede sind die Navajo berühmt. Sie erlebten eine Zeit relativen Wohlstands, und die Zahl der Stammesangehörigen wuchs. Dadurch vergrößerte sich auch die Zahl der Viehherden, so dass das ökologisch anfällige Land überweidet wurde und die Bodenerosion überhandnahm. In den 1930er Jahren ordnete die US-Regierung eine Verkleinerung des Viehbestands an und ließ viele Tiere töten – für die Navajo eine Katastrophe, als vor ihren Augen ihre Existenzgrundlage vernichtet wurde.

 
Junger Navajo – Monument Valley
 
Navajo-Touristenführer – Monument Valley

Mit ihren Nachbarn, den Hopi, hatten die Navajo einen langen Streit um Land. Die Hopi, deren Pueblos auf den Mesas völlig vom Navajo-Reservat umschlossen sind, beschuldigten die Navajo jahrelang, Vieh und Feldfrüchte gestohlen zu haben. Den Höhepunkt erreichten die Spannungen 1974, als der amerikanische Kongress ein Gesetz verabschiedete, das ein großes Stück Land zwischen den Stämmen neu aufteilte. Es hatte zur Folge, dass 11.000 Navajo und 100 Hopi ihre Häuser verlassen und in von der Regierung bereitgestellte Wohnungen umziehen mussten.

Der Navajo-Code[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zweiten Weltkrieg arbeiteten relativ viele Navajo als Funker für das US-Militär im Pazifikkrieg gegen Japan. Als es den Japanern gelungen war, amerikanische Funkcodes zu entschlüsseln, wurde der Navajo-Code entwickelt, der im Wesentlichen aus der Sprache der Navajo bestand. Diese wurde nur um einige Codewörter, die militärtechnische Dinge bezeichneten und für die es keine Navajo-Wörter gab, ergänzt. Als Windtalkers bezeichnete Navajo wurden in allen Standorten des Pazifikkriegs eingesetzt und tauschten Nachrichten in ihrer Sprache aus. Dieser Funkverkehr konnte von den Japanern trotz aller Bemühungen bis zum Ende des Krieges nicht übersetzt werden – ein Vorteil der außergewöhnlich komplexen Sprache der Navajo. Die Windtalker erhielten vergleichsweise hohe Anerkennungen der US-Armee, viele Details dieser Operation wurden jedoch wegen der Geheimhaltung erst Jahrzehnte später bekannt. Zum Andenken wurde der 14. August zum Nationalen Navajo-Codesprecher-Tag erklärt. Während des Kalten Krieges richtete die Sowjetunion an der Moskauer Lomonossow-Universität auch einen Sprachkurs in Navajo ein.

 
Flagge der Navajo

Aktuelle Situation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 
Navajo-Unterricht von Drittklässlern an der Indian Wells Elementary School[7]

Mit fast 300.000 Stammesangehörigen sind die Navajo heute der bevölkerungsreichste Stamm Nordamerikas. Die Nation wird seit 1923 von einem Stammesrat, gebildet aus den Repräsentanten der 88 Siedlungen, und einem direkt gewählten Vorsitzenden (engl. Chairman) verwaltet. Sie hat Steuerhoheit wie ein amerikanischer Bundesstaat, eine eigene Polizei und eigene Gerichtsbarkeit. Das Durchschnittsalter der Navajo beträgt 18 Jahre, und die Geburtenrate liegt bei 2,7 %. Der Boden des Reservats ist reich an Rohstoffen wie Erdöl, Erdgas, Kohle, Holz und Uran, die zwar Geld einbringen aber auch Probleme aufwerfen, wie die zunehmende Zerstörung der Umwelt, die Gefährdung der Gesundheit und von der US-Regierung angeordnete Zwangsumsiedlungen. Trotz aller Rohstoffe gibt es viel zu wenig verarbeitende Betriebe und keine eigene Dienstleistungswirtschaft. Die Arbeitslosenrate ist wie in den anderen Reservaten hoch, sie liegt bei 40 Prozent, und die Armut ist bedrückend – obwohl die Navajo über das höchste Einkommen aller Indianerstämme in den USA verfügen. Das Diné College (Diné-Universität) sowie das Center for Diné Teacher Education befinden sich heute in Tsaile, AZ, in der Nähe des Canyon de Chelly.

Seit der Jahrtausendwende gibt es einen zunehmend Bewahrungsversuche der traditionellen Kultur, die sich in Sprachprogrammen, aber auch zunehmendem Interesse an Medizinmännern äußern. Junge Navajo sind inzwischen die Kinder der letzten Generation, die noch in die Boardings Schools mit ihrem Umerziehungsprogramm gingen.[8] Im zweiten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts wurde das Aussterben der Navajo-Sprache zunehmend befürchtet. Während zum Ende des Zweiten Weltkrieges noch fast jeder Bewohner des Navajo-Reservates Navajo als Muttersprache gesprochen hatte, beherrschten 70 Jahre später nur noch wenige junge Navajo die Sprache ihrer Großeltern. 1998 sprachen noch 30 Prozent der Navajo bei Schulbeginn Navajo als Muttersprache, während es 30 Jahre zuvor noch rund 90 Prozent waren. Im Reservat beginnt der Navajo-Sprachunterricht bereits in jungem Alter. An der im Jahr 2001 eröffneten Indian Wells Elementary School lernen Drittklässler Lesen, Schreiben und Sprechen auf Navajo. Der Schulzweckverband Holbrook Unified School District sieht es nach eigener Angabe als seine Aufgabe an, die Navajo-Sprache zu bewahren.[7]

Lebensweise und Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 
Nesjaja Hatali, Medizinmann der Navajo, Edward Curtis, 1907
 
Navajo Hogan

Das Leben der Navajo spielt sich in und um ihre Hogans ab. Die traditionellen Häuser der Navajo sind fensterlos, werden aus Holz, Reisig und Lehm gebaut, und der Eingang ist nach der aufgehenden Sonne ausgerichtet. Inmitten einer Bodenvertiefung ist die Feuerstelle, und durch ein Loch im Dach kann der Rauch abziehen. Im Hogan ist es im Sommer kühl und im Winter gemütlich warm. Bei Nacht legen sich die Bewohner wie die Speichen eines Rades rings um die Feuerstelle. Es gibt auch moderne Hogans, achteckige Blockhütten mit einem Kuppeldach, aus dem der Schornstein herausragt. Sie sind geräumiger als die im alten Stil errichteten Hogans, doch nach derselben Grundstruktur gebaut. Starb früher ein Navajo, so schlug man in die Rückseite des Hogans ein Loch, durch das der Leichnam hinaus geschafft wurde. Anschließend verbrannten die Angehörigen das Haus und die gesamte Habe, der Ort wurde aus Furcht vor den Geistern des Toten gemieden.

Soziale Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Navajo ähneln den Apachen-Völkern auch durch ihren Verzicht auf zentrale Stammes- oder politische Organisation. Früher waren sie in Lokalgruppen (Engl. Outfits oder Local Bands) miteinander verwandter Sippen bzw. Großfamilien (Engl. Extended Family) aufgeteilt, jede mit einem lokalen Oberhaupt. Ähnliche Gruppen existieren noch heute, die aber mehr wegen desselben Wohnorts als aufgrund der Blutsverwandtschaft zusammenhalten, und viele dieser lokalen Gruppen haben gewählte Oberhäupter. Eine Lokalgruppe entspricht keinem Dorf und keiner Stadt, sondern eher einer Ansammlung von über ein großes Gebiet verstreuten Anwesen von 10 bis 40 Familien.

Die Navajo verteilen sich auf mehr als 50 Klans. Die Familienstruktur der Navajo ist matrilinear, das heißt die Verwandtschaftsverhältnisse werden durch die weibliche Linie bestimmt. Zudem sind die Klans auch matrilokal organisiert, so dass der Mann bei der Hochzeit zur Familie seiner Frau und deren Siedlung zog. Angehörige eines Klans dürfen innerhalb des eigenen Klans nicht heiraten. Grundlage der Gesellschaftsstruktur ist die erweiterte Familie, wobei auf die einzelnen Mitglieder festgelegte Pflichten entfallen.

Die Namen mehr als der Hälfte der Klans lassen vermuten, dass sie sich von den Orten herleiteten, aus denen der Klan stammte. Einer der ursprünglichen vier Klans, die Kinyaa’aanii (Towering House Clan), hatte seinen Ursprung in einer Pueblo-Ruine in New Mexico, und die Deeshchii’nii (Start-Of-The-Red-Streaked People) stammten aus einem Canyon im Land der Cibecue-Apache, einer Gruppe der Westlichen Apachen – konsequenterweise wurden später von diesem Klan die Cibecue-Apache als T’iisch’ebaanii (Gray-Cottonwood-Extend-Out People) adoptiert. Die übrigen Klans leiteten ihre Herkunft von anderen Stämmen ab inklusive von Mexikanern. So gab es die Nóóda’i Diné (Ute), Naaɫani Diné (Many Comanche Warriors Clan, Comanche), Naakétɫ’ahi (Flatfoot People, Akimel O'Odham) sowie mehrere adoptierte Pueblo-Klans (Zuñi, Jemez, Zia, Santa Ana, Tewa und Hopi).

Politische Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Naataanii (männliche und weibliche traditionelle Führer)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während der spanisch-mexikanischen Herrschaft gab es fünf lose politische geographische Gruppierungen der Navajo. Diese befanden sich am Mount Taylor, Cebolleta (Siedlungsgebiet der Diné Ana’ii, Enemy Navajo), Chuska Mountains, Bear Springs und Canyon de Chelly. Die einzelnen Lokalgruppen wählten jeweils zwei Häuptlinge, die Naataanii – einen für den Krieg und einen für den Frieden.

Die Friedens-Naataanii wurden wegen ihrer exzellenten Moral, ihrem rituellen Wissen über die Ausrichtung der Blessing-Way-Zeremonie, ihrer großen Redekunst, ihres Charismas, ihres Prestiges sowie oftmals aufgrund ihres Reichtums an Schaf- und Pferdeherden gewählt. Üblicherweise versahen sie ihre Pflicht und Verantwortung für die Gemeinschaft ihr Leben lang, doch es wurde von ihnen erwartet, dass sie kurz vor ihrem Tod zurücktraten und einen Nachfolger der Lokalgruppe als Führer vorschlugen. Manchmal wurden auch Frauen zu Friedens-Naataanii gewählt, da sie in der Gesellschaft der Navajo die Häuser und Viehherden besaßen und somit enormen wirtschaftlichen als auch politischen Einfluss hatten. Die Friedens-Naataanii entschieden über die wirtschaftliche Entwicklung (Ackerbau, Sammeln, Handel) der Lokalgruppe (oder des Klans), der Wahl der Weideplätze für die Herden sowie der Jagdgründe. Zudem mussten sie in Familienstreitigkeiten vermitteln, sich mit Hexerei (chindi – „menschliche Wölfe“, Hexer) auseinandersetzen sowie ihre Lokalgruppe gegenüber anderen Navajo als auch gegenüber benachbarten Stämmen (und später Spaniern und Amerikanern) diplomatisch vertreten – somit hatten sie auch die Entscheidung über Krieg oder Frieden zu treffen.

Um hingegen die Position als Kriegs-Naataanii zu erreichen, musste man enormes rituelles Wissen über einen oder gar mehrere War Ways oder Enemy Ways besitzen – diese War Ways waren Zeremonien die darauf abzielten, erfolgreiche Raubzüge oder Vergeltungszüge rituell zu erzwingen. Die Navajo hatten gegenüber den Kriegs-Naataanii eine zwiespältige Einstellung. Obwohl sie diese als große Krieger und Anführer respektierten, wurden sie oft auch kritisiert – sei es weil der Kriegs-Naataanii zu eigenmächtig geworden war oder ein Kriegszug ein Fehlschlag gewesen war.

Sowohl Friedens-Naataanii als auch Kriegs-Naataanii wurden bei ihren täglichen Aufgaben und Pflichten durch Hastól (älteren Männern) und Hataoli/Hataali (heiligen Männern und Frauen) beraten und unterstützt. Zudem stellten diese Männer und Frauen die wichtige Verbindung zwischen den Naataanii und den Diyin Diné (Heiliges Volk) her, die existenziell wichtig für die Gemeinschaft war.

Naachid – traditionelle Zusammenkünfte (ca. 1650 bis ca. 1860)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gab regelmäßige Zusammenkünfte (alle zwei oder vier Jahre, in Stammeskrisen jedes Jahr) mehrerer Lokalgruppen, die sowohl aus politischen als auch aus zeremoniellen und religiösen Gründen abgehalten wurden. Bei diesen Naachid (= to gesture with the hand) trafen sich 24 Naataanii – zwölf für den Frieden und zwölf für den Krieg – in einem speziellen Hogan, um alle Angelegenheiten zu besprechen. Bei diesen Naachid versammelten sich die Naataanii oft, um Zeremonien und Rituale abzuhalten für genügend Wasser, Fruchtbarkeit des Ackerbodens sowie – falls von Feinden Gefahr drohte – für Erfolg im Krieg. Daher diente das Naachid den Navajo oft auch als Kriegs- und Friedensratsversammlung, in der entschieden wurde, ob man Verhandlungen mit Feinden aufnehmen oder Vergeltung üben sollte. Während Friedenszeiten hatten die Friedens-Naatannii den Vorsitz inne. Doch brach Krieg aus oder drohte von Feinden außerhalb von Dinétah Gefahr, übernahmen die Kriegs-Naataanii die Führung im Naachid. Frauen konnten offen vor der Versammlung reden, wenn diese an Kriegs- und Raubzügen teilgenommen hatten oder anderweitig einen hohen Status innehatten.

Die Entscheidungen der Naachid waren für die teilnehmenden Lokalgruppen nicht bindend, ebenso wenig wie für diejenigen Gruppen, die nicht teilgenommen hatten. Die Naachid ermöglichten es den Navajo in Zeiten von Krieg oder wirtschaftlicher Not, in denen es notwendig war, schnellstmöglich viele Lokalgruppen zu versammeln und zu einem gemeinsamen Entschluss zu kommen. In dem letzten großen Naachid im Jahre 1840 versammelten sich die Navajo und entschieden, dass sie mit den Mexikanern in Santa Fe Frieden schließen würden. Die letzten belegten Naachid fanden während des Krieges gegen die Amerikaner in den Jahren von 1850 bis 1860 statt, danach waren die Navajo nicht mehr in der Lage, diese traditionellen politischen Versammlungen fortzuführen. Die verschiedenen Lokalgruppen sowie einzelne Familien und Kriegertrupps befanden sich andauernd auf der Flucht vor der amerikanischen Armee, verzweifelt auf der Suche nach Schutz und Nahrung, so dass keine Zeit mehr für größere Zusammenkünfte mehrerer Lokalgruppen und Naataanii blieb.

 
Navajo-Weberinnen

Handwerk und Kunst[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Pueblo-Indianer beeinflussten die Navajo nicht nur in der Agrikultur, sondern auch in der Kunst. Sowohl bemalte Töpfereien und die bekannten Navajo-Brücken als auch Elemente der Navajo-Zeremonien wie das Trockensandmalen sind Ergebnisse dieser Kontakte. Ein weiteres hervorragendes Kunsthandwerk der Navajo, die Silberschmiedearbeit, stammt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts und wurde dem Stamm wahrscheinlich erstmals von mexikanischen Silberschmieden vermittelt.

Die religiöse Symbolik beeinflusste auch die Kunst der Navajo. Wo eine Navajo-Frau sich aufhält, kann der Webstuhl nicht weit sein. Zunächst fertigten sie gemusterte Webdecken, die als Poncho getragen wurden. Der berühmte Navajo-Teppich ist jedoch die Erfindung weißer Händler aus der Zeit des Eisenbahnbaus und der ersten Touristen. Die Gäste aus dem Osten konnten mit den Decken wenig anfangen, so taufte man diese um und nannte sie Teppiche (engl. rugs) und legte den Grundstein für einen neuen Erwerbszweig. Bereits die Kinder üben sich äußerst geschickt im Fadenspiel, als Vorstufe des Umgangs mit dem Webstuhl. Ethnologen haben ihnen daher einen neuen Ausdruck gewidmet: Ist während des Fadenspiels an einem Finger eine untere Schlinge über eine obere zu bringen, sagt man: „Mach einen Navajo!“[9]

In den letzten 50 Jahren sind die Sandbilder (Engl. Dry Paintings) der Navajo aus dem Halbdunkel der Hogans an die Öffentlichkeit gelangt. Die Herkunft dieser Maltechnik ist unklar. Die Bilder werden traditionell während nächtlicher Heilzeremonien in Hogans angefertigt. Die Künstler sind besonders geschulte Medizinmänner, die sich Jahre lang komplizierte Gebete, Gesänge und die Maltechnik angeeignet haben. Die Bilder sind im Durchmesser 60 bis 90 cm groß und bestehen aus farbigem Gesteinspulver, Maispollen und anderen heiligen Materialien. Die Motive sind Abbildungen der Navajo-Götter, die während der Zeremonie um Heilung des Patienten angefleht werden. Kurz vor der Morgendämmerung ist die Zeremonie beendet und die heiligen Bilder werden zerstört. Der gesammelte Sand wird nördlich des Hogans vergraben. Heute stellt man auch langlebige Sandgemälde zu kommerziellen Zwecken her. Außer den genannten Motiven zeigen sie auch Landschaften, Portraits von Indianern, Töpfer- und Webereimuster und abstrakte Formen. Im Reservat gibt es Hunderte solcher Künstler – die besten arbeiten in der Gegend von Shiprock in New Mexico. Arbeiten seit den 1890er Jahren und Werkstätten, in denen man Kunsthandwerkern bei der Arbeit beobachten kann, können an verschiedenen Stellen des Reservates, insbesondere in der Hubbell Trading Post National Historic Site in Ganado, Arizona besichtigt werden.

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die religiösen Überlieferungen und Riten der Navajo sind vielfältig, animistisch (Allbeseeltheit) und polytheistisch (Vielgötterei). Gemeinsam ist ihnen ein Bezug zu Landmarken und spezifischen Orten. Das Weltbild der Navajo basiert vor allem auf Hózhó („Schönheit“ oder „Harmonie“), einem spirituellen Idealzustand, um dessen Erhaltung sich alles dreht.

Das Pantheon der Götter ist ausgesprochen vielfältig. Die Ethnologin Gladys Reichard hat versucht, die Götterwelt zu klassifizieren, um die Vielfalt besser zu verstehen: Sie schuf Kategorien wie die „überredbaren Gottheiten“ – die nur gutes tun; den „unzuverlässigen Gottheiten“ – denen man viel opfern muss, um ihre Hilfe zu erlangen; die „Wesen zwischen Gut und Böse“ wie Kälte, Schlaf und Not – die grausam aussehen, aber mild sind; die „unüberredbaren Gottheiten“ – die nur übles tun und ferngehalten werden müssen; die diyin-Leute – die zwischen Menschen und Göttern vermitteln; und die Kulturheroen – wie die Zwillingskriegsgötter.[10] Die Diyin Diné sind das (mythische) „heilige Volk“, das sich mit dem Wind, auf einem Sonnenstrahl oder einem Donnerschlag fortbewegt. Reichard vermutet, dass sich hinter allen Göttern und Geistern als höchste Triebkraft des Universums die (männlich vorgestellte) Sonne verbirgt.[10] Sie nimmt als unbenennbare und geheimnisvolle Kraft die Stelle eines „Hochgottes“ ein, deren Wirken sich überall in der Schöpfung offenbart.[11]

Einige der vielen Mythen beziehen sich auf die Schöpfung der ersten Menschen aus verschiedenen Welten unter der Erdoberfläche, andere Geschichten erklären die zahllosen üblichen Riten. Einige davon sind von Einzelnen oder Familien zelebrierte einfache Rituale, die bei Reisen, beim Geschäft und beim Spiel Glück bringen sollen, sowie Schutz für die Ernte und die Herden. Dies waren etwa Opfergaben von Tabak, Maismehl oder Blütenstaub.[12] Die komplexeren Riten erfordern einen Spezialisten, den man nach seinem Können und der Länge der Zeremonien bezahlt. Die meisten Riten werden vorwiegend zur Heilung körperlicher oder seelischer Krankheiten organisiert. Bei anderen Zeremonien gibt es einfache Gebete und Gesänge, und man fertigt dazu Sandbilder an. In manchen Fällen gibt es öffentliche Tänze und Vorführungen, zu denen sich Hunderte oder Tausende von Navajo und Touristen versammeln.

Zwei besonders wichtige Gottheiten sind Asdzáá Nádleehé (Changing Woman = die sich wandelnde Frau) und Mutter Erde, die schön, immer jung und großzügig ist und über das Wohlergehen des Volkes wacht. Als sie noch ein Baby war, wurde sie von Altsé Hastiin (Erster Mann) und Altsé Asdzaa (Erster Frau) gefunden. Das Baby lag in einer von Göttern geschaffenen Wiege auf einem heiligen Berg und innerhalb von vier Tagen wuchs Changing Woman zur gereiften Frau heran. Sie war es, die den Navajo erklärte, wie sie ihr Leben in Übereinstimmung mit der Natur gestalten können. Die lebensspendende, lebenserhaltende sowie gebärende Rolle von Changing Woman spiegelt sich auch in der sozialen Organisation der Navajo wider: Frauen dominierten die sozialen und wirtschaftlichen Angelegenheiten, die Klans waren matrilinear und matrilokal organisiert, und sowohl das Land als auch die Schafe wurden von den Frauen der Lokalgruppen kontrolliert. Changing Woman war laut einer Version des Mythos das Kind von Sa’ah Naaghaii (Erster Junge), der den Geist (den Verstand) symbolisiert und von Bik’eh H-zh (Erstes Mädchen), das die Sprache verkörpert. Zusammen stellten Sa’ah Naaghaii und Bik’eh H-zh im übertragenen Sinne die ideale Welt der Navajo dar und beinhalteten deren wichtigste Ideen und Werte.

Zudem glaubten die Navajo, dass jedes Lebewesen eine innere und eine äußere Form habe, die immer wieder in Harmonie und Gleichgewicht gebracht werden mussten. Daher musste die innere Form sich mit Sa’ah Naaghaii (Erster Junge) vereinen und die äußere dasselbe mit Bik’eh H-zh (Erstes Mädchen) versuchen. Changing Woman repräsentierte eine Synthese von den beiden und hatte daher die Kraft, die Unsterblichkeit aller Leben und aller lebenden Dinge durch immerwährende Reproduktion (Wandel = Changing) zu erreichen. Der Glaube an tierische Schutzgeister hingegen, der ansonsten fast überall in Nordamerika vorkam, war bei den Navajo nicht zu finden.[13]

Die christliche Mission hatte bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts nur minimalen Einfluss.[14] Erst in den 1920er Jahren zeigten sich Erfolge der Christianisierung. In den 1970er Jahren wurden viele Stammesmitglieder von der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) bekehrt.[15] Nach wie vor gehören Alltag und Religion für sehr viele Navajo untrennbar zusammen. Auch heute noch gehen die Männer auf die Felder und singen, damit der Mais wächst. Die Weberinnen ziehen einen speziellen Faden als Geistweg in ihre Teppiche. Nach den laufenden Erhebungen des evangelikal-fundamentalistisch ausgerichteten Bekehrungsnetzwerkes Joshua Project bekennen sich noch 25 Prozent der Navajo zur traditionellen Religion, 60 Prozent sind (offiziell) Christen (überwiegend Protestanten) und 15 Prozent bezeichnen sich als nicht religiös.[16]

Schöpfungsmythos (Diné bahane')[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Navajo glaubten an die Existenz von vier aufeinanderfolgenden Welten – die Erste Welt / Schwarze Welt (auch: Rote Welt, die der Unterwelt entsprach), die Zweite Welt / Blaue Welt (Niʼ Hodootłʼizh) sowie die Dritte Welt / Gelbe Welt (Niʼ Hałtsooí) wurden jedoch nicht von Menschen, sondern nur von den Diyin Dine'e / Heiliges Volk (Geistwesen, die die Moral und Gesetze den Tieren und Menschen gaben) und Göttern sowie von ebenfalls als Diné („Volk“) bezeichneten vier Lebewesen bzw. Tiergattungen bewohnt, diese Tiergattungen bewohnten jeweils eine dieser Welten, und da sie die Götter und das Heilige Volk auf deren Wanderung durch die Welten bis in die letzte – der Vierten Welt / Weißen Welt (Niʼ Hodisxǫs) – folgten[17], lebten in dieser letzten Welt alle tierischen Lebewesen – die Ch'osh Dine'/ Insekten, die Naat'agii Dine'e / Vögel (wörtlich: „fliegende(s) Tiere / Volk“), die Naaldlooshii Dine'e / Vierbeinige Tiere (wörtlich: „vierbeiniges Volk“) und die Ta[t]'11h Dine'e / Unterwasser Tiere (wörtlich: „Unterwasser Volk“) bereits dort, als in dieser zuletzt die Navajo und die anderen Völker der Menschen geschaffen wurden. Da für die Navajo alle Lebewesen ebenfalls Diné waren, wurden diese von ihnen als Verwandte und mit großem Respekt behandelt. Die heutige Welt (nach Ankunft der Europäer) wird manchmal daher von den Navajo als Fünfte Welt bezeichnet.

Die Religion und Kosmologie der Navajo wird stark von einem positiven Dualismus oder Polarität geprägt und daher liegt ihrer Überzeugung nach ihr traditionelles Land Dinétah („unter den Navajo / dem Volk, im Gebiet der Navajo / des Volkes“; abgl. von Diné – „Navajo“ oder „Volk“, -tah – „unter, durch, im Gebiet von“) zwischen den sie schützenden Eltern, der als Mutter personifizierte Erde (oder Natur) namens Nihi Má Ni'asdzáán / Mutter Erde (auch: Nahasdzáán) und Nihi Zhé'e Yádiłhił / Vater Himmel (auch: Yádiłhił oder Yadilyil).

Zudem ist die Zahl Vier für Apachen und Navajo von besonderer Wichtigkeit und ist nach ihrer Tradition voller positiver Magie, Symbolik und Heiligkeit:

  • vier aufeinander folgende Welten:die vier Lebewesen bzw. Tiergattungen
    • die Erste Welt / Schwarze Welt (auch: Rote Welt)
    • die Zweite Welt / Blaue Welt (Niʼ Hodootłʼizh)
    • die Dritte Welt / Gelbe Welt (Niʼ Hałtsooí) sowie
    • die Vierte Welt / Weiße Welt (Niʼ Hodisxǫs)
  • die vier ursprünglichen Doone'e / Klans der Navajo,[18] zu denen sich neue wegen des Wachsens der Population der Navajo gesellten, zudem wurden fremde Völker als Clans adoptiert und somit in die Navajo-Nation integriert (so z. B. die Pima als Naaket l'ahi – “Flat foot People Clan”, die Ute als Nooda'i dine'e – “Ute Clan”, die Cibecue Apache als T'iisch'ebaanii – “Gray Cottenwood Extending out Clan” oder die Mescalero Apache als Naashgali dine'e).
    • Towering House Clan / Kinyaa'aanii/Kiyaa'aanii
    • One Walks Around (You) Clan / Honaghaahnii/Honághááhnii
    • Mud (People) Clan / Hashtl'ishnii
    • Bitter Water Clan / Todich'ii'nii/Tó dích'íinii
  • die vier Dził da diyinigii / Vier Heiligen Berge (Four Sacred Mountains) begrenzen geographisch sowie kultisch Dinétah:
    • der Heilige Berg im Osten: Blanca Peak / Sis Naajiní, auch: Tsisnaajini, Sis na’jin – “Dawn” oder “White Shell Mountain”, mit 4.374 m höchster Gipfel der Sangre de Cristo Range im Süden Colorados
    • der Heilige Berg im Süden: Mount Taylor / Tsoodził – „Blue Bead“, auch: Dootł’izhii Dził – „Türkisfarbiger Berg“, mit 3.446 m höchster Gipfel der San Mateo Mountains im Nordwesten von New Mexico
    • der Heilige Berg im Westen: die San Francisco Peaks / Dookʼoʼoosłííd – “Abalone Shell Mountain” – „Berg der Abalonen-Schalen“, nördlich der Stadt Flagstaff in Arizona
    • der Heilige Berg im Norden: Hesperus Mountain / Dibé Nitsaa – “Big Mountain Sheep” oder “Obsidian Mountain”, mit 4.035 m der höchste Gipfel der La Plata Mountains, einem Gebirgszug der San Juan Mountains im Südwesten von Colorado
  • die vier Haupthimmelsrichtungen:
  • die vier Heiligen Kulturpflanzen:
  • die vier mit den jeweiligen Himmelsrichtungen, Heiligen Bergen und Heiligen Pflanzen assoziierten Heiligen Farben:
    • Łigai / Weiß – repräsentiert die Vierte Welt, den Osten, Blanca Peak sowie die Bohnen
    • Dootł’izh / Türkis (auch für Blau und Grün) – repräsentiert die Zweite Welt, den Süden, Mount Taylor sowie den Squash (Kürbis)
    • Łitso / Gelb – repräsentiert die Dritte Welt, den Westen, die San Francisco Peaks sowie den Tabak und
    • Łizhin / Schwarz – repräsentiert die Erste Welt, den Norden, Hesperus Mountain sowie den Mais.

Die Navajo glauben an die Herkunft aus einer Unterwelt, die sie die Erste Welt (oder auch Schwarze Welt) nennen. Diesen zeitlosen Ort kannten nur die Geistwesen und die Heiligen Leute (Diyin Diné). Hier lebten, getrennt im Osten und Westen, Erster Mann und Erste Frau. Als Erster Mann einen Kristall verbrannte und Erste Frau dasselbe mit einem Türkis tat, sahen sie des anderen Feuer und wurden vereinigt. Doch schon bald begannen die Wesen der Ersten Welt zu streiten und ein Chaos anzurichten. Damit zwangen sie Erster Mann und Erste Frau, nach Osten zu ziehen. Der Weg führte beide zuerst in die Blaue Welt und dann in die Gelbe Welt, in der sie die sechs Heiligen Berge (engl. Sacred Mountains) fanden, die bis in die Gegenwart als heilig verehrt werden. Diese Sacred Mountains sind im Osten der Blanca Peak (Sis Naajiní, Tsisnaajini, Sis na’jin) in Colorado, im Westen die San Francisco Peaks (Dook’o’oslííd) in Arizona, im Norden Hesperus Mountain (Dibé Ntsaa) in den La Plata Bergen, ebenfalls in Colorado; im Süden ist es der Mount Taylor (Tsoodzil) in New Mexico. In diesem Gebiet liegt auch die Huerfano Mesa (Dził Ná'oodiłii, “Soft Goods Mountain” oder “Banded Rock Mountain”), in der Changing Woman / Asdzą́ą́ Nádleehé (in älteren Quellen auch: Ahsonnutli, Estsanatlehi oder Etsanatlehi) aufgezogen wurde und der zentrale heilige Berg, der Gobernador Knob (Chʼóol'į́ʼí, “Precious Stones Mountains” oder “Great Spruce Mountain”). Der Überlieferung nach stiftete Coyote in der Gelben Welt Unruhe, weil er das Kind von Water Monster stahl, und dieser ließ voller Wut die ganze Welt im Wasser versinken. Doch Erster Mann setzte eine Pflanze, die hoch in den Himmel wuchs, und auf ihr konnten die Lebewesen den Fluten entkommen. Als das Wasser zurückging, fanden sich die Ersten Menschen (engl. First People) in der strahlenden Fünften Welt wieder, dem heutigen Land der Navajo, dem Dinétah.

Einer anderen Überlieferung zufolge gebar Changing Woman / Asdzą́ą́ Nádleehé die Zwillinge Naayéé’ Neezgháni (engl. Monster Slayer) und Tó Bájish Chini (engl. Child Born of Water), die alle Monster töteten. Daraufhin wanderte Changing Woman mit ihrem Mann, dem Vater Himmel, nach Westen zum Pazifik zusammen mit einigen Personen (damals waren dies noch sprechende Tiere), so dass sie sich nicht alleine fühlen möge. Doch nach einiger Zeit kehrten die Tiere nach Osten in ihre alte Heimat Dinétah zurück, als sie hörten, dass immer noch einige von ihnen dort lebten. Daraufhin entschied Changing Woman, dass es mehr Lebewesen (diesmal handelt es sich um Menschen, um Navajo) in Dinétah geben sollte und erschuf die ersten vier Klans. Changing Woman rieb sich die Haut von ihrer Brust und schuf die Kinyaa’aanii (Towering House Clan), von der abgeriebenen Haut vom Rücken erschuf sie die Honaghaanii (One-Walk-Around Clan), aus der Haut unter ihrem rechten Arm entstanden die Todich’ii’nii (Bitter Water Clan) und aus der unter ihrem linken Arm die Hashtl’ishnii (Mud Clan).

Als die Menschen durch Dinétah umherzogen, adoptierten sie auch benachbarte Stämme als Klans in ihrer Stammesorganisation (tatsächlich sind fast alle Nachbar-Völker bei den Navajo als Klans vertreten). Die Beiyóódzine Diné (Südliche Paiute), die rund um Navajo Mountain (Naatsis'áán) lebten, wurden zwar adoptiert, aber später wegen religiöser Differenzen zurückgelassen. Danach zogen die Navajo weiter nach Süden, wo sie die Chishi (Chiricahua Apache) zurückließen und die Naakaii Diné (Mexikaner) adoptierten. Daraufhin wandten sie sich nach Osten, wo die Naashgali Diné (Mescalero Apache) beschlossen zu bleiben. Nun wanderten sie nach Dibé Ntsaa in den La-Plata-Bergen, woraufhin sie sieben Jahre dort siedelten, doch die Sommer waren zu kurz für den Anbau von Mais und Kürbissen – so verließ der größte Teil der Navajo die Gegend wieder und zog nach Cabezon Peak (Tsé Naajiin). Diejenigen, die zurückblieben, waren die Beehai (Jicarilla Apache).

Häuptlinge und Anführer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Demografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Quelle Zahl Bemerkungen  
1680 James Mooney 8.000 geschätzt  
1867 unbekannt 7.300    
1890 Zensus 17.204 fehlerhaft  
1900 Zensus 19.000 fehlerhaft  
1910 Zensus 22.455    
1923 US Indian Office 30.000 geschätzt  
1930 Zensus 39.064    
1937 US Indian Office 44.304    
2000 Zensus 269.000    
2010 Zensus 332.129    

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • William C. Sturtevant (Hrsg.): Handbook of North American Indians. Smithsonian Institution Press, Washington D.C.Martina Müller: "Sandbilder der Navaho", in: Geographie heute, 1994, Nr. 117, S. 16–19.
  • Der spanische Westen. Time-Life Books, 1976.
  • Alvin M. Josephy jr.: 500 Nations. Frederking & Thaler, München 1996, ISBN 3-89405-356-9.
  • Alvin M. Josephy jr.: Die Welt der Indianer. Frederking & Thaler, München 1994, ISBN 3-89405-331-3.
  • John Gattuso (Hrsg.): Indianer-Reservate U.S.A. Reise- und Verkehrsverlag, 1992.
  • Tom Bathi: Southwestern Indian Tribes. KC Publications, Las Vegas 1995.
  • Paul G. Zolbrod: Auf dem Weg des Regenbogens. Das Buch vom Ursprung der Navajo. Weltbild, Augsburg 1992, ISBN 3-89350-142-8.
  • Bertha Pauline Dutton: American Indians of the Southwest, University of New Mexico Press, 1983, ISBN 0-8263-0704-3.
  • David Eugene Wilkins: The Navajo political experience, ISBN 0-7425-2398-5, ISBN 0-7425-2399-3.

 

Navajo bzw. Navaho ist die am weitesten verbreitete und meistgesprochene der insgesamt sieben Apache-Sprachen bzw. Südlichen Athapaskischen Sprachen. Sie gehört daher zu den drei großen regionalen Sprachgruppen der Athapaskischen Sprachfamilie und zusammen mit dem Tlingit zu den sog. Na-Dené-Sprachen. Sie wird im Südwesten der Vereinigten Staaten, hauptsächlich in Arizona, New Mexico, Utah und Colorado von den Navajo (Diné / Naabeehó) gesprochen. Diese bezeichnen ihre Sprache meist jedoch als Diné bizaad oder Naabeehó bizaad – „Sprache des Volkes“, auch: Dinék'ehjí.

Das Navajo hat ca. 170.000 Muttersprachler[1], und die Zahl steigt sogar. Damit ist Navajo die größte indigene amerikanische Sprache nördlich der Grenze zwischen den USA und Mexiko. Doch auch bei den Navajo gibt es immer mehr Kinder, die nur Englisch sprechen: Der Anteil rein englischsprachiger Kinder zwischen 5 und 17 Jahren nahm zwischen 1980 und 2000 von 11,8 auf 48,7 Prozent zu.[2] Navajo gilt als gefährdete Sprache.

Navajo ist für den Nicht-Muttersprachler derart komplex, dass die US-Streitkräfte im Zweiten Weltkrieg im Pazifik mit großem Erfolg Navajo-Indianer als Übermittler von Botschaften einsetzen konnten (Navajo-Code-Sprecher). Zum einen entzog sich diese Sprache aufgrund ihrer Komplexität allen logisch-mathematisch arbeitenden Dechiffrierungsansätzen, mit denen es beispielsweise Polen und Briten gelungen war, den deutschen Enigma-Schlüssel zu brechen. Andererseits war diese Art der Codierung der konventionellen chiffrierten Kommunikation weitaus überlegen, da sie wesentlich schneller und einfacher – weil über direkten Sprachkontakt – funktionierte. Allerdings führten erst direkte Vergleichstests zwischen konventioneller Chiffrierung und der Navajo-Technik zur Akzeptanz dieser Methode bei den US-Streitkräften. Dadurch entfiel die Notwendigkeit zum Vorhalten von immer wieder aktualisierungsbedürftigen und geheim zu haltenden Codebüchern sowie maschineller Aufwand. Erst 1968 endete die Geheimhaltungspflicht dieser Verschlüsselungsmethode und seit 1982 wird jeweils der 14. August als Nationaler Navajo-Codesprecher-Tag begangen. Die Japaner waren nach eigenen Aussagen außerstande, diesen „Code“ zu brechen – ganz im Gegensatz zu dem vorher benutzten Luftwaffencode der US Army Air Forces (USAAF).

Vokale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Navajo hat vier Vokale: a, e, i und o, die kurz, lang oder auch nasal auftreten können:

  • kurz, z. B. a und e,
  • lang, z. B. aa und ee,
  • nasal, z. B. ą und ęę,

zusätzlich gibt es vier Töne:

  • hoch, z. B. áá und éé,
  • tief, z. B. aa und ee,
  • steigend, z. B. und oder
  • fallend, z. B. áa und ée.

Töne, Länge und Nasalität sind frei miteinander kombinierbar, z. B. ą́ą́ (lang, nasal, hoch).

Konsonanten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Konsonanten des Navajo in seiner normalen Orthographie lauten wie folgt (mit IPA-Notation in Klammern):

 BilabialAlveolarPalatalVelarGlottal
zentral lateral einfach labialisiert
Plosive nicht aspiriert   b  [p]   d  [t]       g  [k]    
aspiriert     t  [tʰ]       k  [kʰ]    
ejektiv     t'  [t’]       k'  [k’]     '  [ʔ]
Affrikaten nicht aspiriert     dz  [ʦ]   dl  [tɬ]   j  [ʧ]      
aspiriert     ts  [ʦʰ]    [tɬʰ]   ch  [ʧʰ]      
ejektiv     ts'  [ʦ’]   tł'  [tɬ’]   ch'  [ʧ’]      
Frikative stimmlos     s  [s]   ł  [ɬ]   sh  [ʃ]   h  [x]   hw  [xʷ]   h  [h]
stimmhaft     z  [z]   l  [l]   zh  [ʒ]   gh  [ɣ]   ghw  [ɣʷ]  
Nasale     m  [m]   n  [n]          
Approximanten     w  [w]       y  [j]      

Der Lateral /l/ ist eigentlich ein stimmhafter lateraler Approximant. /ł/ wird hingegen als stimmloser Frikativ realisiert. Dieser Kontrast ist häufig anzutreffen, da ein tatsächlich stimmloser Approximant [l̥] schwerer wahrzunehmen ist. Andere Athapasken-Sprachen, insbesondere Hän, haben hingegen den Kontrast von stimmhaften und stimmlosen lateralen Frikativen.

Wie die meisten indigenen amerikanischen Sprachen des Nordwestens ist Navajo arm an labialen Konsonanten.

Grammatik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Typologisch ist Navajo eine agglutinierende Sprache, jedoch mit starken phonotaktischen Prozessen bei der sehr komplexen Morphologie des Verbs. Die Wortstellung ist üblicherweise SOV (Subjekt Objekt Verb). Obwohl bei dieser Satzstellung typologisch eher Suffixe zu erwarten wären, modifiziert Navajo hauptsächlich über Präfixe.

Navajo hat ungewöhnlich viele Verben, aber kaum Substantive. Daneben gibt es u. a. noch Pronomina, Klitika, Demonstrativpronomina, Numerale, Postpositionen, Adverbien und Konjunktionen, die Harry Hoijer unter der Wortart Partikeln zusammenfasst. Es gibt keine den deutschen Adjektiven entsprechende Wortart, die adjektivische Funktion wird stattdessen von Verben übernommen.

Substantive[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Viele Konzepte, die in anderen Sprachen durch Substantive repräsentiert werden, finden sich im Navajo als Verben. Nominalphrasen sind im Navajo nicht notwendiger Bestandteil der syntaktischen Struktur und tragen keine Kasus-Markierung.

Verben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die enorm komplexen Verben sind das zentrale Element des Navajo. Einige in anderen Sprachen durch Substantive ausgedrückte Bedeutungen werden im Navajo durch Verben wiedergegeben. Beispiele hierfür sind u. a. Hoozdo „Phoenix, Arizona“ (wörtl. „der Ort ist heiß“) oder ch'é'étiin „Eingang“ (wörtl. „etwas hat einen ebenen Pfad nach draußen“). Viele Komposita sind von nominalisierten Verben abgeleitet, wie zum Beispiel ná'oolkiłí „Uhr“ (wörtl. „eines, das sich langsam im Kreis bewegt“) und chidí naa'na'í bee'eldǫǫhtsoh bikáá' dah naaznilígíí „Panzer“ (wörtl. „ein Wagen, auf dem sie über dem, das sich kriechend umherbewegt, sitzen mit einem großen Ding, das eine Explosion verursacht“).

Das Verb kann in verschiedene Einzelsegmente unterteilt werden. Sie bestehen aus einem abstrakten Stamm, dem verschiedene Präfixe in einer festgelegten Reihenfolge vorangestellt werden. Der Stamm bildet zusammen mit einem Klassifikationspräfix das Thema des Verbes. Das Thema wird dann mit einem oder mehreren Derivations-Präfixen verbunden und bildet so die Basis des Verbes. Schließlich werden Flexions-Präfixe an die Basis angefügt (die Young und Morgan „paradigmatische Präfixe“ nennen) und bilden so ein vollständiges Navajo-Verb.

Verbschema[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Präfixe des Navajo werden, abhängig von der Art des Präfixes, in einer festgelegten Reihenfolge mit dem Verb verbunden. Diese Art der Morphologie wird als Positionsklassenschema („position class template“) bezeichnet. Unten angefügt ist eine Tabelle des Verbschemas des Navajo, wie sie von Young und Morgan 1987 aufgestellt wurde. Nicht jede mögliche Position muss mit einem Präfix besetzt werden, so dass die meisten Verben des Navajo in Wirklichkeit weniger komplex sind, als das Schema es vermuten lassen würde.

Das Verb besteht aus drei Hauptbestandteilen:

disjunkte Präfixe konjunkte Präfixe Stamm

Diese drei Teile können in elf Positionen unterteilt werden, von denen einige wiederum weiter unterteilt werden können:

disjunkte Präfixekonjunkte PräfixeStamm
0 1a 1b 2 3 4 5 6 7 8 9 10
postpositionales Objekt Postposition adverbial-thematisch iterativ Plural direktes Objekt Deixis adverbial-thematisch Modus-Aspekt Subjekt Klassifikator Stamm

Zwar stehen die Präfixe für gewöhnlich an einer bestimmten Position, aber einige Präfixe können die Reihenfolge durch Metathese ändern. So steht das Präfix a- (3i Objektpronomen) gewöhnlich vor di-, wie z. B. in:

adisbąąs „Ich beginne, ein berädertes Fahrzeug zu fahren“ [ < ’a- + di- + sh- + ł + -bąąs].

Wenn aber ’a- mit den Präfixen di- und ni- zusammentrifft, tauscht das ’a- durch Metathese seine Position mit dem di-, woraus die Reihenfolge di- + ’a- + ni- resultiert. So heißt es korrekt:

di’nisbąąs „Ich bin dabei, ein Fahrzeug (irgendwohin) zu fahren und steckenzubleiben“ [ < di-’a-ni-sh-ł-bąąs < ’a- + di- + ni- + sh- + ł + -bąąs] (Anmerkung: ’a- wird hier reduziert zu ’-.).

Anstelle der zu erwartenden Formulierung:

adinisbąąs (’a-di-ni-sh-ł-bąąs).

Klassifizierende Verben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Navajo hat Verbstämme, die ein Objekt aufgrund seiner Form oder anderer physikalischer Charakteristika und darüber hinaus auch die Bewegung oder den Zustand des Objektes klassifizieren. Diese Verbstämme werden als klassifizierende Verbstämme bezeichnet und üblicherweise mit einem englischen Akronym benannt. Es gibt elf primäre klassifizierende Verbstämme für von Hand bewegte Objekte, die hier im perfektiven Modus aufgelistet sind:

Klassifikator + Stamm  Bezeichnung  Vollständige Bezeichnung (englisch)ErläuterungBeispiele
-'ą́ SRO Solid Roundish Object fester, rundlicher Gegenstand Flasche, Ball, Stiefel, Schachtel etc.
-yį́ LPB Load, Pack, Burden Ladung, Gepäck, Last Rucksack, Bündel, Sack, Sattel etc.
-ł-jool NCM Non-Compact Matter flüchtige Stoffe Grashaufen, Wolke, Nebel etc.
-lá SFO Slender Flexible Object schmaler, biegsamer Gegenstand Seil, Handschuhe, Socken, Röstzwiebeln etc.
-tą́ SSO Slender Stiff Object schmaler, unbiegsamer Gegenstand Pfeil, Armreif, Pfanne, Säge etc.
-ł-tsooz FFO Flat Flexible Object flacher, biegsamer Gegenstand Decke, Mantel, Beutel etc.
-tłéé' MM Mushy Matter weiche Stoffe Eiskrem, Schlamm, bewusstlos zusammengebrochene Person etc.
-nil PLO1 Plural Objects 1 Objekte in Mehrzahl 1 Eier, Bälle, Tiere, Münzen etc.
-jaa' PLO2 Plural Objects 2 Objekte in Mehrzahl 2 Murmeln, Samen, Zucker, Käfer etc.
-ką́ OC Open Container offener Behälter ein Glas Milch, ein Löffel Essen, eine Handvoll Mehl etc.
-ł-tį́ ANO Animate Object lebendiges Objekt Mikrobe, Person, Leiche, Puppe etc.

Aufgrund dieser Klassifikationen hat Navajo kein einzelnes Verb, das generell dem deutschen Wort geben entspricht. Abhängig von der Einstufung des gegebenen Objektes gibt es im Navajo elf verschiedene Verben, die dem deutschen Verb geben entsprechen. Um etwa den deutschen Satz Gib mir etwas Heu auszudrücken, muss das Verb níłjool (NCM) benutzt werden. Im Satz Gib mir eine Zigarette wird geben hingegen mit dem Verb nítįįh (SSO) wiedergegeben.

Zusätzlich zu der Definition der physikalischen Eigenschaften eines Objekts, können klassifizierende Verbstämme außerdem zwischen Objekten in verschiedenartigen Bewegungen unterscheiden. Hierfür können die Stämme in drei verschiedene Kategorien eingeteilt werden:

  1. von Hand bewegt
  2. angetrieben
  3. freier Flug

von Hand bewegt beinhaltet z. B. tragen, herablassen und wegnehmen, angetrieben werfen, fallenlassen, schleudern etc. und freier Flug u. a. herabfallen und fliegen.

Die Kategorie SRO beispielsweise hat folgende Stämme:

  1. -’ą́ (ein rundes Objekt) von Hand bewegen,
  2. -ne’ (ein rundes Objekt) werfen, und
  3. -l-ts’id (ein rundes Objekt) bewegt sich unbeeinflusst.

yi-/bi- Wechsel (Belebtheit)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wie in den meisten athapaskischen Sprachen markiert auch die Grammatik des Navajo verschiedene Grade der Belebtheit.

Je nach ihrer Einordnung in diese Belebtheitshierarchie erfordern bestimmte Substantive dabei spezifische Verbformen (vgl. Young und Morgan 1987: 65–66). Den höchsten Grad der Belebtheit nehmen dabei menschliche Wesen ein, den niedrigsten Abstraktionen:

Mensch → Kind/großes Tier → Tier mittlerer Größe → kleines Tier → Naturkräfte → Abstraktion

Im Allgemeinen steht das Substantiv mit dem höheren Belebtheitsgrad im Satz vor dem mit niederem Grad. Haben beide Substantive denselben Belebtheitsgrad, ist die Reihenfolge frei.

Dieses Phänomen wurde zuerst von Kenneth Hale (1973) aufgezeichnet.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In dem Kriegsfilm Windtalkers geht es um Navajo-Muttersprachler, die es wegen ihrer Übersetzungsfähigkeiten vor den Japanern zu schützen galt. Der Begriff Windtalkers leitet sich zwar von der Bezeichnung der Navajo für die Funktechnik ab, und bedeutet „die mit dem Wind sprechen“; jedoch wurden die im Nachrichtendienst eingesetzten Sprecher nicht derartig bezeichnet, sondern schlicht und einfach als Navajo Code Talkers.

Im phantasievollen Roman Herr Adamson von Urs Widmer interessiert sich bereits der achtjährige Ich-Erzähler für die Navajos. Als Erwachsener versucht er dann deren Sprache zu lernen und kann sie dann unter besonderen Umständen bei den Navajos auch anwenden.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. [1]
  2. Fiscal impact report: Research and Teaching of Navajo Language vom 29. Januar 2007

Bibliographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unterrichtsmaterialien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Robert W. Blair, Leon Simmons, Gary Witherspoon: Navaho Basic Course. BYU Printing Services, 1969.
  • Irvy W. Goossen: Navajo made easier: A course in conversational Navajo. Northland Press, Flagstaff, AZ 1967.
  • Irvy W. Goossen: Diné bizaad: Speak, read, write Navajo. Salina Bookshelf, Flagstaff, AZ 1995, ISBN 0-9644189-1-6.
  • Irvy W. Goossen; Diné bizaad: Sprechen, Lesen und Schreiben Sie Navajo. Salina Bookshelf, Flagstaff, AZ 1997. (Übersetzt von P. B. Loder)
  • Berard Haile: Learning Navaho. Bände 1–4. St. Michael's Mission, St. Michaels, AZ 1941–1948.
  • Paul R. Platero: Diné bizaad bee naadzo: A conversational Navajo text for secondary schools, colleges and adults. Navajo Preparatory School, Farmington, NM 1986.
  • Paul R. Platero, Lorene Legah, Linda S. Platero: Diné bizaad bee na'adzo: A Navajo language literacy and grammar text. Navajo Language Institute, Farmington, NM 1985.
  • Luci Tapahonso, Eleanor Schick: Navajo ABC: A Diné alphabet book. Macmillan Books for Young Readers, New York 1995, ISBN 0-689-80316-8.
  • Gary Witherspoon: Diné Bizaad Bóhoo'aah for secondary schools, colleges, and adults. Navajo Language Institute. Farmington, NM 1985.
  • Gary Witherspoon: Diné Bizaad Bóhoo'aah I: A conversational Navajo text for secondary schools, colleges and adults. Navajo Language Institute, Farmington, NM 1986.
  • Alan Wilson: Breakthrough Navajo: An introductory course. The University of New Mexico, Gallup Branch, Gallup, NM 1969.
  • Alan Wilson: Laughter, the Navajo way. The University of New Mexico at Gallup, Gallup, NM 1970.
  • Alan Wilson: Speak Navajo: An intermediate text in communication. University of New Mexico, Gallup Bran, Gallup, NM 1970.
  • Garth A. Wilson: Conversational Navajo workbook: An introductory course for non-native speakers. Conversational Navajo Publications, Blanding, UT 1995, ISBN 0-938717-54-5.

Linguistische und sonstige Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Adrian Akmajian, Steven Anderson, Steven: On the use of the fourth person in Navajo, or Navajo made harder. In: International Journal of American Linguistics. 36 (1), 1970, S. 1–8.
  • Mary Helen Creamer: Ranking in Navajo nouns. In: Navajo Language Review. 1, 1974, S. 29–38.
  • Leonard M. Faltz: The Navajo verb: A grammar for students and scholars. University of New Mexico Press, Albuquerque, NM 1998, ISBN 0-8263-1901-7 (hb), ISBN 0-8263-1902-5 (pbk).
  • Nancy Frishberg: Navajo object markers and the great chain of being. In: J. Kimball (Hrsg.): Syntax and semantics. Vol. 1, Seminar Press, New York 1972, S. 259–266.
  • Barbara F. Grimes (Hrsg.): Ethnologue: Languages of the world. 14. Auflage. SIL International, Dallas, TX 2000, ISBN 1-55671-106-9.
  • Kenneth L. Hale: A note on subject-object inversion in Navajo. In B. B. Kachru, R. B. Lees, Y. Malkiel, A. Pietrangeli, S. Saporta (Hrsg.): Issues in linguistics: Papers in honor of Henry and Renée Kahane. University of Illinois Press, Urbana 1973, S. 300–309.
  • Harry Hoijer: Navaho phonology. In: University of New Mexico publications in anthropology. No. 1, 1945.
  • Harry Hoijer: Classificatory verb stems in the Apachean languages. In: International Journal of American Linguistics. 11 (1), 1945, S. 13–23.
  • Harry Hoijer: The Apachean verb, part I: Verb structure and pronominal prefixes. In: International Journal of American Linguistics.11 (4), 1945, S. 193–203.
  • Harry Hoijer: The Apachean verb, part II: The prefixes for mode and tense. In: International Journal of American Linguistics. 12 (1), 1946, S. 1–13.
  • Harry Hoijer: The Apachean verb, part III: The classifiers. In: International Journal of American Linguistics. 12 (2), 1946, S. 51–59.
  • Harry Hoijer: The Apachean verb, part IV: Major form classes. In: International Journal of American Linguistics. 14 (4), 1948, S. 247–259.
  • Harry Hoijer: The Apachean verb, part V: The theme and prefix complex. In: International Journal of American Linguistics. 15 (1), 1949, S. 12–22.
  • Harry Hoijer: A Navajo lexicon. In: University of California Publications in Linguistics (No. 78). University of California Press, Berkeley 1970.
  • James Kari: The disjunct boundary in the Navajo and Tanaina verb prefix complexes. In: International Journal of American Linguistics. 41, 1975, S. 330–345.
  • James Kari: Navajo verb prefix phonology. Garland Publishing Co., 1976.
  • Joyce. McDonough: The Navajo sound system. Kluwer Academic Publishers, Dordrecht 2003, ISBN 1-4020-1351-5 (hb), ISBN 1-4020-1352-3 (pbk).
  • Gladys A. Reichard: Navaho grammar. In: Publications of the American Ethnological Society (Vol. 21). J.J. Augustin, New York 1951.
  • Edward Sapir: Two Navaho puns. In: Language. 8 (3), 1932, S. 217–220.
  • Edward Sapir, Harry Hoijer: Navaho texts. William Dwight Whitney series, Linguistic Society of America, 1942.
  • Edward Sapir, Harry Hoijer: Phonology and morphology of the Navaho language. University of California Press, Berkeley 1967.
  • Margaret Speas: Phrase structure in natural language. Kluwer Academic Publishers, 1990, ISBN 0-7923-0755-0.
  • C. Leon Wall, William Morgan: Navajo-English dictionary. Hippocrene Books, New York 1994, ISBN 0-7818-0247-4. (Die Erstausgabe wurde 1958 vom U. S. Department of the Interior, Branch of Education, Bureau of Indian Affairs herausgegeben.)
  • Anthony Webster: Coyote Poems: Navajo Poetry, Intertextuality, and Language Choice. In: American Indian Culture and Research Journal. 28, 2004, S. 69–91.
  • Gary, Witherspoon: Navajo categories of objects at rest. In: American Anthropologist. 73, 1971, S. 110–127.
  • Gary, Witherspoon: Language and art in the Navajo universe. University of Michigan Press, Ann Arbor 1977, ISBN 0-472-08966-8, ISBN 0-472-08965-X.
  • Sheldon A. Yazzie: Navajo for Beginners and Elementary Students. The University of North Carolina at Chapel Hill Press, Chapel Hill 2005.
  • Robert W. Young: The Navajo verb system: An overview. University of New Mexico Press, Albuquerque 2000, ISBN 0-8263-2172-0 (hb), ISBN 0-8263-2176-3 (pbk).
  • Robert W. Young, William Morgan Sr.: The Navajo language: A grammar and colloquial dictionary. University of New Mexico Press, Albuquerque 1987, ISBN 0-8263-1014-1. (Überarbeitete Ausgabe)
  • Robert W. Young, William Morgan, Sally Midgette: Analytical lexicon of Navajo. University of New Mexico Press, Albuquerque 1992, ISBN 0-8263-1356-6, ISBN 0-8263-1356-6.

Navajo

 
 
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Navajo steht für:

  • Navajo (Volk), ein nordamerikanisches Indianervolk (Eigenbezeichnung Diné)
  • Navajo (Sprache), die zur Gruppe der Athapasken-Sprachen gehörende Sprache der Navajo (Eigenbezeichnung Diné bizaad)
  • Navajo (Film), einen Oscar-nominierten Dokumentarfilm
  • eine Bewegung und eine Eröffnung beim Schnurspiel, siehe Fadenspiel
  • eine Atombombe, die am 10. Juli 1956 um 17:56 (GMT) in der Operation Redwing beim Riff zwischen den Inseln Namu und Yurochi im Bikini-Atoll detonierte
  • den Navajo-Code, eine während des Pazifikkriegs der USA gegen Japan ab 1942 eingesetzte Verschlüsselungsmethode, die darauf beruhte, Angehörige des nordamerikanischen Indianer-Stammes der Diné (auch Navajo) als Codesprecher zu benutzen
  • die Piper PA-31 Navajo, ein leichtes zweimotoriges Propellerflugzeug des US-amerikanischen Herstellers Piper
  • Navajo (Jugendgruppe), Bezeichnung für Gruppierungen unangepasster Jugendlicher in Köln während des Dritten Reiches
  • den Markennamen des ehemaligen britischen Automobilherstellers Alan Langridge Engineering
  • Navajo Butte, Zeugenberg im Viktorialand, Antarktika


Orte in den Vereinigten Staaten:

 

 

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Christentum

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Die Bergpredigt, Fresko von Fra Angelico (1437–1445)
 
Das Kreuz und der Fisch sind zwei der bekanntesten Symbole für Jesus Christus. Die Buchstaben des griechischen Wortes ΙΧΘΥΣ Ichthýs (Fisch) bilden als Akrostichon das Glaubensbekenntnis Jesus Christus, Sohn Gottes, Erlöser. Bleiglasfenster von Wilhelm Schmitz-Steinkrüger in der Kirche St. Johannes Baptist (Nideggen), um 1952

Das Christentum ist eine Weltreligion, die aus dem Judentum hervorging. Ihre Anhänger werden Christen genannt, die Gesamtheit der Christen wird auch als die Christenheit bezeichnet.

Von zentraler Bedeutung für das Christentum ist Jesus von Nazaret, ein jüdischer Wanderprediger, der etwa in den Jahren 28–30 unserer Zeitrechnung auftrat und in Jerusalem hingerichtet wurde. Seine Jünger erkannten in ihm nach seiner Kreuzigung und Auferstehung den Sohn Gottes und den vom Judentum erwarteten Messias. In ihren Bekenntnissen nennen sie ihn Jesus Christus. Der Glaube an ihn ist in den Schriften des Neuen Testaments grundgelegt. Die weitaus meisten Christen glauben an einen Gott (Monotheismus)[1] als eine Trinität, das heißt eine Wesenseinheit aus Vater, Sohn und Heiligem Geist.[2][3] Daneben existieren innerhalb des Christentums kleinere antitrinitarische Gruppierungen.[4][5]

Die zahlreichen Konfessionen bzw. Kirchen innerhalb des Christentums lassen sich in vier Hauptgruppen zusammenfassen: die römisch-katholische Kirche, die orthodoxen Kirchen, die protestantischen und die anglikanischen Kirchen. Mit rund 2,26 Milliarden Anhängern ist das Christentum vor dem Islam (über 1,8 Milliarden) und dem Hinduismus (rund 900 Millionen) die am weitesten verbreitete Religion weltweit.[6]

Überblick

Bezeichnung

Der Begriff „Christentum“ (von griech. Χριστιανισμός, Christianismós) wird erstmals in einem Brief des syrischen Bischofs Ignatius von Antiochien im 2. Jahrhundert erwähnt und ist den älteren Begriffen Ἰουδαισμός (Ioudaismós, Judentum) und Ἑλληνισμός (Hellēnismós, Hellenismus) nachgebildet. Nach der Apostelgeschichte 11,26 EU wurden die Jünger Jesu Christi zuerst von den Bewohnern der zum Römischen Reich gehörenden syrischen Stadt Antiochia am Orontes Χριστιανόι (Christianói, Christen) genannt, in welche die Christen nach den ersten Verfolgungen in Palästina geflohen waren. Man sah offenbar das Christusbekenntnis der Anhänger Jesu als charakteristisch für ihren Glauben an. Die Christen übernahmen diese Bezeichnung bald auch für sich selbst (vgl. Apg 26,28 EU, 1 Petr 4,16 EU). Das deutsche Wort Kristentûm ist erstmals bei Walther von der Vogelweide belegt.[7]

Ursprung

Die Wurzeln des Christentums liegen im Judentum im römisch beherrschten Israel zu Beginn des 1. Jahrhunderts. Es geht zurück auf die Anhänger des jüdischen Wanderpredigers Jesus von Nazaret. Mit dem Judentum ist das Christentum insbesondere durch den ersten Teil seiner Bibel verbunden, der den jüdischen heiligen Schriften des Tanach entspricht und im Christentum Altes Testament genannt wird. Ohne das Alte Testament wäre der christliche Glaube geschichtslos und bliebe unverständlich. Christen lesen die Texte des Alten Testaments allerdings von Jesus Christus her und auf ihn hin (christologische Interpretation). Das Christentum verbreitete sich in kurzer Zeit im Mittelmeerraum. Dabei übte der Hellenismus erheblichen Einfluss auf das christliche Denken aus.

Selbstverständnis

Der Kern der christlichen Religion rührt nach ihrem Selbstverständnis aus der bedingungslosen Liebe Gottes gegenüber den Menschen und der gesamten Schöpfung. In dieser Liebe, in der sich Gott in der Gestalt des Menschen Jesus von Nazaret offenbart und selbst erschließt, wird die Beziehung Mensch-Welt-Gott geklärt. Sie betrifft alle Daseinsbereiche des Menschen und alle Dimensionen des Menschseins. Die Heilszusage gilt den Menschen aller Nationen, unabhängig von Rassen- oder Klassenzugehörigkeit, Geschlecht oder gesellschaftlicher Stellung (vgl. Gal 3,28 EU).[8] Das Christentum versteht sich somit als universale Religion und gleichzeitig als der unüberbietbare Ort, an dem sich Gott den Menschen in der Geschichte zugewandt hat und erfahrbar ist. Diesem Verständnis bzw. dem Sendungsauftrag Christi (Mt 28, 19–20 EU) entspricht der missionarische Charakter des Christentums.

Lehre

Jesus ist nach christlichem Glaubensverständnis zugleich wahrer Gott und wahrer Mensch. Die christliche Lehre, die auf dem biblischen Zeugnis basiert, hat folgenden zentralen Inhalt: Gott wandte sich in der Menschwerdung („Inkarnation“) in seinem Sohn Jesus Christus der in Sünde verstrickten Menschheit zu; der Tod Jesu Christi am Kreuz bewirkte die Erlösung durch Beseitigung von Schuld und Sünde der Menschheit.

Die Glaubensgewissheit lag für die ersten Christen in den Ereignissen zu Ostern begründet, dem dritten Tag nach der Kreuzigung Jesu. Damals – so die Überzeugung der Christen – bewirkte Gott an Jesus als erstem von allen Menschen die Auferstehung bzw. Auferweckung und bestätigte somit die Botschaft Jesu vom kommenden Reich Gottes (Phil 2,5–11 EU). Die Anhänger Jesu machten die Erfahrung, dass ihnen der auferstandene Jesus erschien und seine bleibende Gegenwart zusagte (1 Kor 15,3–8 EU). Auf diese Oster- bzw. Auferstehungserfahrung gründet sich die christliche Gemeinschaft (Kirche), die an Pfingsten durch den Heiligen Geist die Befähigung zur Erfüllung des Missionsauftrags erhielt.

Dieser Glaube wurde, zusammen mit der Erinnerung an das Wirken Jesu von Nazaret als dem Verkünder der Botschaft Gottes, in Form von gottesdienstlichen Hymnen sowie Bekenntnisformeln ausgedrückt und in Predigten entfaltet. Kern des Bekenntnisses waren auf Jesus übertragene, zum Teil alttestamentliche Hoheitstitel wie „Herr“, Gesalbter (griech. Christus, hebr. Messias), „Sohn Gottes“ und andere.[9] Schrittweise entstanden die Schriften des Neuen Testaments, die im Laufe der ersten Jahrhunderte – gemeinsam mit der Bibel der Juden – im Biblischen Kanon festgehalten sowie bewahrt wurden – als einheitliche Grundlage der christlichen Lehre. In Bezug auf die Anerkennung der weiteren Lehrentwicklung gibt es konfessionelle Unterschiede.

Verbreitung

 
Länder, in denen das Christentum die am meisten verbreitete Religion ist, sind violett (katholisch), blau (protestantisch) oder pink (orthodox) gekennzeichnet.

Das Christentum ist die zahlenmäßig bedeutendste Weltreligion, der schätzungsweise ungefähr ein Drittel aller Menschen auf der Welt angehören. Die meisten staatlichen Statistiken werden auf Selbstbezeichnungen der einzelnen Staatsbürger oder Hochrechnungen zurückzuführen sein, manchmal auch auf amtliche Listen. In vielen Ländern der Erde werden Christen verfolgt, so dass von dort nur ungewisse Zahlen vorliegen.

Christentum weltweit in Zahlen (2000)
RegionBevölkerungChristen
  in Mio. Wachstum in Prozent in Mio. Wachstum
Europa 730 0,05 % 71,0 % 519,1 −0,4 %
Deutschland 82 0,1 % 69,4 % 57,1 −1,0 %
Schweiz 7 0,67 % 86,6 % 6,4 0,4 %
Österreich 8 0,52 % 89,7 % 7,3 0,2 %
Asien 3.691 1,41 % 8,5 % 316,5 3,7 %
Afrika 784 2,41 % 48,3 % 379,4 2,8 %
Angloamerika 309,6 0,85 % 81,5 % 259,0 0,7 %
Lateinamerika 519 1,59 % 91,6 % 476,6 1,5 %
Pazifik 31 1,59 % 73,3 % 22,9 0,74 %
Weltweit 6.065 1,59 % 32,5 % 1.973,0 1,4 %

Oben angeführt sind die Bevölkerungszahlen der UNO von 1998. Zahlen über Religionszugehörigkeit aus Gebet für die Welt, Ausgabe 2003 (siehe unten). Die Daten stammen aus den Jahren 1998–2000. Die Wachstumsraten betreffen das durchschnittliche Wachstum von 1995 bis 2000, beruhen jedoch zum Teil auf einem Wechsel der Datenbasis. Das Christentum wächst heute in den meisten Erdteilen der Welt sehr stark, wobei sich sein Wachstum vom „alten“ Kontinent Europa hin zu den „neuen“ Erdteilen verschiebt; besonders stark wächst es in Asien und Afrika. Dieses Wachstum verteilt sich gleichermaßen auf die katholische Kirche, evangelikale Gemeinschaften und Kirchen der Pfingstbewegung. Der Anteil der Lutheraner geht somit langsam zurück. In Europa kann man aufgrund des allgemeinen Geburtenrückganges und der Kirchenaustritte bei gleichzeitiger Migration einen Rückgang der Gesamtzahl der Christen verzeichnen.

Zusammenhalt, Organisation und Richtungen

 
Das Christusmonogramm mit den griechischen Buchstaben Alpha und Omega. Das „X“ und das „P“ sind die beiden griechischen Buchstaben Chi und Rho und die beiden Anfangsbuchstaben von Christus.

Die gesamte Christenheit wird als Ekklesia angesehen, als Leib Christi mit Christus als Haupt. Jeder einzelne Christ stellt ein Glied dieses mystischen Leibes dar. Manche christlichen Theologen unterscheiden zwischen der „unsichtbaren Kirche“, die alle gläubigen Christen aller Konfessionen umfasst, und der sichtbaren Kirche, deren Mitglieder mehr oder weniger gläubig sein können.

Innerhalb des Christentums entstanden bald mehrere Gruppierungen bzw. Strömungen, manchmal durch politische Motive oder geographische Gegebenheiten, aber auch durch abweichende Lehrmeinungen. Grob lassen sich diese Richtungen nach ihren Merkmalen in Konfessionen und Denominationen einteilen. Zu einer Konfession oder Denomination gehören eine oder mehrere Kirchen oder Gemeinden. Der einzelne Christ ist Mitglied einer bestimmten Kirche oder Gemeinde. Neben den Konfessionen gibt es auch konfessionsübergreifende theologische Richtungen, beispielsweise liberal, evangelikal oder charismatisch.

Viele Kirchen stehen in einer mehr oder weniger lockeren Gemeinschaft mit anderen Kirchen, die in beiderseits anerkannten Lehren begründet ist, ohne deshalb ihre spezifischen Lehren und ihr Brauchtum aufzugeben. Beispiele für solche Gemeinschaften sind der Ökumenische Rat der Kirchen, die Evangelische Allianz und die Leuenberger Konkordie. Daneben gibt es auch Kirchengemeinschaften, die die vollständige gegenseitige Anerkennung von Sakramenten, Kirchenmitgliedschaft und Ämtern beinhalten. Beispiele für solche Kirchengemeinschaften sind die Anglikanische Gemeinschaft, die orthodoxen Kirchen und die evangelischen Unierten Kirchen.

Historische Entwicklung

In der antiken Welt gab es fünf christliche Patriarchate, denen jeweils die lokalen Metropoliten, Erzbischöfe und Bischöfe unterstellt waren: Rom, Konstantinopel, Alexandrien, Antiochien und Jerusalem. Sollte über wesentliche Lehrfragen entschieden werden, wurde ein Konzil (eine Versammlung von Bischöfen) einberufen. Das höchste Ansehen genossen die ökumenischen Konzile, in denen Bischöfe aus allen Patriarchaten zusammenkamen. Mehreren Konzilien, die sich selbst als „ökumenisch“ betrachteten, wurde dieser Status wegen mangelnder Zustimmung der Ortskirchen allerdings später aberkannt. Insgesamt gab es von 325 bis 787 sieben ökumenische Konzile, die bis heute von der katholischen, den orthodoxen, den anglikanischen und den meisten evangelischen Kirchen anerkannt werden; einige protestantische Kirchen lehnen allerdings das Zweite Konzil von Nicäa wegen seiner Aussagen über die Bilderverehrung ab.

Nach dem Konzil von Ephesos 431 n. Chr. kam es zu einer ersten Spaltung, nämlich der Abspaltung der Apostolischen Kirche des Ostens („Nestorianer“). Auf dem folgenden ökumenischen Konzil von Chalcedon wurde die Natur Christi als zugleich menschlich und göttlich definiert. Die miaphysitischen Kirchen, zu denen unter anderen die koptische Kirche, die syrisch-orthodoxe Kirche und die armenische apostolische Kirche gehören, betonen die Einigung (Enosis) der menschlichen und der göttlichen Natur Christi und lehnen die Lehre eines „zweifachen Christus“ ab, wie er im extremen Dyophysitismus vertreten wird. Die Reichskirche rezipierte die gemäßigte Zwei-Naturen-Lehre des Chalcedonense, so dass sie Bestandteil der Dogmatik der meisten heute existierenden Konfessionen ist.

In den folgenden Jahrhunderten vertiefte sich in der Reichskirche die Entfremdung zwischen der östlichen und westlichen Tradition bis zum Bruch. Die westliche Tradition entwickelte sich in der Spätantike und im frühen Mittelalter im weströmischen Reich, während die östliche Tradition in Konstantinopel, Kleinasien, Syrien und Ägypten entstand (Byzantinisches Reich). Die eigentlich dogmatischen Unterschiede bleiben zwar gering, aber die lateinische Kirche hatte in dieser Zeit Lehren entwickelt, die nicht von ökumenischen Konzilien abgesegnet worden waren (z. B. Erbsündenlehre, Fegefeuer, Filioque, päpstlicher Primat des Papstes). Weitere Unterschiede bestanden seit langem bezüglich politischer Umgebung, Sprache und Fragen des Ritus und der Liturgie (Samstagsfasten, Azyma). Die Situation spitzte sich im 11. Jahrhundert zu, so dass es 1054 zu einer gegenseitigen Exkommunikation zwischen dem Papst und dem Patriarchen von Konstantinopel kam. Dieses Datum gilt üblicherweise als Beginn des morgenländischen Schismas.

Die Westkirche erfuhr durch die Reformation des 16. Jahrhunderts eine tiefgreifende Spaltung. Die Anliegen der Reformatoren betrafen vor allem das Kirchen- und Sakramentenverständnis und die Rechtfertigungslehre. Die reformatorische Bewegung führte zu mehreren parallelen Kirchenbildungen, von denen sich im weiteren Verlauf neue Gruppierungen lösten, die in den folgenden Jahrhunderten zum Teil zu Kirchengemeinschaften zusammenfanden.

Nach ersten Ansätzen im 19. Jahrhundert (z. B. Bonner Unionskonferenzen) kam es im 20 Jahrhundert zu einer Annäherung zwischen den Konfessionen und zu Formen des Dialogs und der Zusammenarbeit, die sich unter dem Stichwort ökumenische Bewegung zusammenfassen lassen. So sehen sich heutzutage Kirchen, die die zentralen Elemente der christlichen Lehre bejahen, als Schwesterkirchen, oder sie engagieren sich in ökumenischen Foren, wie beispielsweise dem Weltkirchenrat oder der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland.

Östliche Tradition

Hauptartikel: Östliches Christentum
 
Der hl. Apostel Andreas errichtet ein Kreuz auf der Anhöhe von Kiew

Die Patriarchate von Konstantinopel, Alexandrien, Antiochien und Jerusalem und einige seither neu dazugekommene nationale Kirchen, haben bis heute die gleiche Theologie und Spiritualität, die sich kaum verändert hat, und sehen sich als Teil der ursprünglichen, von Christus gegründeten Kirche. Allen ist gemeinsam, dass sie die Liturgie in der jeweiligen Landessprache feiern. Die größte orthodoxe Kirche ist heute die russisch-orthodoxe Kirche. Faktisch hat seit dem Untergang des Weströmischen Reiches der Patriarch von Konstantinopel den Ehrenvorrang unter den orthodoxen Patriarchen inne. Heute haben die orthodoxen Patriarchate oft auch Kirchen im Ausland, die ihnen unterstellt sind. Es gibt signifikante Unterschiede zwischen den orthodoxen und den westlichen Kirchen – dazu gehören z. B. der Stellenwert des Heiligen Geistes im Hinblick auf die Heiligung der Gläubigen und der zu konsekrierenden Materie, die Spiritualität, die Ikonen und die Lehre von der Kirche. Die orthodoxen Kirchen haben ihre historischen Schwerpunkte in Südost- und Osteuropa, im Nahen Osten, in Indien und in Nordostafrika und sind heute als Auswandererkirchen in allen Teilen der Welt zu finden.

Orthodoxe Christen erkennen dem Bischof von Rom einen Ehrenvorrang im Rahmen der Pentarchie zu, sofern darunter nicht ein juristischer Primat verstanden wird. Dazu bedarf es, dass der Papst rechtgläubig im Sinne der Orthodoxie ist und er sich als „primus inter pares“ sieht.

In den orthodoxen Kirchen werden die drei Sakramente der Eingliederung (Taufe, Myronsalbung und Erstkommunion) in einer einzigen Feier gespendet. Der Zölibat ist in den orthodoxen Kirchen wie auch in den mit Rom unierten katholischen Ostkirchen nur für das Bischofsamt, für Ordensleute und geweihte Jungfrauen vorgeschrieben. Die Lehre basiert auf dem Verständnis, dass die Tradition unter der Führung des Heiligen Geistes fortschreiten kann, wobei eine „traditio constitutiva“ (unveränderbar) und eine „traditio divino-apostolica“, zu denen die Adiaphora zählen, zu unterscheiden ist. Die Orthodoxie beschränkt die „traditio constitutiva“ auf die von ihnen anerkannten ökumenischen Konzilien.

Westliche Tradition

Ab der Spätantike entwickelte sich die Lehre, dass der Bischof von Rom eine Autorität besitzt, die direkt auf den Apostel Petrus zurückgeführt werden kann und die ihn zum Stellvertreter Christi und damit Inhaber des obersten Jurisdiktions-, Lehr- und Hirtenamts in der christlichen Kirche macht.

Um die Mitte des zweiten Jahrtausends forderten Theologen an verschiedenen Orten in Europa (Martin Luther und Ulrich Zwingli im deutschen Sprachraum, Johannes Calvin im französischen, und Thomas Cranmer im englischen) aus Protest gegen Missbräuche Reformen in der katholischen Kirche. Daraus entstand die Trennung der westlichen Kirche in eine römische Tradition, die in der Reformation bei Rom blieb, und eine reformatorische Tradition, die sich von Rom löste.

Die Unfehlbarkeit des Papstes bei ex cathedra verkündeten Glaubensaussagen und dessen Jurisdiktionsprimat über die Gesamtkirche wurden 1870 im Ersten Vatikanischen Konzil mit der dogmatischen Konstitution Pastor Aeternus zu verbindlichen Glaubenssätzen der Römisch-katholischen Kirche erhoben. Nach diesem Konzil trennten sich die Unfehlbarkeitsgegner von Rom bzw. wurden exkommuniziert und bildeten fortan eigene altkatholische Kirchen, die sich in der Utrechter Union der Altkatholischen Kirchen zusammenschlossen. Weil ihre historische Tradition zwischen dem 16. und dem 19. Jahrhundert der römisch-katholischen Kirche parallel lief, sie aber gemäß ihrem Selbstverständnis eine reformorientierte Ausrichtung haben, die sie in Kirchengemeinschaft mit den Anglikanern und in ökumenische Verbundenheit zum Protestantismus gebracht hat, ist ihre Klassifizierung schwierig.

Römisch-katholische Tradition

 
Heilige Messe am Fest Mariä Himmelfahrt in Villafranca de la Sierra (Spanien)

Der römisch-katholischen Kirche gehören weltweit etwa 1,1 Milliarden Gläubige an. Nach ihrem Verständnis ist die „eine heilige katholische Kirche“ (Nicäno-Konstantinopolitanisches Glaubensbekenntnis) das wandernde „Volk Gottes“, das unter Leitung des Papstes als dem Nachfolger des Apostels Petrus und Stellvertreter Christi auf Erden „unzerstörbare Keimzelle der Einheit, der Hoffnung und des Heils“ ist (vgl. Lumen Gentium,[10] Apostolicae curae und Dominus Jesus). Das Zweite Vatikanische Konzil ergänzte das Dogma der päpstlichen Unfehlbarkeit (1870) um die Aussage: „Die Gesamtheit der Gläubigen, welche die Salbung von dem Heiligen haben (vgl. 1 Joh 2,20.27 EU), kann im Glauben nicht irren.“[11]

Die drei Sakramente der Eingliederung in die katholische Kirche sind die Taufe, die Firmung und der Empfang der Eucharistie.

Die apostolische Sukzession sieht die Kontinuität mit der Urkirche dadurch gewährleistet, dass sie eine Kette von Handauflegungen (Weihe), ausgehend von den Aposteln über viele Bischöfe vergangener Tage bis hin zu den heutigen Bischöfen, angenommen wird. Nur in apostolischer Sukzession stehende Bischöfe können daher das Weihesakrament gültig spenden.

Römisch-katholische Gottesdienste sind für alle zugänglich; der Empfang der Kommunion ist jedoch nur Katholiken sowie Angehörigen orthodoxer und orientalischer Kirchen erlaubt, sofern diese in rechter Weise disponiert sind. Mitgliedern anderer Kirchen darf in Todesgefahr die Wegzehrung gereicht werden, sofern sie bezüglich dieses Sakraments den katholischen Glauben bekunden.[12] Interkommunion ist untersagt.

Evangelische Tradition

 
Evangelischer Predigtgottesdienst in Ravensburg, Deutschland

Die evangelischen Kirchen verstehen sich als allein aus der biblischen Schrift heraus begründet (Sola scriptura), während die römisch-katholische Kirche sich durch die Schrift und die Überlieferung begründet sieht. Dennoch erkennen die evangelischen Kirchen die frühen kirchlichen Traditionen an, ihre Synode, und die aus ihr stammenden Bekenntnisse (Apostolikum, Nizäisches Glaubensbekenntnis). Diese beziehen ihre Autorität jedoch nur aus ihrem Einklang mit dem evangelischen Verständnis der Schrift und nicht aufgrund der Ämter ihrer Autoren.

Die öffentliche Auseinandersetzung Martin Luthers mit der römisch-katholischen Tradition begann – nach einer mehrjährigen theologischen Entwicklung – mit den 95 Thesen; seine Lehre ist in zwei von ihm verfassten Katechismen (Großer und Kleiner Katechismus) und anderen Schriften festgehalten. Luther selbst war noch Verfechter der Kindstaufe, des Bußsakraments und der Marienverehrung, wandte sich aber entschieden gegen den Zölibat, indem er 1525 Katharina von Bora heiratete.

Der als Augustinermönch ausgebildete Theologe verfasste eine neue, auf Augustinus von Hippo fußende Rechtfertigungslehre, die besagt, dass der „Glaube allein“ (Sola fide) den Menschen „coram Deo“ (vor Gott) gerecht mache und ihn so vor der gerechten Strafe Gottes errette. Basierend auf dieser Rechtfertigungslehre, sowie dem Prinzip der Sola scriptura, erkennen die meisten evangelische Christen als Sakramente nur zwei Handlungen an: die Taufe, bei der Jesus selbst nicht Handelnder gewesen ist, sondern Johannes der Täufer, und das Abendmahl oder Herrenmahl, das Jesus selbst begründete. Für beide Handlungen sind ein Wort und ein Element konstitutiv, die in der biblischen Überlieferung mit dem Gebot Jesu zu deren Durchführung verbunden sind. In der evangelischen Tradition gibt es unterschiedliche Abendmahlsverständnisse, die jedoch von den Mitgliedskirchen der Leuenberger Konkordie für nicht kirchentrennend gehalten werden. Die reformierte Tradition versteht das Abendmahl dabei als rein symbolisches Gedächtnismahl, während in der lutherischen Tradition der Gedanke der Realpräsenz Jesu „in, mit und unter“ den Elementen Brot und Wein betont wird (Konsubstantiation), ohne allerdings deren Wandlung (Transsubstantiation) wie im katholischen Verständnis. Es ist weiterhin möglich, die Beichte abzulegen und Absolution zu empfangen, aber dies sei weder notwendig, noch sei es ein Sakrament. In den taufgesinnten evangelischen Kirchen (nicht jedoch in den deutschen Landeskirchen, die in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) vereint sind) wurde die Taufe unmündiger Kinder durch die Gläubigentaufe ersetzt, da diese Kirchen davon ausgehen, dass ein persönlicher Glaube des Täuflings eine neutestamentliche Voraussetzung für den Empfang der Taufe (sola fide) sei. Die vielfältigen evangelischen Konfessionen sind institutionell autonom und haben keine offizielle gemeinsame Lehre, die über die Schrift hinausgeht, und kein gemeinsames Oberhaupt außer Christus.

Die gemeinsamen Grundgedanken der evangelischen Kirchen lassen sich durch die „vier Soli“ zusammenfassen:

  • sola fide“: Allein der Glaube rechtfertigt vor Gott.
  • sola gratia“: Allein die Gnade Gottes bringt Erlösung.
  • sola scriptura“: Allein die Bibel ist Regel und Richtschnur des Glaubens („regula fidei“).
  • solus Christus“: Allein die Person, das Wirken und die Lehre Jesu ist Grundlage des Glaubens.

Ein besonderer Fall ist die anglikanische Kirche, die an der apostolischen Sukzession, an vielen katholischen Bräuchen in der Liturgie und an der Realpräsenz Christi in den eucharistischen Gaben festhält.

Bezüglich des Verhältnisses von Tradition und Bibel gibt es alle Zwischenstufen von der Anglikanischen Kirche bis zu den calvinistisch-reformierten Kirchen, die jede Kirchentradition außerhalb der Bibel ablehnen.

Über Lehre und Praxis wird in den meisten Konfessionen durch Synoden oder Konferenzen auf internationaler Ebene entschieden, in anderen Konfessionen auf der Ebene der lokalen Kirche.

Heute sind die Unterschiede zwischen liberalen und konservativen Flügeln innerhalb einer Konfession oft größer als die Unterschiede zwischen einzelnen Liberalen bzw. zwischen einzelnen Konservativen aus verschiedenen Konfessionen.

Während die evangelischen Konfessionen früher sehr stark die Unterschiede betonten, gibt es heute einige Ansätze zur Annäherung: Viele evangelische Konfessionen in Europa haben sich in der Leuenberger Konkordie zusammengeschlossen, evangelikale Konfessionen arbeiten in der evangelischen Allianz zusammen. In einigen Fällen ist es sogar zu Wiedervereinigungen gekommen (United Church of Canada aus Lutheranern, Methodisten und Presbyterianern; Uniting Church of Australia aus Presbyterianern, Kongregationalisten und Methodisten; United Church of Christ aus sieben Konfessionen). Mit dem Weltkirchenrat gibt es auch ein Gremium der ökumenischen Zusammenarbeit, das nicht nur auf den Dialog zwischen den verschiedenen evangelischen Kirchen beschränkt ist, sondern in dem auch die altkatholischen, orthodoxen und altorientalischen Kirchen vertreten sind.

Tradition evangelischer Freikirchen

Die 1525 in Zürich entstandene radikal-reformatorische Täuferbewegung wird von vielen Freikirchen zu ihrer Vorgeschichte gerechnet. Die Mennoniten (Taufgesinnte) und Hutterer stehen in direktem historischen Zusammenhang damit. Ebenfalls in der Reformationszeit verwurzelt sind die Schwenkfeldianer und die Unitarier. Die erste Baptistengemeinde wurde 1609 in unter englischen Puritanern und unter Einfluss niederländischer Mennoniten im Amsterdam gegründet. Im 18. Jahrhundert folgte in England die Gründung der Methodisten. Im Pietismus entstanden im deutschsprachigen Raum weitere Kirchen wie die Schwarzenau Brethren und die Herrnhuter, die zum Teil auf die früheren Böhmischen Brüder zurückgehen. Im 19. Jahrhundert folgte schließlich die Bildung der Heilsarmee, der Freien evangelischen Gemeinden und der Siebenten-Tags-Adventisten. Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelte sich dann von Nordamerika aus die Pfingstbewegung.

Die meisten dieser Bewegungen verstehen sich als taufgesinnt und sind der Überzeugung, dass die Wassertaufe ein Ausdruck der bereits zuvor erlebten Neugeburt eines Menschen sein soll. Die Täuferbewegung wurde jahrhundertelang verfolgt. Auch die später entstandenen Freikirchen erfuhren Verfolgung und Diskriminierung. Sie waren getrennt von der jeweiligen Staats- oder Landeskirche und somit „Freikirchen“, die für die Trennung von Kirche und Staat eintraten. Diese verschiedenen freikirchlichen Zweige zeigen heute weltweit in Bezug auf Mitgliederzahlen ein starkes Wachstum.

In Deutschland arbeiten viele evangelische Freikirchen in der Vereinigung Evangelischer Freikirchen zusammen, in der Schweiz im Verband Evangelischer Freikirchen und Gemeinden in der Schweiz. In Österreich kam es zu einem Zusammenschluss mehrerer Bünde (Pfingstler, Evangelikale, Baptisten, Mennoniten) zu den Freikirchen in Österreich; dieser Zusammenschluss ist dort eine rechtlich anerkannte Kirche.

Andere Konfessionen

Apostolische Gemeinschaften

Als apostolische Gemeinschaften werden christliche Gemeinschaften bezeichnet, deren Ursprünge in den Erweckungsbewegungen zwischen 1820 und 1830 sowie in der daraus hervorgegangenen katholisch-apostolischen Gemeinschaft liegen. Hauptanliegen dieser Erweckungsbewegungen war eine Wiederbesetzung des Apostelamtes. Vor allem in den Anfangsjahren wurden die Lehre und Praxis der apostolischen Gemeinschaften sowohl vom Protestantismus als auch vom Katholizismus beeinflusst und geprägt.[13] Es entwickelten sich – neben der Lehre vom Apostelamt – weitere exklusive Lehrvorstellungen, beispielsweise im Bereich der Eschatologie und des Entschlafenenwesens. Eine theologische Besonderheit aller dieser Gemeinschaften stellt auch das Sakrament der Heiligen Versiegelung dar, das laut Lehrmeinung notwendig sei, um vollständiges Heil zu erlangen (wobei sich die Aussagen hierüber unterscheiden).

Heute zählen zu den bedeutendsten Vertretern die Neuapostolische Kirche (NAK) und die Vereinigung Apostolischer Gemeinden (VAG), deren Gemeinden hauptsächlich als Abspaltungen von der NAK entstanden. Außerdem existieren das Apostelamt Jesu Christi, das Apostelamt Juda und die Old Apostolic Church. Einige der Gemeinschaften beteiligen sich an der Ökumenischen Bewegung und sind trotz theologischer Vorbehalte in die Arbeitsgemeinschaften Christlicher Kirchen aufgenommen worden.[14]

Neureligiöse Gemeinschaften

Verschiedene andere Konfessionen sehen sich weder in der orthodoxen, katholischen noch in der evangelischen Tradition. Gruppen, die sich selbst so einordnen, sind beispielsweise die Quäker, die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage und andere Gemeinschaften der Mormonen, Die Christengemeinschaft, die Vereinigungskirche, die Ernsten Bibelforscher, die Freien Bibelgemeinden und die Zeugen Jehovas. Viele dieser neureligiösen Gemeinschaften haben von den oben skizzierten Konfessionen abweichende Auslegungen. Beispielsweise haben sie Ansichten über die Trinität, die nicht mit den ökumenischen Konzilen übereinstimmen, oder gleichwertige Schriften neben der Bibel oder bestimmte sogenannte „Sonderlehren“, die sich bei den anderen Konfessionen bzw. in der Bibel in dieser Form nicht finden oder ihnen sogar offen widersprechen. Wegen dieser Abweichungen ist es umstritten, ob jene oft auch als „(christliche bzw. religiöse) Sondergruppen oder -gemeinschaften“ oder „Sekten“ bezeichneten Gruppen überhaupt zu den christlichen Konfessionen gezählt werden können. Einige der besagten Gruppen haben die (allerdings unterschiedlich stark ausgeprägte) Tendenz, ihre eigene Sicht des Christentums als „absolut“ zu setzen. Der Begriff Unitarier umfasst heute sowohl antitrinitarisch-christliche Gruppen (Unitarier im traditionellen Sinne) als auch Vertreter einer pantheistisch-humanistisch ausgerichteten Religion, in der Christus keine zentrale Rolle mehr spielt.

Geschichte

Hauptartikel: Kirchengeschichte

Lehre

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Für die christliche Lehre sind die Menschwerdung Gottes, der Kreuzestod und die Auferstehung Jesu Christi zentral. Die Christen glauben, dass diese Ereignisse die Basis von Gottes Werk bilden, das die Menschheit mit ihm aussöhnt; sein Tod am Kreuz wird als Erlösungstat verstanden. Die Menschwerdung und der freiwillige Opfertod gelten als Ausdruck äußerster Liebe Gottes zur verlorenen Menschheit. Entsprechend zentral für das christliche Handeln ist die Liebe (griechisch Αγάπη; lateinisch caritas) zu Gott (Gottesliebe) und zum Mitmenschen (Nächstenliebe).

Den verschiedenen Konfessionen sind folgende Glaubensaussagen gemeinsam:

  • Es ist nur ein einziger Gott, und Gott ist dreieinig – ein einziges ewiges Wesen, das sich in drei „Personen“ offenbart: Vater (Schöpfer), Sohn (Mittler, Erlöser) und Heiliger Geist (Kraft, „Tröster“ = Beistand, Vollender).
  • Jesus Christus ist der Sohn Gottes und der verheißene Messias.
  • Jesus Christus ist zugleich wahrer Gott und wahrer Mensch (Zwei-Naturen-Lehre).
  • Jesus Christus hat das kommende Gottesreich verkündet, das mit seinem Auftreten begonnen hat.
  • Richtschnur für das Leben als Christ ist die Einheit von Gottes- und Nächstenliebe einschließlich der Feindesliebe.
  • Jesus konnte nicht sündigen. Durch sein Opfer am Kreuz ist allen Menschen ihre Schuld der Erbsünde vergeben, die ihnen seit ihrer Geburt anhaftet, und sie sind durch das Blut Christi mit Gott versöhnt, sofern sie dies annehmen.
  • Täuflinge werden mit Wasser und nach der trinitarischen Taufformel (Mt 28,19 EU) getauft. Durch den Glauben werden sie vom Tod in ein ewiges Leben auferweckt, sofern sie an dieses Erlösungswerk Gottes für sich glauben.
  • Menschen empfangen durch den Glauben an Christus den Heiligen Geist, der Hoffnung bringt und sie bzw. die Kirche in Gottes Wahrheit und gemäß Gottes Absichten führt.
  • Der auferstandene Jesus sitzt zur Rechten Gottes. Er wird wiederkehren, um die Gläubigen in die ewige Anschauung Gottes zu führen. Bis zu dieser Wiederkehr hat die Kirche den Auftrag, allen Menschen und Völkern die frohe Botschaft zu verkünden.
  • Die Bibel ist als Wort Gottes von Gott inspiriert. In ihr ist die Botschaft über Jesus und Gott sowie die Richtschnur für das gottesbewusste Verhalten der Menschen niedergelegt.
  • Maria, die Mutter Jesu, gebar den Sohn Gottes, der durch das Wirken des Heiligen Geistes gezeugt wurde.

Ursprung und Einflüsse

 
Darstellung des Gekreuzigten aus dem Jahr 1310

Die ersten Christen waren Juden, die zum Glauben an Jesus Christus fanden. In ihm erkannten sie den bereits durch die biblische Prophetie verheißenen Messias (hebräisch: maschiach, griechisch: Christos, latinisiert Christus), auf dessen Kommen die Juden bis heute warten. Die Urchristen übernahmen aus der jüdischen Tradition sämtliche heiligen Schriften (den Tanach), wie auch den Glauben an einen Messias oder Christus (christos: Gesalbter). Von den Juden übernommen wurden die Art der Gottesverehrung, das Gebet der Psalmen u. v. a. m. Eine weitere Gemeinsamkeit mit dem Judentum besteht in der Anbetung desselben Schöpfergottes. Jedoch sehen die Christen Gott als einen dreieinigen Gott an: den Vater, den Sohn (Christus) und den Heiligen Geist, die wesensgleich (homo-ousisos) sind. Der Glaube an Jesus Christus führte zu Spannungen und schließlich zur Trennung zwischen Juden, die diesen Glauben annahmen, und Juden, die dies nicht taten, da diese es unter anderem ablehnten, einen Menschen anzubeten, denn sie sahen in Jesus Christus nicht den verheißenen Messias und erst recht nicht den Sohn Gottes. Die heutige Zeitrechnung wird von der Geburt Christi aus gezählt. Anno Domini (A. D.) bedeutet „im Jahr des Herrn“.

Die Heilige Schrift und weitere Quellen

Die zentrale Quelle für Inhalt und Wesen des christlichen Glaubens ist die Bibel, wobei Stellenwert und Auslegung variieren.

Die Bibel besteht aus zwei Teilen, dem Alten und dem Neuen Testament. Das Alte Testament entspricht inhaltlich bis auf Details dem jüdischen Tanach und wurde von Jesus und den Urchristen ebenso wie von den Juden als Heilige Schrift gesehen. Das Neue Testament enthält Berichte vom Leben Jesu (Evangelien), der frühen Kirche (Apostelgeschichte für die Jahre 30 bis etwa 62), Briefe der Apostel, sowie die Offenbarung des Johannes. Die Begriffe „Alt“ und „Neu“ für die Testamente bezeichnen den Tatbestand, dass es aus Sicht der Christen einen alten und einem neuen Bund zwischen Gott und den Menschen gibt. Das Alte Testament ist ursprünglich auf Hebräisch verfasst und wurde später (allerdings noch in vorchristlicher Zeit) unter der Bezeichnung Septuaginta ins Altgriechische übersetzt. Das Neue Testament ist hingegen in einer speziellen Variante des Altgriechischen, der Koine, verfasst. Später wurden beide Testamente ins Lateinische übersetzt (Vetus Latina, Vulgata), dem folgten sehr viel später verschiedene, teilweise konfessionsgebundene, Übersetzungen (aus dem Urtext) in die jeweiligen Volks- und/oder Landessprachen (etwa Lutherbibel, Zürcher Bibel, Einheitsübersetzung, King-James-Bibel).

Der Umfang des Alten Testaments wird von den Konfessionen unterschiedlich bestimmt, da die griechische Überlieferung der Septuaginta auch mehrere Texte enthält, die in der hebräischen Überlieferung nicht enthalten sind. Die Teile, die nur in der Septuaginta stehen, werden als deuterokanonische bzw. apokryphe Schriften bezeichnet. (Siehe auch Kanon des Alten Testaments.)

Über den Inhalt des Neuen Testaments besteht bei allen großen Konfessionen ein Konsens, der sich im Laufe der ersten vier Jahrhunderten entwickelt hat. (Siehe auch Kanon des Neuen Testaments.)

Durch zahlreiche Funde von Kodices und Papyri in den letzten zwei Jahrhunderten kann der ursprüngliche Text des Neuen Testaments heute mit großer Genauigkeit wissenschaftlich rekonstruiert werden. Damit befasst sich die Textgeschichte des Neuen Testaments. Wie sich dieser rekonstruierte Text am besten in die Sprachen der Gegenwart übersetzen lässt, wird intensiv diskutiert (siehe Bibelübersetzung).

Auch in Bezug auf Exegese (Auslegung) der biblischen Texte und ihrer praktischen Anwendung auf das tägliche Leben (Ethik) gibt es eine große Bandbreite von Meinungen.

Bei den meisten Konfessionen beeinflussen neben der Bibel auch andere Texte wie Glaubensbekenntnisse, Katechismus, Tradition, Liturgie und christliche Vorbilder wie Heilige die Ausformung der kirchlichen und persönlichen Praxis.

Beziehung zu anderen Weltanschauungen

Das Christentum hat andere Religionen beeinflusst, deren Anhänger sich zwar nicht als Christen sehen, aber Jesus als Propheten Gottes anerkennen. Im Koran erscheint Jesus als Isa ibn Maryam, das heißt als Sohn Marias, seine Gottessohnschaft wird indessen bestritten. Scharf zurückgewiesen werden im Koran jede Anbetung Jesu sowie nach Sure 112 die Dreieinigkeit. Andererseits trägt Jesus im Koran positive Titel wie Messias, Wort Gottes und auch Geist Gottes; ebenso gehört er zu den Propheten des Islam. Die Kreuzigung Christi wird in Sure 4, Vers 157 und entsprechend in der islamischen Koranexegese verneint:

Dem Christentum wird generell unter Nichtchristen Positives wie Negatives zugesprochen. Positiv wird meist die Lehre der Nächstenliebe gesehen. Auch setzen sich weltweit viele Christen für den Frieden und für barmherzige Konzepte gegen die Armut ein. Negativ wird die Geschichte des Christentums mit Kreuzzügen, Hexenverfolgungen, Inquisition und Antijudaismus gesehen. Die Positionen zu ethischen Reizthemen wie künstlicher Empfängnisverhütung, Homosexualität und Schwangerschaftsabbruch sind auch innerchristlich umstritten.

Der spätere König von Thailand Mongkut hatte um 1825 herum als buddhistischer Abt intensiven Kontakt mit dem katholischen Bischof Jean-Baptiste Pallegoix. Er kommentierte: „Was Ihr die Menschen zu tun lehrt, ist bewundernswert. Aber was Ihr sie zu glauben lehrt, ist töricht.“[15][16]

Es ist ein Anliegen vieler christlicher Kirchen, sich untereinander zu versöhnen und eine gemeinsame Basis zu schaffen (Ökumene). Außerdem führen einige das Gespräch mit anderen Religionen (interreligiöser Dialog). Ziel ist ein friedliches Zusammenleben der Religionsgemeinschaften.

Die frühen Christen wurden zeitweise heftig verfolgt. Auch heute, gerade in kommunistischen und islamischen Ländern, findet eine starke Christenverfolgung statt.

Dem Christentum wird teilweise der Vorwurf gemacht, eine Mitschuld an der Judenverfolgung gehabt zu haben, da z. B. im Mittelalter Juden verfolgt wurden, weil man ihnen die Schuld am Kreuzestod Jesu gab. Ursache für diese Verfolgung war die Vermischung der historischen und der theologischen Schuldfrage, die dazu führte, dass gegenwärtig lebende Juden für die (historische) Schuld am Tod Jesu haftbar gemacht wurden und beispielsweise als „Gottesmörder“ bezeichnet wurden. Die heutige theologische Forschung unterscheidet zwischen der Frage nach der historischen Schuld für einen Justizmord, die gleichberechtigt für Jesus ebenso wie für jeden anderen Justizmord der Weltgeschichte gestellt werden kann und muss, und der theologischen Frage nach der Bedeutung des Todes Jesu Christi für jeden Einzelnen. Die historische Frage nach der Schuld am Tode Jesu wird heute relativ einhellig so beantwortet, dass hier die römische Besatzungsmacht die Verantwortung trug, da die jüdischen Autoritäten gar keine Befugnis zur Hinrichtung von Menschen hatten. Die theologische Frage wird im christlichen Glaubensverständnis so beantwortet, dass ein jeder Sünder selber die Schuld am Kreuzestod Jesu trägt.

Kultureller Einfluss des Christentums

In der Geschichte des Abendlandes haben sich Glaube, Kultur und Kunst wechselseitig beeinflusst. Eine entscheidende Station war beispielsweise der Bilderstreit im frühen Mittelalter. Im Abendland beschäftigte sich Kunst oft mit christlichen Themen, obwohl seit der Renaissance stärker auch Rückgriff auf nichtchristliche Motive aus der Antike genommen wurde.

Musik gehört von jeher zur liturgischen Ausdrucksform des christlichen Glaubens. In allen Epochen der Musikgeschichte schufen die bedeutendsten Musiker ihrer Zeit Werke auch für die Kirchenmusik, so beispielsweise Georg Friedrich Händel, Wolfgang Amadeus Mozart, Felix Mendelssohn Bartholdy; an herausragender Stelle aber vor allem Johann Sebastian Bach. Dichter wie Martin Luther oder Paul Gerhardt schufen im deutschsprachigen Raum Texte von hohem Rang und beeinflussten die weitere Entwicklung der Kirchenmusik maßgeblich. Der Einfluss des christlichen Glaubens ist dabei nicht auf die so genannte klassische oder E-Musik beschränkt: So greift beispielsweise die Gospelmusik vor allem im amerikanischen Kulturkreis unterschiedliche Stilrichtungen des 20. Jahrhunderts auf und entwickelt diese weiter.

Auch im Bereich der Sprache hat das Christentum in vielen Ländern maßgeblich gewirkt. Im deutschsprachigen Raum hatte Martin Luther durch seine Bibelübersetzung prägenden Einfluss auf die Entwicklung und Verbreitung der hochdeutschen Sprache. Die Bibel als meistübersetztes Buch der Weltliteratur machte es insbesondere in kleineren Sprachräumen z. T. überhaupt erst einmal erforderlich, eine Schriftsprache zu entwickeln, wodurch kleinere Sprachen häufig in ihrem Wert und ihrer Identität gestärkt wurden.

Wurde der christlichen Mission früher teilweise der Vorwurf gemacht, zugleich mit dem christlichen Glauben auch die Kultur des Abendlandes (z. B. in Form von Kleiderordnungen) zu exportieren, ist das Selbstverständnis von Mission heute eher auf Inkulturation ausgerichtet. Zu den wesentlichen kulturellen Einflüssen des Christentums ist zudem die Etablierung der christlichen Zeitrechnung im Abendland zu zählen.

Siehe auch

Literatur

Einführungen

Geschichte (umfangreiche Darstellungen)

  • Cambridge History of Christianity. Mehrere Hrsg. 9 Bände. Cambridge 2005ff. (Gesamtdarstellung, die den neueren Forschungsstand miteinbezieht.)
  • Die Geschichte des Christentums. Religion Politik Kultur. Herausgegeben von Jean-Marie Mayeur, Charles und Luce Pietri, André Vaucher, Marc Venard. Deutsche Ausgabe herausgegeben von Norbert Brox, Odilo Engels, Georg Kretschmar, Kurt Meier, Heribert Smolinsky, 14 Bde., Verlag Herder, Freiburg i. Br. 1991ff. (aktuelle Gesamtdarstellung: Besprechung)
  • Handbuch der Kirchengeschichte. Herausgegeben von H. Jedin u. a., 7 Bde., Freiburg 1962–1979, ISBN 3-451-20454-1 (Standardwerk zur Geschichte des Christentums aus dem Blickwinkel der katholischen Kirche und teils überholt.)

Lexika

Siehe vor allem: Theologische Realenzyklopädie, Religion in Geschichte und Gegenwart [4. Aufl.], Lexikon für Theologie und Kirche [3. Aufl.] und Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon.

  • Metzler Lexikon christlicher Denker: 700 Autorinnen und Autoren von den Anfängen des Christentums bis zur Gegenwart. Hrsg. von Markus Vinzent. Metzler, Stuttgart u. a. 2000

Philosophische Deutungen

  • René Girard: Ich sah den Satan vom Himmel fallen wie einen Blitz. Eine kritische Apologie des Christentums. Hanser, München 2002
  • Georg Wilhelm Friedrich Hegel: Frühe Schriften. Werke in zwanzig Bänden, Band 1. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1971
  • Michel Henry: Inkarnation: Eine Philosophie des Fleisches. 2. Auflage. Alber, Freiburg 2004
  • Jean-Luc Nancy: Dekonstruktion des Christentums. Diaphanes, Zürich/Berlin 2008
  • Slavoj Zizek: Das Reale des Christentums. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2006, ISBN 3-518-06860-1.

Sonstige Literatur

  • Bruce Bawer: Stealing Jesus: How Fundamentalism Betrays Christianity. Three Rivers Press, New York 1997, ISBN 0-609-80222-4 (Kritik an fundamental-dogmatischen Tendenzen.)

Weblinks

 Portal: Christentum – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Christentum
 Wiktionary: Christentum – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Kategorie: Christentum – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikibooks: Einführung in das Christentum – Lern- und Lehrmaterialien
 Wikisource: Christentum – Quellen und Volltexte

Anmerkungen

  1. Theodore M. Ludwig: Art. Monotheismus, in: Lindsay Jones (u. a.) (Hrsg.): Encyclopedia of Religion. 2., völlig neu erstellte Auflage. New York (u. a.) 2005, Vol. 9, S. 6155–6163.
  2. Gisbert Greshake: Der dreieine Gott – Ein trinitarische Theologie, Freiburg/Basel/Wien, 5. Aufl. 2007.
  3. Vgl. die altkirchlichen Glaubensbekenntnisse Apostolikum, Nizänum und Athanasium.
  4. Lothar Ullrich: Antitrinitarier, in: Lexikon für Theologie und Kirche, durchg. 3. Auflage, Freiburg 2009, Sp. 776–777.
  5. Artikel Antitrinitarier, in: Evangelisches Lexikon für Theologie und Gemeinde, Bd. 1. 1992, S. 91: „Sie … bildeten eine über die Reformation hinausgehende Gestalt des Christentums im Unitarismus, …“
  6. CIA (Hrsg.): The World Fact Book 2009. (CIA World Factbook: online (englisch)).  33,32 % von 6,790 Milliarden Menschen Weltbevölkerung.
  7. Max Seckler: Art. Christentum I-III. In: Lexikon für Theologie und Kirche, Dritte Auflage, 1993–2001, Zweiter Band, Sp. 1105ff.
  8. Max Seckler: Art. Christentum I-III. In: Lexikon für Theologie und Kirche, Dritte Auflage, 1993–2001, Zweiter Band, Sp. 1113 f.
  9. Benedikt XVI.: „erneuerte jüdische Tora
  10. II. Vatikanisches Konzil: Dogmatische Konstitution über die Kirche „Lumen Gentium“, Nr. 9.
  11. Dogmatische Konstitution über die Kirche „Lumen Gentium“, Nr. 12.
  12. Ähnliche Regeln gelten für den Empfang der Sakramente der Versöhnung und der Krankensalbung; siehe can. 844 CIC.
  13. Konfessionsgruppe der Apostolischen Gemeinschaften. In: APWiki. Abgerufen am 31. Oktober 2014. 
  14. Gastmitglieder. In: Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland. Abgerufen am 31. Oktober 2014. 
  15. Manuel Sarkisyanz: Die Kulturen Kontinental-Südostasiens. Kambodscha, Birma, Thailand, Laos, Vietnam, Malaya. Akademische Verlagsgesellschaft Athenaion, 1979, S. 95
  16. Robert Bruce: „King Mongkut of Siam and His Treaty with Britain“ Seite 91. (PDF) In: Journal of the Royal Asiatic Society Hong Kong Branch. The University of Hong Kong Libraries Vol. 9, 1969, abgerufen am 14. April 2012. 

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